Was ist Führung nach Lutz von Rosenstiel

gepostet am 7. November 2017
aktualisiert am 17. Juni 2024

Bist du bereit, das Geheimnis erfolgreicher Führung nach Lutz von Rosenstiel zu entschlüsseln? Egal, ob du den Wechsel von der Fach- zur Führungskraft anstrebst oder deine Führungsfähigkeiten verbessern möchtest – in diesem Fritz Tipp erfährst du die grundlegenden Definitionen, Konzepte und Prinzipien, die starke Führung ausmachen.

Inhalt

Was ist Führung nach Rosenstiel?

Die Führungsforschung liefert zahlreiche Definitionen für das Phänomen Führung. Prof. Dr. Dr. Lutz von Rosenstiel (1938-2013), Professor für Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Universität München, ist eine Koryphäe auf diesem Gebiet und beantwortet die Frage was ist Führung, wie folgt:

Führung Definition

Führung ist die unmittelbare, absichtliche und zielbezogene Einflussnahme durch InhaberInnen von Vorgesetztenpositionen auf Unterstellte mit Hilfe der Kommunikationsmittel. In einer späteren Definition von Führung ist für mich ein wichtiger Aspekt dazu gekommen. Führung ist zielbezogene Einflussnahme, einerseits durch Personen, andererseits durch Strukturen.

Quelle: Rosenstiel, Molt & Rüttinger (1988) und Rosenstiel, Regnet & Domsch (2020)

Somit bedeutet Führung für mich die bewusste Einflussnahme von Führungskräften auf Mitarbeiter, um definierte Ziele zu erreichen. Das heißt, du als Führungskraft hast die Aufgabe das Verhalten deiner Mitarbeiter zu beeinflussen und vorprogrammierte Schnittstellenkonflikte zu entscheiden.

Definition von Führung nach Lutz von Rosenstiel. Quelle: Fritz Führungskreise.
Definition von Führung nach Lutz von Rosenstiel. Quelle: Fritz Führungskreise.

Der Systemgedanke in der Führung

Wie Kerr und Jermier bereits 1978 zu Recht beanstanden, wird das Verhalten von Mitarbeitern in Organisation auch zielbezogen beeinflusst, ohne das unmittelbar irgendeine Führungskraft Einfluss ausübt. Damit findet der Systemgedanke Einzug ins Führungsgeschehen.

Strukturen wie Organigramme, Stellenbeschreibungen, Verfahrensvorschriften und Anreizsysteme beeinflussen dein Verhalten ebenso wie Führungskräfte. Je stärker die Strukturen, desto weniger musst du als Führungskraft eingreifen – wie bereits Charly Chaplin wusste:

Die wichtigsten Aspekte im Führungsgeschehen sind nach Rosenstiel die Führungseigenschaften, das Führungsverhalten, die Führungssituation und die Reaktion der Mitarbeiter. Der Führungserfolg wird an Mitarbeiterzufriedenheit (job satisfaction) und Leistungsbereitschaft (job performance) gemessen.

Führungseigenschaften: Welche Eigenschaften brauche ich als Führungskraft?

Bis Ende der 40er Jahre lag der Forschungsfokus auf der Persönlichkeit des Führenden. Die Eigenschaftstheorie der Führung geht davon aus, dass bestimmte Eigenschaften der Führungskraft den Führungserfolg bedingen.

Ganz im Sinne der Great-Man-Theorie nach Thomas Carlyle (1795-1881), nach der gewisse Persönlichkeitseigenschaften einen dazu bestimmen anzuführen. Basierend auf der Meta-Studie von Stogdill (1948), brauchst du als Führungskraft folgende Eigenschaften:

  1. Befähigung: Intelligenz, Wachsamkeit, Ausdrucksfähigkeit, Originalität oder Urteilskraft.
  2. Leistung: Wissen, Vorbildung und beruflichen oder sportliche Erfolge.
  3. Verantwortlichkeit: Zuverlässigkeit, Selbstsicherheit, Initiative, Dominanzstreben oder Ausdauer.
  4. Teilnahme: Kontaktfreude, Kooperationsverhalten, aber auch Einsatzwille, Anpassungsfähigkeit oder Humor.
  5. Status: Soziale und wirtschaftliche Lage.

Der Intelligenzquotient sagt besser als jeder andere Faktor den Bildungs- und Berufserfolg aus, so Hirnforscher Roth. Rosenstiel erklärt jedoch treffend, es kommt weniger auf die absolute Höhe der Intelligenz an als auf die relative Intelligenz in Bezug auf die Geführten.

Rosenstiel fasst die hilfreichen Eigenschaften einer Führungskraft wie folgt zusammen: Intelligenz, soziale Kompetenz, hohe Zielbindung, offen für neue Erfahrungen sein in Kombination mit ausgeprägter Lernfähigkeit. Wie schätzt du dich selbst im Hinblick auf diese Führungseigenschaften ein?

Senad Hodzic

„Im Führungskreis Softwareentwicklung werden immer wieder spannende Themen aus dem Alltag behandelt, als auch neue Impulse für zukünftige Ideen und Entwicklungen gesetzt. An dem Format gefällt mir besonders der freundschaftliche und ungezwungene Umgang mitaneinander und das man immer etwas mit nimmt was man so vorher nicht erwartet hat. In den letzten Jahren konnte ich so schon viel in unsere Prozesse und Entwicklungen ein fliesen lassen und die gewonnen Erfahrungen an mein Team weitergeben. “

Senad Hodzic
Abteilungsleiter Steuerungsentwicklung
Otto Bihler Maschinenfabrik GmbH & Co. KG

Führungsverhalten: Wie muss ich mich als Führungskraft verhalten?

Bis Ende der 60er Jahre konzentrierte sich die Führungsforschung auf das Verhalten des Führenden. Berühmt sind in diesem Zusammenhang die Führungsstile nach Kurt Lewin. Ein Vergleich von 30 Führungsstiluntersuchungen durch Mayer und Neuberger (1974) zeigt, Lewins Untersuchungsergebnisse sind zumindest hinsichtlich des Leistungskriteriums nicht generalisierbar.

Näher an der Praxis als die Führungsstilforschung ist der Versuch, beobachtbares Führungsverhalten zu beschreiben, messen und analysieren. Im Rahmen der Ohio-Studie von Fleischmann (1973) konnten im Kern zwei unterschiedliche Dimensionen des Führungsverhalten voneinander unterschieden werden: Aufgabenorientierung und Mitarbeiterorientierung:

Führungsverhalten: Aufgabenorientierung versus Mitarbeiterorientierung. Quelle: Ohio-Studie (Fleischmann 1973).
Führungsverhalten: Aufgabenorientierung versus Mitarbeiterorientierung. Quelle: Ohio-Studie (Fleischmann 1973).

Bei der Führung von Mitarbeitern geht es nicht um Mitarbeiterorientierung oder Aufgabenorientierung, sondern um ein sowohl als auch. Sowohl die Zielerreichung, als auch der Zusammenhalt in der Gruppe, muss gegeben sein – wie spätere Arbeiten von Watzlawick, Hersey und Blanchard, Schulz von Thun und Salzmann unterstreichen.

Einfaches, integratives Führungsstilmodell. Quelle: Herbert Salzmann.
Einfaches, integratives Führungsstilmodell. Quelle: Herbert Salzmann.

Wie musst du dich als Führungskraft nun verhalten? Konzentriere dich zum einen auf den Menschen, um ein motivierendes Klima zu schaffen. Zum anderen musst du dich genauso auf die Aufgabe fokussieren, um Qualität und Effizienz sicherzustellen. Wie gut gelingt dir dieser Spagat im Alltag? Als Tipp gebe ich dir vier Verhaltensweisen mit, die ich bei besonders erfolgreichen Führungskräften immer wieder erlebe:

Sein ein Vorbild

Wenn du in deiner Rolle als Führungskraft als Vorbild vorangehst und Lust an der gemeinsamen Arbeit zeigst, wird das Einfluss auf das Verhalten deiner Mitarbeiter und ihrer Selbstwirksamkeitserwartung haben. Führungsverhalten beeinflusst Mitarbeiterverhalten.

Schaffe Einsicht und Verständnis

Wenn du als Führungskraft versuchst durch gemeinsame Gespräche Einsicht und Verständnis bei deinen Mitarbeitern zu erzeugen, kann dies je nach Fall, den größten aber auch den kleinsten Nutzen haben. Manchmal hilfts. Manchmal auch nicht.

Ziehe Konsequenzen

Bereits Hobbes (1588-1679) wusste, bloße Worte können keine Furcht erzeugen. Hilft weder vorbildliches Verhalten noch gut zureden, braucht es Konsequenzen. Dir als Führungskraft werden von der Organisation entsprechende Instrumente an die Hand gegeben: Mitarbeiterbeurteilung, Zielvereinbarung (MbO), variable Vergütung.

Gestalte Rahmenbedingungen

Das Verhalten von Mitarbeitern kann zielbezogen beeinflusst werden, ohne dass du als Führungskraft Einfluss ausübst. Auch durch Strukturen oder Rahmenbedingungen kannst du indirekt steuern. Das folgende Video zeigt wunderbar, wie gewünschtes Verhalten durch Gestaltung der Rahmenbedingungen erreicht werden kann:

Tom Skaro

„Durch den Führungskreis Qualitätsmanagement habe ich eine Plattform, die es mir ermöglicht schwierig empfundene Themen, gemeinsam mit den Kollegen, welche dieselben oder ähnliche Herausforderungen haben, zu diskutieren und zu bewältigen. Durch die Beratung und den offenen Austausch in diesem Gremium sowie durch die Unterstützung der sehr gut ausgewählten Referenten, sind die Lösungsansätze im Endeffekt einfacher als man denkt. “

Tom Skaro
Leiter QUS Management
Jansen AG

Führungssituation: Was hat die Situation mit Führung zu tun?

Bis Anfang der 80er Jahre dominierten situative Ansätze die Forschung. Beim situativen Führungsstil wird angenommen, dass die Anforderungen an das Verhalten der Führungskraft je nach Situation variieren können. Nicht jeder Mitarbeiter sollte gleichbehandelt werden.

Hersey und Blanchard (1977) haben aufbauend auf der Ohio-Studie von Fleischmann (1973) ein Reifegradmodell entwickelt. Je geringer der Reifegrad des Mitarbeiters hinsichtlich seiner Fähigkeiten und Motivation, desto eher ist ein aufgabenorientierter Führungsstil passend. Je höher der Reifegrad des Mitarbeiters hinsichtlich seiner Fähigkeiten und Motivation, desto eher ist ein mitarbeiter- oder beziehungsorientierter Führungsstil passend.

Situativer Führungsstil nach Hersey und Blanchard (1977). Quelle: Fritz Führungskreise.
Situativer Führungsstil nach Hersey und Blanchard (1977). Quelle: Fritz Führungskreise.

Was Hersey und Blanchard damit sagen wollen, erfolgreiches Führungsverhalten in Unternehmen A kann zu Misserfolg in Unternehmen B führen. Der Führungsstil muss an die jeweilige Situation angepasst werden. Die absolute Steigerungsform sind Führungsdyaden. Dabei wird der Führungsstil an den jeweiligen Mitarbeiter angepasst.

Salzmann folgend ist situatives Führen nach Hersey und Blanchard kein Führungsstil, sondern eine wertvolle Methodik, die auf Tuckmans Teamentwicklungs-Modell (1966) zurückgeht. Bass führte die Beliebtheit des situativen Führungsstils darauf zurück, dass das Modell der Führungskraft alle Optionen offenlässt. Wie gut gelingt es dir auf die individuellen Bedürfnisse deiner Mitarbeiter einzugehen? Gelingt es dir dein Führungsverhalten an die Situation anzupassen?

Fazit – Führung nach Lutz von Rosenstiel

Das Geheimnis erfolgreicher Führung nach Lutz von Rosenstiel ist leicht entschlüsselt. Werde dir als bewusst, worin deine Aufgabe als Führungskraft überhaupt besteht. Wenn du dann auf deine Mitarbeiter zielbezogen Einfluss üben möchtest, wirst du dich automatisch mit den dazu notwenigen Führungseigenschaften, -verhaltensweisen, und -situationen auseinandersetzen. Das alles zusammengenommen ist am Ende des Tages nichts anderes wie intensive und fortwährende Persönlichkeitsentwicklung.

Dr. Patrick Fritz

Dr. Patrick Fritz

FAQ

Was versteht man unter Führung nach Lutz von Rosenstiel?

Führung ist die unmittelbare, absichtliche und zielbezogene Einflussnahme durch InhaberInnen von Vorgesetztenpositionen auf Unterstellte mit Hilfe der Kommunikationsmittel. Sie umfasst sowohl den Einfluss durch Personen als auch durch Strukturen.

Welche Rolle spielt der Systemgedanke in der Führung?

Neben dem direkten Einfluss von Führungskräften spielen Strukturen wie Organigramme, Stellenbeschreibungen und Anreizsysteme eine wichtige Rolle. Diese Strukturen beeinflussen das Verhalten der Mitarbeiter und können den direkten Führungsaufwand reduzieren.

Welche Eigenschaften sollte eine erfolgreiche Führungskraft laut Rosenstiel besitzen?

Intelligenz, soziale Kompetenz, hohe Zielbindung, Offenheit für neue Erfahrungen und ausgeprägte Lernfähigkeit.

Wie sollte sich eine Führungskraft verhalten, um erfolgreich zu sein?

Vorbild sein, Einsicht und Verständnis schaffen, Konsequenzen ziehen, Rahmenbedingungen gestalten.

Warum ist es wichtig, das Führungsverhalten an die Situation anzupassen?

Je nach Fähigkeiten und Motivation der Mitarbeiter kann ein aufgabenorientierter oder ein mitarbeiterorientierter Führungsstil passend sein.

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