Mischpult des Managements nach Muster

gepostet am 7. Februar 2023
aktualisiert am 20. Juni 2024

Die Soziologin Judith Muster hat mit dem Mischpult des Managements eine wunderbare Metapher für die drei entscheidbaren Entscheidungsprämissen nach Luhmann entwickelt. Ein sperriges Wort, das sich für den Hausgebrauch auch mit Spielregeln für eine Organisationsstruktur übersetzen lässt. Diese Spielregeln entsprechen jeweils einem Regler auf einem imaginären Mischpult, wie dieser Fritz Tipp aufzeigt.

Inhalt

Regler 1: Strategie

Erstens Entscheidungsprogramme (=Strategie), mit ihnen wird entschieden, welches Handeln in Organisationen als richtig oder als falsch anzusehen ist, z.B. durch eine Strategie. Ähnlich einem Kochrezept, Handbuch oder Produktionsprogramm.

Auf Luhmann aufbauend wird nach Nagel unter Strategie ein Set an geschäftspolitischen Prämissen verstanden, die im operativen Geschehen die alltäglichen Entscheidungsprozesse eines Unternehmens anleiten: Produkte, Zielmärkte, Zielkunden, Technologien, sowie das Geschäftsmodell.

Management-, Experten- oder Fachberater werden vorwiegend über die Entscheidungsprämisse Strategie wirksam. Je höher dieser Regler eingestellt ist, umso mehr Kriterien bzw. Erwartungen gibt es bei Entscheidungen zu beachten.

Regler 2: Organisation

Zweitens Kommunikationswege (=Organisation), hier wird entschieden, wie die Kommunikation in der Organisation kanalisiert wird, z.B. in Form eines Organigramms. Anders als in einer Familie muss in einer Organisation eben nicht jeder mit jedem reden.

Soziologen und Organisationsberater werden vorwiegend über die Entscheidungsprämisse Organisation wirksam. Der Soziologie erklärt sich die Psyche der Beteiligten durch die sozialen Spielregeln der Interaktion. Je höher der Regler steht, umso genauer ist geklärt, wer mit und für wen arbeitet.

Marc Bachmann

„Pragmatisch, hohes Niveau, interessante und anspruchsvolle Teilnehmer. Starker Praxisbezug und kurze auflockernde Theorie-Inputs ergänzen sich optimal. Ich erlebe dies als wertvolle Erweiterung meiner Handlungskompetenz. Der Führungskreis Essentials ist ein Muss für jeden Macher, der sein Wissen praxisorientiert weiterentwickeln und karrierebezogen vertiefen möchte. “

Marc Bachmann
Chief Executive Officer
Bioengineering AG

Regler 3: Verhalten

Drittens Personal (=Verhalten), hier wird entschieden, wer in der Organisation Entscheidungen treffen kann, z.B. durch Personalentscheidungen oder Personalentwicklung. Durch einen neuen Chef können sich Entscheidungsmuster von jetzt auf gleich verändern oder er gleicht sich dem vorhandenen Muster an.

Der Therapeut erklärt sich die Organisation als Organismus, der durch die Psyche der Beteiligten bestimmt ist. Je höher der Regler steht, umso differenzierter sind die Vorgaben bzw. Erwartungen, welche Personen, welche Stellen besetzen können.

Mischpult des Managements

Der besondere Dreh, den die Systemtheorie nach Luhmann dem Management gibt, ist für mich die Erkenntnis, Entscheidungsprämissen oder Spielregeln können nicht unabhängig voneinander betrachtet werden.

Dabei entsprechen die Entscheidungsprämissen jeweils einem Regler auf dem imaginären Mischpult. Zusätzlich kann man sich Führung als Endverstärker vorstellen, der alle aus dem Mischpult ausgehenden Signale aufs gleiche Level bringt.

Mischpult des Management mit 3 Entscheidungsprämissen nach Judith Muster. Quelle: Fritz Führungskreise.
Mischpult des Management mit 3 Entscheidungsprämissen nach Judith Muster. Quelle: Fritz Führungskreise.

Wenn die Regler höher eingestellt sind, kann der Endverstärker Führung nur noch gering auf Signale einwirken. Anders formuliert, wenn der Endverstärker Führung aus der Gleichung genommen wird, müssen die Regler Strategie, Organisation und Personal umso höher gedreht werden.

Wenn die Regler niedriger eingestellt sind, muss der Endverstärker Führung umso stärker eingreifen, um die Zielkonflikte auf operativer Ebene zu verhandeln und entscheiden. Hier einige Möglichkeiten, wie der Endverstärker Führung auf operativer Ebene entlastet werden kann:

Bei aller Begeisterung für die Regler auf dem Mischpult, darf die Wirkung des Endverstärkers nicht vergessen werden. Nach Löffler, ist ein Chef deshalb ein so cooles Strukturelement, weil es fast keine anderen braucht, wenn die Kiste mit dem Chef funktioniert.

Entscheidungsprämissen in der Praxis

Für mich ist das Mischpult des Managements auch eine Möglichkeit, um Phänomene in der Praxis besser zu verstehen. Hier einige Beispiele, die mir schon häufiger begegnet sind:

Fazit – Entscheidungsprämissen

Entscheidungsprämissen bilden Festlegungen, die den alltäglichen operativen Entscheidungen einen Orientierungsrahmen geben. Man könnte auch von Meta-Entscheidungen oder Spielregeln einer Organisation sprechen, aus denen sich das Verhalten der Akteure erklären lässt.

Das Bild rund um das Mischpult des Managements und die damit verbundenen Zusammenhänge zwischen den Entscheidungsprämissen nach Luhmann sind nicht beweisbar. Dennoch eine schöne Metapher für integrierte oder systemische Unternehmensentwicklung.

Dr. Patrick Fritz

Dr. Patrick Fritz

entscheidungsprämisse entscheidungsprämissen entscheidungsprämissen luhmann luhmann luhmann entscheidungsprämissen luhmann kommunikation luhmann leicht gemacht luhmann soziale systeme luhmann systemtheorie niklas luhmann niklas luhmann systemtheorie systemtheorie luhmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Auf der Suche nach frischen Ideen für Ihre Führungsarbeit? Mit unserem Newsletter bekommen Sie einen Tipp pro Monat. Wohl dosiert, verständlich und übersichtlich.