Purpose im Unternehmen: Beispiele, Illusionen und was tatsächlich wirkt

gepostet am 23. März 2021
aktualisiert am 6. Februar 2026

Purpose im Unternehmen soll Sinn stiften, Orientierung geben und Mitarbeitende motivieren. Entsprechend groß sind die Versprechen, mit denen Organisationen heute auf die Suche nach Arbeitssinn reagieren. Doch hält der Purpose-Hype, was er verspricht, oder bleibt er oft eine wohlklingende Illusion auf der Vorderbühne? In diesem Fritz Tipp hinterfrage ich Purpose kritisch, zeige typische Widersprüche auf und erkläre, warum Sinn nicht verordnet werden kann, sondern erlebt werden muss.

Inhalt

Was ist Purpose?

Purpose ist heutzutage ein wichtiger Begriff in der Unternehmenswelt – so wollen es uns viele Hochglanzbroschüren glauben lassen. Doch was steckt hinter diesem Anglizismus, der mit Grund, Absicht, Ziel, Zweck oder Sinn übersetzt werden könnte?

Definition von Purpose

Purpose ist der höhere Zweck einer Organisation oder eines Unternehmens, der über die Gewinnorientierung hinausgeht.

Quelle: In Anlehnung an Wikipedia, Stand 10. Jänner 2023

Spontan fühle ich mich bei dieser Purpose-Definition an religiöse Sinnversprechen erinnert. Du musst nur fest genug daran glauben, damit es wahr wird. Schlimmer noch, wer genauer nachliest, wird zwischen Purpose und Mission eines Unternehmens keinen wesentlichen Unterschied feststellen:

Definition von Mission

Die Mission ist die Formulierung des Auftrages, den die Organisation sich gegeben hat: Wozu gibt es uns? Wofür sorgen wir? Was bieten wir? Welche Kraft treibt uns an?

Quelle: In Anlehnung an Wikipedia 2024

Zwischenfazit: Purpose und Mission sind schwer voneinander abgrenzbar. Was beim Purpose jedoch häufig mitschwingt, ist eine implizite Kapitalismuskritik. Der Sinn des Unternehmens muss über Bedürfnisbefriedigung des Kunden und Gewinnmaximierung für die Eigentümer hinausgehen.

Herbert Windhager

„Bei den Treffen im Führungskreis Einkauf schätze ich besonders die Kollegiale Beratung. Wenn sich mehrere Einkaufsleiter den Kopf über ein Thema zerbrechen bzw. ihre Erfahrungen einbringen, treten immer wieder überraschende und oft auch überraschend einfache Lösungsansätze zu Tage. “

Herbert Windhager
Leiter Einkauf
SOLA-Messwerkzeuge GmbH

Purpose Beispiele aus der Praxis

Sinek empfiehlt den Purpose zu klären, als Basis für erfolgreiche Produkte und Leader. Das Why soll der Magnet sein, welcher Kunden oder Mitarbeiter anzieht. Hier Purpose Beispiele aus Unternehmen die Kunden oder Mitarbeiter anziehen sollen:

Würde dich eines dieser Purpose-Statements tatsächlich zum Handeln motivieren, wie Sinek mit seiner Why–How–What-Metapher behauptet? Mir geht es ähnlich wie Jenewein, Purpose ist auch eine Diskussion der Eliten, die mit dem Alltag vieler Menschen am Band wenig zu tun hat. Warum ist Purpose trotzdem ein Thema?

Wofür könnte es Purpose brauchen?

Manfred Zumtobel, einer meiner Lehrmeister, hat mich an die Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor Frankl (1905 – 1997) herangeführt. Frankl ist ein Schüler und Wegbegleiter von Siegmund Freud und Alfred Adler.

Für Frankl ist ein Wert ein persönlicher Motivationsfaktor, der einen Mensch etwas bevorzugen oder tun lässt. Das kann eine Aufgabe, eine Führungskraft oder ein Kollege sein, der mich zum Tun bringt. Durch das Erfahren von Werten entsteht Sinn bzw. Purpose im Leben, so Zumtobel im folgenden Video.

Die Krux: Eine Organisation kann keine Werte vorgeben. Stattdessen müssen Führungskräfte Räume schaffen, in denen Mitarbeitende Werte selbst erfahren und entwickeln können. Das Werterlebnis entsteht beim Mitarbeiter, wenn er sich betroffen und positiv angerührt fühlt. Ob das der Fall ist, ist seine Entscheidung.

Auch wenn es die Organisation oder die Führungskraft noch so gut meint, ob sich jemand mit den Werten eines Unternehmens identifizieren kann, entscheidet der Empfänger, nicht der Sender. Damit ist ein für alle Mitarbeiter sinnvoller Purpose ein frommer Wunsch, aber nicht mehr.

Darüber hinaus hat ein Mitarbeiter nicht nur das berufliche Leben, sondern im besten Fall viele Lebensbereiche, in denen er individuelle Werterlebnisse haben kann. Wert, Sinn oder Purpose ist und bleibt etwas sehr Persönliches.

„Nach einem Jahr im Führungskreis Personal bin ich vom Konzept und von der Umsetzung begeistert. In den Workshops werden HR-Fragestellungen mittels externen Vorträgen und kollegialer Fallberatung kurz und knackig bearbeitet. Dies vor Ort bei den teilnehmenden Unternehmen. Es entsteht ein wertvolles Netzwerk und ich kann immer wieder Anregungen für die Umsetzung im eigenen Betrieb gewinnen. Die Themenstellungen werden von den Teilnehmern des Führungskreises selbst definiert und sind daher immer praxisrelevant. Wer die Möglichkeit zur Teilnahme hat, sollte die Chance nützen. “

Mike Ferlemann
Bereichsleiter Personal
Getzner Textil AG

Erkenntnisse aus der Forschung

Wann fühlen sich möglichst viele Mitarbeitende betroffen und positiv angerührt, im Sinne eines Werterlebnis nach Frankl? Forschungsergebnisse deuten in eine klare Richtung. Nicht der Purpose an sich motiviert – sondern das Gefühl, einen echten Beitrag für andere Menschen zu leisten:


Im Kern ist die Faktenlage schnell erklärt. Menschen sind motiviert ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Eines der zentralen Bedürfnisse ist der Wunsch nach Zusammengehörigkeit bzw. Relatedness.

Dies motiviert uns einen Beitrag für andere zu leisten und führt zu mehr Glück und Gesundheit. Menschen arbeiten nicht für ein abstraktes WHY, sondern weil sie erleben, dass ihre Arbeit anderen nützt.

Fazit: Purpose oder Placebo?

Der Purpose-Hype verspricht viel, hält aber wenig. Die Idee eines übergeordneten Sinns in der Arbeit klingt verlockend, doch sie bleibt oft eine Illusion. Insbesondere, wenn Unternehmen sie als Marketinginstrument nutzen. Letztlich entscheidet nicht das Unternehmen, sondern jeder Einzelne selbst, was für ihn sinnstiftend ist.

Die Forschung zeigt: Es ist nicht der Purpose an sich, der motiviert, sondern das Erleben eines echten Beitrags für andere. Führungskräfte sollten daher weniger auf wohlklingende Purpose-Statements setzen, sondern Räume schaffen, in denen Mitarbeitende echte Wirkung erfahren können.

Dr. Patrick Fritz

Dr. Patrick Fritz

FAQ

Was bedeutet Purpose?

Purpose bezeichnet den höheren Zweck eines Unternehmens oder einer Organisation, der über die reine Gewinnerzielung hinausgeht. Häufig wird er mit Sinn, Absicht oder Zielsetzung übersetzt.

Ist Purpose dasselbe wie eine Mission oder Vision?

Nicht ganz. Während eine Mission den Auftrag eines Unternehmens beschreibt (Wofür gibt es uns?), und eine Vision das angestrebte Zukunftsbild darstellt, soll Purpose eine übergeordnete Sinnhaftigkeit vermitteln. In der Praxis verschwimmen die Grenzen jedoch oft.

Warum ist Purpose aktuell so ein großes Thema?

Viele Unternehmen nutzen Purpose als Mittel zur Differenzierung im Wettbewerb und zur Mitarbeiterbindung. Er ist auch eine Reaktion auf gesellschaftliche Erwartungen, die über reine Profitorientierung hinausgehen.

Ist Purpose wirklich ein Erfolgsfaktor für Unternehmen?

Die Forschung zeigt, dass nicht der Purpose an sich motiviert, sondern das Erleben eines echten Beitrags für andere. Mitarbeitende fühlen sich sinnstiftend, wenn sie merken, dass ihre Arbeit einen Unterschied macht.

Können Unternehmen Purpose vorgeben?

Nein. Sinnhaftigkeit ist eine persönliche Erfahrung. Führungskräfte können lediglich Rahmenbedingungen schaffen, in denen Mitarbeitende ihren individuellen Purpose erleben können.

Welche Beispiele für Purpose gibt es in Unternehmen?

Beispiele großer Unternehmen sind:
Google: „To organize the world’s information and make it universally accessible and useful.“
Tesla: „Accelerate the world’s transition to sustainable transport and energy.“
IKEA: „Create a better everyday life for people.“

Warum wird Purpose oft als elitär kritisiert?

Purpose-Debatten werden häufig in elitären Kreisen geführt und sind in vielen Berufen mit stark standardisierten Tätigkeiten wenig relevant. Mitarbeitende in diesen Bereichen ziehen Sinn eher aus kollegialen Beziehungen oder direkten Kundenerfahrungen.

Was sagt die Forschung über Purpose?

Untersuchungen zeigen, dass Menschen vor allem dann Motivation und Erfüllung in der Arbeit empfinden, wenn sie das Gefühl haben, einen positiven Einfluss auf andere zu haben.

Was sollten Führungskräfte tun, um Sinnstiftung zu fördern?

Statt abstrakte Purpose-Statements zu formulieren, sollten sie darauf achten, dass Mitarbeitende ihre Arbeit als bedeutsam erleben – etwa durch direkten Kundenkontakt, Anerkennung und sinnvolle Aufgaben.

führen durch sinn führung werte und grundsätze persönlicher purpose beispiele purpose purpose bedeutung purpose beispiel purpose beispiele purpose beispiele unternehmen purpose definieren purpose statement beispiele purpose unternehmen purpose unternehmen beispiele purpose unternehmen definition purpose unternehmenskultur purpose veränderung purpose was ist das purposes sinn sinn absicht sinn absicht ziel sinn und werte sinn von unternehmen sinnhaftigkeit mitarbeiter unternehmens purpose beispiele warum ist purpose wichtig was bedeutet purpose was ist mein purpose was ist purpose Werte werte definieren werte führungskraft wie purpose für unternehmen erarbeiten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Auf der Suche nach frischen Ideen für Ihre Führungsarbeit? Mit unserem Newsletter bekommen Sie einen Tipp pro Monat. Wohl dosiert, verständlich und übersichtlich.