Macht und Führung in Organisationen

gepostet am 13. November 2018
aktualisiert am 19. Juni 2024

Wer sich mit Führung beschäftigt, kommt um den Begriff Macht nicht umher. Bei Führung geht es um Einflussnahme auf Mitarbeiter durch Führungskräfte und Strukturen. Wie stark die Einflussnahme durch die Führungskraft ausfällt, wird über das Konstrukt Macht erklärbar. Dieser FRITZ Tipp dreht sich um das Verhältnis von Macht und Führung.

Inhalt

Was ist Macht?

Macht Definition

Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.

Quelle: Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. Kapitel 1, § 16

Macht stellt neben Vertrauen das Potenzial dar, das Einflussnahme durch Führungskräfte überhaupt erst ermöglicht. Beide Mechanismen, sowohl Macht und Vertrauen, haben ihre Vor- und Nachteile. Macht ist beispielsweise deutlich stabiler als Vertrauen, welches schnell verloren gehen kann. Fairholm bringt es auf den Punkt: „Power is the essence of leadership“.

Der Zusammenhang zwischen Macht und Führung. Quelle: Fritz Führungskreisen.
Der Zusammenhang zwischen Macht und Führung. Quelle: Fritz Führungskreisen.

Magee ergänzt: „Alle effektiven Führer haben Macht, aber nicht alle Macht-Besitzer sind Führer“. Dennoch ist Macht das letzte schmutzige Geheimnis der Organisation, so Bennis. Das Potenzial zur Beeinflussung anderer Individuen kann höher oder niedriger ausfallen, je nach Ausprägung der einzelnen Machtformen.

Wichtig zu wissen, Macht ist immer eine Austauschbeziehung. Ein Offizier kann nur Befehle erteilen, wenn die Soldaten diese auch befolgen. Sobald sich eine Person der Beziehung zum Beispiel durch Scheidung oder Kündigung entzieht, ist die Austauschbeziehung und damit das Machtverhältnis zu Ende.

Welche Machtformen gibt es?

Die Sozialpsychologen French und Raven haben bereits 1959 ein Schema von fünf Machtformen entworfen, das heute um eine sechste Kategorie ergänzt wird:

  1. Belohnung: Gehaltserhöhung, Beförderung, Karriere…
  2. Bestrafung: Versetzung, Entlassung, unangenehme Aufgaben…
  3. Legitimation: Arbeitsvertrag, Arbeitsrecht, Regeln, Ethik…
  4. Identifikation: Handlungsweisen, Wertemuster…
  5. Sachkenntnis: Expertise zu Markt, Technik…
  6. Information: Ich weiß etwas, das du nicht weißt.

Bei einem Verhandlungstraining mit Lassert wurde auch die Wirkung der Person als siebte Form thematisiert. Damit sind Faktoren wie Größe, Schönheit, Charme, Freundlichkeit, Rhetorik und Eloquenz gemeint. Schöne Beispiele zu den aufgezählten Machtformen finden sich im folgenden Podcast, wie man Leute dazu kriegt, Dinge zu tun, die sie nicht tun wollen:

Im Vergleich zum Schema der fünf Machtformen von French und Raven, liefern die Quellen der Macht nach Morgan von 2006 diverse Erweiterungen:

Andreas Grund

„Begegnung mit Gleichgesinnten, Austausch auf Augenhöhe und Freude daran sich gegenseitig zu unterstützen. Der Führungskreis Produktion ist für mich ein besonderer Ort der fachlich und persönlich bereichert. In so einem Rahmen machen selbst kritische Themen Spaß und durch die stets praxisrelevanten Inhalte und sehr guten Impulsbeiträge sind neue Erkenntnisse und Ideen immer mit dabei. Ich bin dankbar ein Teil davon zu sein. “

Andreas Grund
Leiter Produktion
elobau GmbH & Co. KG

Wie viel Macht habe ich?

Um diese Frage zu beantworten, ist es wichtig die Machtformen zu kennen, die einem selbst zur Verfügung stehen. Insbesondere dann, wenn man ohne Weisungsbefugnis führen muss (Laterale Führung). Hier einige Fragen zur Reflektion:

Anschließend können die identifizierten Machtformen in der Führung bewusster genutzt werden, um das Verhalten der Mitarbeiter im Sinne der Unternehmensziele zu beeinflussen. Wenn es sich aber nicht um meinen direkten Einflussbereich handelt, muss eine andere Frage beantwortet werden.

Wie viel Macht haben meine Mitspieler?

In diesem Zusammenhang nutze ich in Führungskreisen sehr gerne eine spezielle Form der Stakeholder-Analyse. Dabei werden die Mitspieler quasi live in den Raum geholt. Hier die Schritte im groben Überblick:

  1. Wer sind die wichtigsten Stakeholder für dich?
  2. Was ist die Erwartung der Stakeholder an dich?
  3. Interview durch Moderator mit Fallgeber zur Problemstellung.
  4. Resonanzrunde durch die Stakeholder.
  5. Feedback durch den Fallgeber.

Durch die Simulation werden Machtverhältnisse und Machtformen in Bezug auf eine Rolle oder ein Problem sehr schnell deutlich. Dadurch erhält man häufig eine vollkommen neue Perspektive auf mögliche Lösungen für ein spezielles Problem.

„Die Plattform von Patrick ist einmalig, da er es immer wieder schafft, uns als Teilnehmer herauszufordern und zum Nachdenken anzuregen. Die Themen und Diskussion im Führungskreis Softwareentwicklung helfen mir bei der täglichen Arbeit. Die Impulsvorträge ermöglichen mir in kürzester Zeit in ein neues Thema ausserhalb des normalen Alltags einzusteigen. “

Urs Stäheli
Director Software Engineering
L.Kellenberger & Co AG

Wie spielen Hierarchie, Macht und Führung zusammen?

Wenn Macht als Potenzial zur Einflussnahme verstanden wird, ist auch der Nutzen von Hierarchie offensichtlich. Hierarchie ist ein Mechanismus der Organisation, um ausgewählten Mitgliedern (=Führungskräfte) formale Macht (=Belohnung/Bestrafung) zu verleihen, den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen. Nach Groth beschränkt Macht den Möglichkeitsraum:

Nach Poppenborg funktioniert Steuerung nur dann, wenn sie an Macht gebunden ist. Damit Anweisungen befolgt oder Regeln angewendet werden, müssen sie durch jemanden legitimiert werden. Sei es eine Führungskraft, ein Gremium oder die Mehrheit. Ohne Führungsmacht wäre die Handlungsfähigkeit nur durch die Bildung von Mehrheiten (Demokratie) oder ein akzeptiertes Verfahren zur Entscheidungsfindung zu erreichen (Holacracy).

Graeber und Wengrow schließen in ihrer neu aufgelegten Menschheitsgeschichte an und stellen fest, dass die meisten frühen Gesellschaften, die als egalitär betrachtet werden, komplexe Formen der Zusammenarbeit aufwiesen, die auf Vertrauen, sozialen Beziehungen und informellen Netzwerken beruhten, anstatt auf formaler Autorität und Hierarchie.

Heute können Führungskräfte aufgrund der verliehenen formalen Macht belohnen und bestrafen. Sie stehen im besonderen Fokus ihrer Mitarbeiter und können damit über ihre Vorbildfunktion Einfluss nehmen. Nicht zuletzt haben sie häufig einen höheren Informationsstand und können diesen in die eine oder andere Richtung nutzen, z.B. indem sie Kommunikation durch Macht stoppen.

Somit lässt sich Macht als Mittel begreifen, um die Entscheidungsfähigkeit in Organisation durch Führungskräfte sicher zu stellen. So ist es nicht verwunderlich das auch in Geschäftsleitungen eine Person bestimmt wird, genannt CEO, der im Konfliktfall entscheiden kann. Je höher eine Person in der Hierarchie, desto höher die mit der Rolle verbundene Macht.

Fazit

Bei Führung geht es um Einflussnahme durch Personen und Strukturen. Mittels Struktur in Form von Hierarchie wird Führungskräften die formale Macht verliehen, den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen. Je höher in der Hierarchie, desto mehr Macht.

Das ist auch unbedingt notwendig. Immer dort, wo es zur Arbeitsteilung kommt, ist Koordination notwendig. Hierarchie ist das zentrale Instrument der Koordination. Hierarchien koordinieren mithilfe formaler Macht die Aktionen autonomer Leute, die sich an die Mitgliedschaftsbedingungen halten.

Führung und Macht sind somit kein Widerspruch, sondern ein notwendiges Zusammenspiel. Jede Führungskraft sollte die vorhandenen Machtformen kennen und gezielt nutzen, um die eigenen Einflussmöglichkeiten zu stärken.

Dr. Patrick Fritz

Dr. Patrick Fritz

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