Gamification: Beispiele und praktische Anwendungen
Gamification ist mehr als nur ein Spiel. Es ist eine kraftvolle Methode, die Motivation und Produktivität in der Arbeitswelt steigert. Entdecke in diesem Fritz Tipp konkrete Beispiele und praktische Anwendungen, die zeigen, wie Spielelemente Verhaltensänderungen bewirken können.
Inhalt
Was ist Gamification?
Kannst du dich an Mensch ärgere dich nicht erinnern? Das Hoch, wenn man endlich einen 6er würfelt, um rauszukommen. Das Tief, wenn man kurz vor dem Ziel rausgeschmissen wird und zurück an den Start muss.
Ohne Frage, Spiele können motivieren. Spielbrett, Würfel, Kegel und du bleibst stundenlang an einer Sache dran. Kein Wunder, dass man Spiel-Verhalten auf andere Kontexte, wie Arbeit, Führung, Software oder Shopfloor übertragen möchte.
Gamification Definition
Als Gamification wird die Anwendung spieltypischer Elemente in einem spielfremden Kontext bezeichnet. Hier das perfekte Gamification Beispiel, die Piano Stairs:
Doch was ist es genau, was ist der Mechanismus hinter Gamification, der dich beinahe hypnotisch auf dein Handy starren lässt, nur um noch eine letzte Runde zu spielen. Hier lohnt sich den Deckel zu heben und unter die Haube zu blicken.

„Der Führungskreis B2B-Marketing ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Personen aus unterschiedlichen Branchen aufgrund von ähnlichen Herausforderungen im Alltag voneinander lernen können. Neben dem fachlichen Austausch, der um interessante Vorträge aus der Praxis ergänzt wird, schätze ich vor allem die Offenheit, mit der sich alle Teilnehmer:innen begegnen. Ich bin schon viele Jahre aktiv mit dabei und immer noch begeistert von den vielfältigen Themen und dem inspirierenden Austausch. “
Was treibt Menschen beim Spielen an?
Jeder Mensch hat Bedürfnisse. Murray spricht von needs und presses. Maslow von Mangel- und Wachstumsbedürfnissen. Häusel vom Emotionssystem. Rogers von Aktualisierungstendenz. Diese Grundbedürfnisse sind mittels zweier Akronyme gut einprägbar:
- SCARF = Status, Certainty, Autonomy, Relatedness, Fairness.
- RAMP = Relatedness, Autonomy, Mastery, Purpose.
Sicherlich gibt es noch weitere Bedürfnisse. Sicherlich sind diese Grundbedürfnisse nicht bei jedem Menschen gleich ausgeprägt. Wichtig ist, jeder Mensch ist von Haus aus motiviert, seine Bedürfnisse zu befriedigen.
Dies machte sich Charles M. Schwab, CEO von Bethlehem Steel, bereits Anfang des 19. Jahrhunderts zu Nutze, in dem er nach Schichtende die Produktionsmenge mit Kreide auf dem Boden notierte (6 Tonnen):

Zum Start der nächsten Schicht, waren die 6 Tonnen durchgestrichen und mit 7 Tonnen ersetzt worden. Das Team von Schicht B hat das Team von Schicht A geschlagen. Schwab hat ein spieletypisches Element (Punkte) in einem spielfremden Kontext (Stahlfabrik) eingesetzt.
Anders ausgedrückt hat Schwab ein Umfeld geschaffen, in dem Menschen ihre Bedürfnisse nach Satus und Mastery befriedigen können: Wir wollen besser sein, als die nächste Schicht. Ich möchte dieses Gamification Beispiel nicht bewerten, aber die Funktionsweise herausarbeiten.
Die Top 10 Gamification Methoden
In Spielen kommen wiederkehrende Gamification Methoden zum Einsatz. Hier sind die Top 10 der spieletypischen Techniken oder Elemente, die dir sicherlich bekannt vorkommen:
- Epic Meaning: Repräsentiert eine übergeordnete Geschichte, wie der Kampf Gut gegen Böse, um den Spieler zu motivieren.
- Level: Höhere Level bedeuten mehr Erfolg und schalten zusätzliche Spiel-Features frei, was den Fortschritt und die Motivation steigert.
- Countdown: Zeigt eine verbleibende Zeit für die Lösung einer Aufgabe an und fördert so den Ansporn, diese schnell zu bewältigen.
- Badges: Medaillen oder Abzeichen, durch Aufgabenerfüllung erworben, dienen der Anerkennung und Statusrepräsentation.
- Rangliste: Durch Punkte, Badges und Level errechnete Platzierung fördert den Ansporn durch Konkurrenzdenken.
- Punkte: Virtuelle Belohnungen, wie Geld oder Sterne, sprechen materialistische Instinkte an und motivieren durch kleine Erfolge.
- Verbesserungen: Der Fortschritt im Spiel gewährt neue Fähigkeiten und Waffen durch Upgrades oder Power-Ups.
- Fortschrittsbalken: Visualisiert den Fortschritt und ausstehende Ziele, motiviert den Spieler, 100 % zu erreichen.
- Teamarbeit: Gruppenbildung fördert aktive Beteiligung, Identifikation mit Teamkollegen und den Ansporn, Rivalen zu übertreffen.
- Transparenz des Resultats: Bietet vorzeitiges Wissen über Schwierigkeitsgrad, Zeitaufwand und Belohnungshöhe eines Ergebnisses.
Der Einstieg beginnt mit einem persönlichen Gespräch
Diese Gamification Methoden dienen dem Zweck, den Spielkontext zu gestalten. Du als Spieler erlebst durch Quests und Aufgaben Selbstbestimmtheit (Autonomy). Punkte und Badges unterstreichen deine Kompetenz (Mastery). Die übergeordnete Geschichte fokussiert dich auf ein Ziel (Purpose). Csikszentmihalyi spricht vom Flow-Erlebnis.

Gamification für Führungskräfte
Wie kann ich Gamification als Führungskraft nutzen? Versetze dich in die Rolle eines Spieldesigners und stelle dir die folgenden vier Fragen:
- Wer ist meine Zielgruppe?
- Was ist das gewünschte Zielverhalten?
- Welche Bedürfnisse können das Zielverhalten motivieren?
- Wie gestalte ich den Kontext, um dieses Bedürfnis zu befriedigen?
Angenommen deine Zielgruppe sind deine direkten Mitarbeiter und du wünscht dir, das sie möglichst lange beim Unternehmen bleiben. Deine Vermutung lautet, starke persönliche Beziehungen am Arbeitsplatz motivieren zu bleiben. Also stärkst du die Team-Arbeit, um Bedürfnisbefriedigung zu ermöglichen.
| Zielverhalten | Bedürfnis | Maßnahme |
|---|---|---|
| Beim Unternehmen bleiben | Relatedness | Team-Arbeit einführen |
| Eigenverantwortlich handeln | Autonomy | Selbstorganisation ermöglichen |
| Gesamtzusammenhang kennen | Purpose | Vision und Mission erarbeiten |
| Probleme kompetent lösen | Mastery | Weiterbildung fördern |
| Max. Arbeitsleistung | Status | Rangliste einführen „Up or Out“ |
Eine weiteres Beispiel um den Arbeitskontext zu gestalten, ist das Motto „Up or Out“ in großen Beratungshäusern. Damit schaffen diese Arbeitgeber ein Umfeld in dem Menschen mit einem starken Statusbedürnis glänzen können und dafür ihre maximal Arbeitsleistung zur Verfügung stellen.
In der nachfolgenden Abbildung sind weitere Elemente zur Kontextgestaltung für Führungskräfte dargestellt. Die Ziffern 1-4 entsprechen den oben genannten Schritten. Spätestens ab Schritt 3 musst du besonders empathisch vorgehen. Dein Einfühlungsvermögen gibt dir Aufschluss über die Bedürfnisse deiner Mitmenschen.

Gamification: Beispiele und praktische Anwendungen
Das folgende Video ist ein humorvoller Werbespot für eine interaktive Fitness-Maschine namens Light Stripper. Der Slogan lautet: „Mach Sport, ohne es zu merken.“
Verhaltensforscher Pelle Guldborg Hansen erklärt, wie einfache Tricks, sogenannte Nudges, das Verhalten von Menschen beeinflussen können, ohne ihre Freiheit einzuschränken.
Fazit: Gamification
Gamification erinnert mich stark an Fußball über die Bande spielen. Man nützt das Spielfeld, um sein Ziel zu erreichen. Das funktioniert nur, wenn man ein Gefühl dafür entwickelt, wohin sich meine Mit- und Gegenspieler bewegen werden.
Genauso braucht es in der Führung ein gutes Gespür, in welche Richtung es meine Mitarbeiter zieht. Motiviert meinen Mitarbeiter das Bedürfnis nach Status oder nach Relatedness? Wenn ich hier klar bin, kann ich eine geeignete Strategie zur Gamification oder Spielfeldgestaltung entwickeln.

Dr. Patrick Fritz
FAQ
Gamification nutzt spieltypische Elemente in einem spielfremden Kontext, um Motivation und Produktivität zu steigern.
Spiele ermöglichen Grundbedürfnisse wie Status, Sicherheit, Autonomie, Relatedness, Fairness, Mastery und Purpose zu befriedigen.
Führungskräfte können Gamification nutzen, indem sie einen Kontext gestalten, der Mitarbeitenden ermöglicht ihre Bedürfnisse zu befriedigen.
Die Top 10 Gamification Methoden sind Epic Meaning, Level, Countdown, Badges, Rangliste, Punkte, Verbesserungen, Fortschrittsbalken, Teamarbeit und Transparenz des Resultats.
Ja, Team-Arbeit für Relatedness, Selbstorganisation für Autonomy, Vision und Mission für Purpose, Weiterbildung für Mastery und Ranglisten für Status.
Gamification ermöglicht effektive Verhaltenssteuerung durch Kontextgestaltung und erfordert ein Gespür für Mitarbeiterbedürfnisse, ähnlich dem Lenken eines Spiels.
