5 Axiome nach Paul Watzlawick

gepostet am 24. Januar 2023
aktualisiert am 7. Juni 2024

Wer Paul Watzlawick war und was die 5 Axiome der Kommunikation wirklich besagen, erfährst du in diesem Fritz Tipp. Weltberühmt ist das zweite Axiom der Kommunikation nach Watzlawick: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei letzterer den ersten bestimmt.

Inhalt

Wer war Paul Watzlawick?

Der österreichische Psychotherapeut, Kommunikationswissenschaftler und Philosoph Paul Watzlawick (1921-2007) war einer der bedeutendsten Vertreter des radikalen Konstruktivismus.

Konstruktivismus ist eine Erkenntnistheorie, die davon ausgeht, dass ein erkannter Gegenstand vom Betrachter selbst durch den Vorgang des Erkennens konstruiert wird (Wirklichkeitskonstruktion).

Mehr dazu im Fritz Tipp Konstruktivismus einfach erklärt und zum Nachhören in seinem grandiosen Vortrag „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“:

Da Wirklichkeitskonstruktionen durch Kommunikationsprozesse entstehen, begann Watzlawick menschliche Kommunikation zum Gegenstand seiner Forschung zu machen und eine eigenständige Kommunikationstheorie zu entwickeln.

Diese Kommunikationstheorie beruht auf Voraussetzungen, genannt die 5 Axiome der Kommunikation, die auf den Systembegriff nach Bateson zurückgehen. Was bedeutet Axiom?

Axiom Definition

Ein Axiom ist ein nicht begründeter oder deduktiv abgeleiteter Grundsatz, der als Grundlage einer Theorie, Wissenschaft oder eines axiomatischen Systems willentlich akzeptiert oder gesetzt wird.

Quelle: In Anlehnung an Wikipedia 2023

Die 5 Axiome der Kommunikation beschreiben grundlegende Eigenschaften menschlicher Kommunikation. Diese grundlegenden Eigenschaften erkläre ich dir anhand konkreter Beispiele.

Axiom 1: Man kann nicht nicht kommunizieren!

Nach Watzlawick kommt es zwischen zwei Menschen zu einer Kommunikationssituation, sobald sie sich gegenseitig wahrnehmen. Sei es durch Worte, Tonfall, Pausen, Lachen, Seufzen, Gesten, Mimik oder Körperhaltung.

Watzlawicks 1. Axiom besagt, dass Kommunikation wie Verhalten ist und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren. Jedes Verhalten in einem sozialen System wird gedeutet.

Beispiel 1. Axiom: Wer kennt nicht die Situation in einem voll besetzten Fahrstuhl, Bus oder Wartezimmer eines Arztes? Jeder sieht verstohlen an Decke oder Boden. Niemand spricht und dennoch wird durch das eigene Verhalten fortlaufend kommuniziert. Eigentlich habe ich jetzt keine Lust mit wildfremden Menschen zu sprechen, mir geht’s gerade nicht gut.

Watzlawicks 1. Axiom: Man kann nicht nicht kommunizieren. Quelle: DALL-E 3.
Watzlawicks 1. Axiom: Man kann nicht nicht kommunizieren. Quelle: DALL-E 3.
Dario Ivos

„Es ist für mich immer eine Bereicherung in einer vertrauensvollen Umgebung einen sehr offenen Austausch zu erleben. Nicht selten bringen mich querdenkende Ansätze aus anderen Branchen auf innovative Ideen, um dann die Lösungsansätze mit altbekannten Methoden neu zu gestalten. Patrick hat durch seine konstruktive und lösungsorientierte Moderation aus einer Gruppe von QM-Leitern einen tollen regionalen Führungskreis gemacht. “

Dario Ivos
Leitung Qualitätsmanagement
GRASS GmbH

Axiom 2: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt

Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei Letzterer den Ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist. Das 2. Axiom ist eine Konkretisierung des 1. Axiom. Verhalten wird sowohl in Bezug auf den Inhalt als auch auf die Beziehung gedeutet.

Beispiel 2. Axiom: Die wohl bekannteste Schilderung zum zweiten Axiom nach Watzlawick stammt von Schulz von Thun. Ein paar sitzt im Auto und steht vor einer roten Ampel. Die Frau sitzt am Steuer, und der Mann sagt „Du, da vorne ist Grün!“ Die Frau antwortet: „Fährst du oder fahre ich!?“

Axiom 2 nach Watzlawick: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt. Quelle: DALL-E 3.
Axiom 2 nach Watzlawick: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt. Quelle: DALL-E 3.

Axiom 3: Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung

Watzlawick schreibt: „Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktionen der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bestimmt.“ Mit Interpunktion bezeichnet die Kommunikationswissenschaft den Startpunkt einer kreisförmigen, sich wiederholenden Kommunikation. Die wechselseitigen Deutungen des Verhaltens wirken verstärkend.

Beispiel 3. Axiom: Die Äußerung des Manns (links im Bild), löst bei der Frau (rechts im Bild) eine innere Reaktion aus. Die Frau fühlt sich durch die Äußerung des Mannes beleidigt. Aufgrund der empfundenen Beleidigung giftet die Frau in Richtung des Mannes. Dieser fühlt sich nun selbst angegriffen und legt einen noch schärferen Ton an. Eine typische Streitdynamik, bei der sich der Konflikt hochschaukelt.

Der vorgeschlagene Weg, die Streitdynamik zu durchbrechen, ist die Verwandlung der senkrechten in eine waagrechte Kommunikation. Das heißt, Mann und/oder Frau muss die eigene innere Kränkung dem Gegenüber zum Ausdruck bringen (Metakommunikation). Allein aufgrund der Äußerungen auf der Senkrechten wird die Kränkung beider Seiten immer schlimmer werden.

Beispiel Axiom 3: Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung. Quelle: DALL-E 3.
Beispiel Axiom 3: Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung. Quelle: DALL-E 3.

Axiom 4: Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten

Watzlawick konkretisiert mit dem 4. Axiom erneut das 1. Axiom: „Wir dürfen vermuten, dass der Inhaltsaspekt digital übermittelt wird, der Beziehungsaspekt dagegen vorwiegend analoger Natur ist.“

Beispiel 4. Axiom: Nicht nur das gesprochene Wort (I love you), sondern auch die nonverbalen Äußerungen (verschränkte Arme) teilen etwas mit. Watzlawick meint mit analog und digital, also nicht offline und online, sondern nonverbale und verbale Elemente.

4. Axiom nach Watzlawick: Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten. Quelle: DALL-E 3.
4. Axiom nach Watzlawick: Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten. Quelle: DALL-E 3.

Axiom 5: Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär

Beziehungen zwischen Gesprächspartnern basieren entweder darauf, dass sie diese gleichrangig oder nicht gleichrangig gestalten. Damit präzisiert Watzlawick das 3. Axiom. Ähnlich wie die Transaktionsanalyse nach Berne steuern unterschiedlichen Beziehungsmuster die Kommunikation.

Beispiel 5. Axiom: Links wird eine symmetrische Beziehung zwischen Freunden dargestellt, die sich über ihre Hobbies austauschen. Rechts spricht der Lehrer komplementär aus dem Eltern-Ich heraus: „Du sollst machen“, „Du sollst tun“, „Du hast zu folgen“.

Die Verwechslung der Ebenen, mutwillig oder nicht, passt häufiger als man denkt. An dieser Stelle kann es allein schon hilfreich sein, sich dieser Kommunikationsebenen bewusst zu sein, zu prüfen, wo bin ich unterwegs und ggf. die Ebene zu wechseln.

Beispiel Axiom 5: Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär. Quelle: DALL-E 3.
Beispiel Axiom 5: Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär. Quelle: DALL-E 3.
Silke Kastner

„Austausch auf Augenhöhe – das ist das besondere der Fritz Führungskreise. Die Themen werden von den Teilnehmern bestimmt und mit einem Case hinterlegt. Basierend auf gegenseitigem Vertrauen ist ein stets wertschätzendes Coaching möglich. Komplettiert wird das Gesamtpaket durch externe Referenten und die sehr professionelle Moderation von Patrick Fritz. Ein regionales Netzwerk, das ich nicht mehr missen möchte. “

Silke Kastner
Vertriebs- und Marketingleitung Elektrowerkzeuge
TRUMPF Schweiz AG

Watzlawick für Führungskräfte

5 AxiomeKonsequenz für deine Führungsarbeit
1. Axiom: Man kann nicht nicht kommunizierenAchte auf deine Worte! Als Führungskraft hast du eine Vorbildfunktion. Gerade wenn du nichts sagst, sagst du sehr viel. Nicht umsonst gibt es einen stark positiven Zusammenhang zwischen den Beiträgen des Leaders und der anderen Gruppenmitglieder.
2. Axiom: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen BeziehungsaspektSalzmanns folgend, gilt folgende Grundaussage für deine Führungsarbeit: Sei klar, bestimmt und konsequent in der AUFGABE und zugleich respektvoll und wertschätzend in der BEZIEHUNG. Auf der Beziehungsebene darf es zu keiner Abwertung kommen, damit du die Dinge auf der Aufgabenebene bestimmt und konsequent ansprechen kannst.
3. Axiom: Kommunikation ist immer Ursache und WirkungSuche niemals nach Schuldigen! Gemäß dem dritten Axiom macht es keinen Sinn, Schuldige für Fehler oder Misskommunikation zu suchen. Der Ursprung oder die Schuld liegt immer im Auge des Betrachters.
4. Axiom: Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler ModalitätenAchte auf deine Worte, aber noch mehr auf dein Verhalten! Regelmäßiges Feedback zu deinem Verhalten, ist der Schlüssel, um dir deiner Wirkung bewusster zu werden. Eine Möglichkeit dazu sind Führungskreise.
5. Axiom: Kommunikation ist symmetrisch oder komplementärSei dir als Führungskraft bewusst, ob du von oben herab (komplementär) oder auf Augenhöhe (symmetrisch) kommunizierst. Die Verwechslung der Ebenen, mutwillig oder nicht, führt immer zu Problemen.
Konsequenz der 5 Axiome für deine Führungsarbeit. Quelle: Fritz Führungskreise.

Anleitung zum Unglücklichsein

In seinem wunderschönen, ironischen und humorvollen Büchlein Anleitung zum Unglücklichsein, beschreibreibt Watzlawick Denkmuster und Verhaltensweisen, die zu Unglück führen können. Diese Denkmuster und Verhaltensweisen sind eine bewusste Abweichung von den 5 Axiomen der Kommunikation:

Fazit – 5 Axiome nach Paul Watzlawick

Die 5 Axiome beschreiben die Grundeigenschaften menschlicher Kommunikation. Wer diese Grundannahmen konsequent zu Ende denkt, versteht Watzlawicks Fokus: „Das geht so weit für mich, dass, wenn ich zum Beispiel Ehe-Therapie betreibe, der Patient nicht mehr der Mann oder die Frau, sondern die Beziehung (die Kommunikation) zwischen diesen beiden Menschen ist. Das ist mein Patient. An der Beziehung (der Kommunikation) will ich arbeiten.“

Dr. Patrick Fritz

Dr. Patrick Fritz

FAQ

Wie lässt sich das 1. Axiom verstehen: Man kann nicht nicht kommunizieren?

Jede Form von Verhalten wird als Kommunikation interpretiert. Selbst wenn man nichts sagt, kommuniziert man durch Gesten, Mimik, Tonfall usw.

Was bedeutet das 2. Axiom: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt?

Jede Kommunikation hat sowohl einen inhaltlichen als auch einen beziehungsmäßigen Aspekt. Der Beziehungsaspekt bestimmt dabei den Inhalt.

Was besagt das 3. Axiom: Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung?

Kommunikation wird durch die wechselseitigen Interpretationen und Interpunktionen der Partner bestimmt. Es entsteht eine Art Teufelskreis, in dem sich Ursache und Wirkung gegenseitig verstärken.

Was bedeutet das 4. Axiom: Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten?

Kommunikation nutzt sowohl verbale (digitale) als auch nonverbale (analoge) Elemente. Die nonverbalen Äußerungen sind genauso wichtig wie die gesprochenen Worte.

Was besagt das 5. Axiom: Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär?

Beziehungen zwischen Gesprächspartnern können entweder symmetrisch (gleichrangig) oder komplementär (nicht gleichrangig) gestaltet werden.

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