Die 5 Axiome nach Watzlawick einfach erklärt mit Beispielen
Die 5 Axiome nach Watzlawick erklären, warum Gespräche misslingen können, obwohl die Sache eigentlich klar scheint. Häufig fehlt es nicht an Informationen. Entscheidend sind die Beziehung, der Tonfall und die Interpretation des Gesagten. In diesem Fritz Tipp werden die 5 Axiome einfach erklärt und anhand konkreter Beispiele aus Alltag, Führung und Zusammenarbeit verständlich gemacht.
Inhalt
Die 5 Axiome nach Watzlawick im Überblick
| Axiom | Einfache Erklärung |
|---|---|
| 1. Axiom: Man kann nicht nicht kommunizieren | Auch Schweigen, Wegsehen oder Nicht-Reagieren senden eine Botschaft. |
| 2. Axiom: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt | Entscheidend ist nicht nur, was gesagt wird, sondern wie es beim Gegenüber ankommt. |
| 3. Axiom: Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung | In Konflikten erlebt jede Seite das eigene Verhalten als Reaktion auf die andere. |
| 4. Axiom: Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten | Worte vermitteln Inhalte. Tonfall, Mimik und Verhalten prägen vor allem die Beziehung. |
| 5. Axiom: Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär | Gesprächspartner kommunizieren entweder auf Augenhöhe oder aus unterschiedlichen Rollen und Machtpositionen. |
Was ist ein Axiom?
Axiom Definition
Ein Axiom ist ein grundlegender, nicht weiter begründeter Grundsatz, der als Ausgangspunkt einer Theorie dient.
Quelle: In Anlehnung an Wikipedia 2023
Die 5 Axiome der Kommunikation beschreiben grundlegende Eigenschaften menschlicher Kommunikation. Diese Grundannahmen erkläre ich dir anhand konkreter Beispiele.
Axiom 1: Man kann nicht nicht kommunizieren!
=> Auch Schweigen, Wegsehen oder Nicht-Reagieren senden Botschaften.
Nach Watzlawick kommt es zwischen zwei Menschen zu einer Kommunikationssituation, sobald sie sich gegenseitig wahrnehmen. Sei es durch Worte, Tonfall, Pausen, Lachen, Seufzen, Gestik, Mimik oder Körperhaltung.
Watzlawicks 1. Axiom besagt, dass Kommunikation wie Verhalten ist. Genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren. Jedes Verhalten in einem sozialen System wird gedeutet, unabhängig davon, ob die Botschaft so beabsichtigt war.
Beispiel zum 1. Axiom: Wer kennt nicht die Situation in einem voll besetzten Fahrstuhl, Bus oder Wartezimmer? Jeder blickt verstohlen an die Decke oder auf den Boden. Niemand spricht und dennoch wird durch das eigene Verhalten fortlaufend kommuniziert: „Ich möchte gerade keinen Kontakt“ oder „Bitte sprich mich nicht an.“


„Es ist für mich immer eine Bereicherung, in einer vertrauensvollen Umgebung einen sehr offenen Austausch zu erleben. Nicht selten bringen mich querdenkende Ansätze aus anderen Branchen auf innovative Ideen, um dann die Lösungsansätze mit altbekannten Methoden neu zu gestalten. Patrick hat durch seine konstruktive und lösungsorientierte Moderation aus einer Gruppe von QM-Leiter:innen einen tollen regionalen Führungskreis gemacht. “
Axiom 2: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt
=> Entscheidend ist nicht nur, was gesagt wird, sondern auch wie es beim Gegenüber ankommt.
Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei Letzterer den Ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist. Das 2. Axiom ist eine Konkretisierung des 1. Axioms. Verhalten wird sowohl in Bezug auf den Inhalt als auch auf die Beziehung gedeutet – wie Herbert Salzmann in folgendem Video wunderbar zeigt:
Beispiel zum 2. Axiom: Die wohl bekannteste Schilderung zum zweiten Axiom nach Watzlawick stammt von Schulz von Thun. Ein Paar sitzt im Auto und steht vor einer roten Ampel. Die Frau sitzt am Steuer, und der Mann sagt „Du, da vorne ist Grün!“ Die Frau antwortet: „Fährst du oder fahre ich!?“
Auf der Inhaltsebene informiert der Mann darüber, dass die Ampel grün ist. Auf der Beziehungsebene kann die Frau die Aussage jedoch als Kritik an ihrer Aufmerksamkeit oder ihrem Fahrverhalten verstehen. Genau diese unterschiedliche Deutung kann zum Konflikt führen.

Axiom 3: Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung
=> In Konflikten erlebt jede Seite ihr eigenes Verhalten als Reaktion auf die andere.
Watzlawick schreibt: „Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktionen der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bestimmt.“ Mit Interpunktion bezeichnet die Kommunikationswissenschaft den jeweils angenommenen Startpunkt eines kreisförmigen Kommunikationsablaufs. Die wechselseitigen Deutungen des Verhaltens wirken verstärkend.
Beispiel zum 3. Axiom: Die Äußerung des Mannes links im Bild löst bei der Frau rechts im Bild eine innere Reaktion aus. Die Frau fühlt sich durch die Äußerung des Mannes beleidigt. Aufgrund der empfundenen Beleidigung giftet sie in Richtung des Mannes. Dieser fühlt sich nun selbst angegriffen und legt einen noch schärferen Ton an. Eine typische Streitdynamik, bei der sich der Konflikt hochschaukelt.
Beide erleben das eigene Verhalten dabei nur als Reaktion auf den jeweils anderen. Er greift an, weil sie giftig reagiert. Sie reagiert giftig, weil er sie zuvor angegriffen hat. Wo der Konflikt begonnen hat, wird von beiden Seiten unterschiedlich gedeutet.
Der vorgeschlagene Weg, die Streitdynamik zu durchbrechen, ist die Verwandlung der senkrechten in eine waagrechte Kommunikation. Gemeint ist: weg vom gegenseitigen Angriff und hin zum Gespräch über die entstandene Kränkung. Mindestens eine der beiden Seiten muss die eigene innere Kränkung zum Ausdruck bringen und über die Kommunikation selbst sprechen. Solange beide nur mit Angriff und Gegenangriff reagieren, wird die Kränkung auf beiden Seiten immer größer.

Axiom 4: Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten
=> Worte transportieren vor allem Inhalte. Tonfall, Mimik, Gestik und Verhalten vermitteln vor allem die Beziehung.
Watzlawick konkretisiert mit dem 4. Axiom erneut das 1. Axiom: „Wir dürfen vermuten, dass der Inhaltsaspekt digital übermittelt wird, der Beziehungsaspekt dagegen vorwiegend analoger Natur ist.“
Beispiel zum 4. Axiom: Nicht nur die gesprochenen Worte (I love you), sondern auch die Körperhaltung und der Tonfall teilen etwas mit. Wer „I love you“ sagt, dabei aber die Arme verschränkt, wegschaut oder abweisend klingt, vermittelt widersprüchliche Botschaften.
Watzlawick meint mit analog und digital, also nicht offline und online, sondern nonverbale und verbale Elemente. Digitale Kommunikation verwendet eindeutige Zeichen und Wörter. Analoge Kommunikation zeigt sich vor allem in Tonfall, Mimik, Gestik und Körperhaltung.

Axiom 5: Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär
=> Kommunikation scheitert oft nicht am Inhalt, sondern an ungeklärten Macht- und Rollenfragen.
Gesprächspartner gestalten ihre Beziehung entweder gleichrangig oder auf Basis unterschiedlicher Rollen. Ähnlich wie bei der Transaktionsanalyse nach Berne steuern unterschiedliche Beziehungsmuster die Kommunikation.
Beispiel zum 5. Axiom: Links wird eine symmetrische Beziehung zwischen Freunden dargestellt, die sich über ihre Hobbys austauschen. Rechts spricht der Lehrer komplementär aus dem Eltern-Ich heraus: „Du sollst machen“, „Du sollst tun“, „Du hast zu folgen“.
Symmetrische Kommunikation beruht auf Gleichrangigkeit. Komplementäre Kommunikation beruht auf unterschiedlichen Rollen, etwa zwischen Führungskraft und Mitarbeiter oder Lehrer und Schüler. Beides kann funktionieren, solange die Rollen klar und von beiden Seiten akzeptiert sind.
Die Verwechslung der Ebenen, bewusst oder unbewusst, passiert häufiger als man denkt. An dieser Stelle kann es allein schon hilfreich sein, sich dieser Kommunikationsebenen bewusst zu sein und zu prüfen: Auf welcher Ebene bin ich gerade unterwegs? Passt diese Ebene zur Situation? Gegebenenfalls gilt es, die Ebene zu wechseln.

Der Einstieg beginnt mit einem persönlichen Gespräch
Wer war Paul Watzlawick?
Der österreichische Psychotherapeut, Kommunikationswissenschaftler und Philosoph Paul Watzlawick (1921-2007) war einer der bedeutendsten Vertreter des radikalen Konstruktivismus.
Im Zentrum seiner Arbeit stand die Frage, wie Menschen durch Kommunikation ihre Wirklichkeit konstruieren und wie daraus Missverständnisse und Konflikte entstehen. Daraus entwickelte er gemeinsam mit Janet Beavin und Don Jackson die fünf Axiome menschlicher Kommunikation.
Wer Watzlawick selbst hören möchte, findet in seinem Vortrag „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“ einen guten Zugang zu seinem Denken:
Watzlawick für Führungskräfte
| 5 Axiome | Konsequenz für deine Führungsarbeit |
|---|---|
| 1. Axiom: Man kann nicht nicht kommunizieren | Achte auf deine Worte! Als Führungskraft hast du eine Vorbildfunktion. Gerade wenn du nichts sagst, sagst du mitunter besonders viel. Nicht umsonst gibt es einen stark positiven Zusammenhang zwischen den Beiträgen des Leaders und der anderen Gruppenmitglieder. |
| 2. Axiom: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt | Salzmann folgend, gilt folgende Grundaussage für deine Führungsarbeit: Sei klar, bestimmt und konsequent in der AUFGABE und zugleich respektvoll und wertschätzend in der BEZIEHUNG. Auf der Beziehungsebene darf es zu keiner Abwertung kommen, damit du die Dinge auf der Aufgabenebene bestimmt und konsequent ansprechen kannst (siehe Video). |
| 3. Axiom: Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung | Suche nicht vorschnell nach Schuldigen. Gemäß dem dritten Axiom macht es wenig Sinn, Misskommunikation auf eine einzelne Person zurückzuführen. Beide Seiten erleben das eigene Verhalten häufig als Reaktion auf den anderen. Hilfreicher ist die Frage: Wie hat sich diese Dynamik gegenseitig verstärkt? |
| 4. Axiom: Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten | Achte auf deine Worte, aber ebenso auf dein Verhalten. Tonfall, Mimik, Gestik und Körperhaltung beeinflussen, wie deine Botschaft verstanden wird. Regelmäßiges Feedback zu deinem Verhalten, ist der Schlüssel, um dir deiner Wirkung bewusster zu werden. Eine Möglichkeit dazu sind Führungskreise. |
| 5. Axiom: Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär | Sei dir als Führungskraft bewusst, ob du auf Augenhöhe kommunizierst oder aus deiner Rolle heraus klare Vorgaben machst. Komplementäre Kommunikation ist nicht automatisch schlecht. Problematisch wird sie, wenn Rollen unklar sind oder die gewählte Ebene nicht zur Situation passt. |
Anleitung zum Unglücklichsein
In seinem wunderschönen, ironischen und humorvollen Büchlein Anleitung zum Unglücklichsein, beschreibreibt Watzlawick Denkmuster und Verhaltensweisen, die zu Unglück führen können. Diese Denkmuster und Verhaltensweisen sind eine bewusste Abweichung von den 5 Axiomen der Kommunikation:
- Perfektionismus führt zum Unglücklichsein: Die Fixierung auf Perfektion und der ständige Drang, Fehler zu vermeiden, verhindern Glück. Es ist wichtig anzuerkennen, dass Fehler und Unvollkommenheit Teil des menschlichen Lebens sind.
- Probleme entstehen durch fehlerhafte Kommunikation: Missverständnisse und Kommunikationsprobleme können zu Konflikten führen. Es ist notwendig, bewusst zu kommunizieren und auf die Art und Weise, wie wir uns ausdrücken, zu achten.
- Starre Denkmuster führen zur Stagnation: Festhalten an festgefahrenen Überzeugungen kann uns daran hindern, uns weiterzuentwickeln und neue Lösungswege zu finden. Flexibilität und Offenheit sind entscheidend, um unglückliche Situationen zu überwinden.
- Die Suche nach Glück im Außen ist ein Trugschluss: Glücklichsein hängt nicht von äußeren Umständen oder materiellen Besitztümern ab. Wahres Glück liegt in uns selbst und kann durch eine positive Einstellung und innere Zufriedenheit erreicht werden.
- Kontrolle loslassen und akzeptieren: Oft versuchen wir, Dinge zu kontrollieren, die außerhalb unserer Macht liegen. Es ist wichtig, zu akzeptieren, dass es Situationen gibt, die wir nicht ändern können, und unsere Energie auf das konzentrieren, was wir beeinflussen können.
- Vergangenheit und Zukunft loslassen: Das Festhalten an vergangenen Enttäuschungen oder ständiges Grübeln über die Zukunft verhindern ein erfülltes Leben im Hier und Jetzt. Die Fähigkeit, im Moment präsent zu sein ist der Schlüssel zum Glücklichsein.
- Beziehungen sind entscheidend: Gute zwischenmenschliche Beziehungen sind von großer Bedeutung für das Glücksempfinden. Es ist wichtig, sich auf positive und erfüllende Beziehungen zu konzentrieren und negative Beziehungen loszulassen oder zu verändern.
Fazit – 5 Axiome nach Paul Watzlawick
Die 5 Axiome beschreiben grundlegende Eigenschaften menschlicher Kommunikation. Sie zeigen, dass Kommunikation weit über das gesprochene Wort hinausgeht. Auch Schweigen und Verhalten werden gedeutet. Die Beziehung beeinflusst den Inhalt und Konflikte entstehen häufig durch unterschiedliche Sichtweisen auf denselben Kommunikationsablauf.
Wer diese Grundannahmen konsequent zu Ende denkt, versteht Watzlawicks Fokus: „Das geht so weit für mich, dass, wenn ich zum Beispiel Ehe-Therapie betreibe, der Patient nicht mehr der Mann oder die Frau, sondern die Beziehung (die Kommunikation) zwischen diesen beiden Menschen ist. Das ist mein Patient. An der Beziehung (der Kommunikation) will ich arbeiten.“

Dr. Patrick Fritz
Sehr gut zusammen gefasst und für mich verständlich erklärt. Vielen Dank