Shopfloor Management: 5 Tipps die Effizienz zu steigern

gepostet am 10. Oktober 2017
aktualisiert am 17. Juni 2024

Bei einem Workshop im Rahmen des Führungskreises Produktion sind mir große Ähnlichkeiten zwischen Shopfloor Management und SCRUM aufgefallen. In diesem FRITZ Tipp gebe ich dir 5 Möglichkeiten an die Hand, um die Effizienz am Shopfloor durch SCRUM zu steigern.

Inhalt

Was ist Shopfloor Management?

Shopfloor Management ist ein Führungsinstrument in der Produktion und meint Führen am Ort der Wertschöpfung durch die Führungskraft mithilfe eines Shopfloor Management Boards. Hier ein Beispiel für ein Shopfloor Management Board in der Produktion (mehr dazu im FRITZ Tipp Shopfloor Board):

FRITZ - Shopfloor Management Board Beispiel
Quelle: Franz Bohn, omd association

In der folgenden Abbildung siehst du wie Shopfloor Management über mehrere Hierarchieebenen einer Produktion hinweg eingesetzt werden kann, um die Kommunikation vom Mitarbeiter, über Gruppen-, Abteilungs-, Bereichsleiter, bis hin zum Werksleiter effizient zu gestalten. Diese Vorgehensweise wird auch Shopfloor Kaskade genannt:

FRITZ - Shopfloor Kaskade Beispiel
Quelle: Alban Maier – Assention AG

Nach Peters sind vier Elemente von Shopfloor Management wesentlich: Mitarbeiter vor Ort führen, Abweichungen erkennen und Maßnahmen einleiten, Strukturierte Problemlösung und Ressourceneinsatz optimieren.

Shopfloor Management ElementeBeschreibung
Mitarbeiter vor Ort führenHansei = Fehler sind Schätze.
Genchi Genbutsu & Gemba = Führung der Mitarbeiter am Ort des Geschehens.
Hoshin Kanri = Richtungsgebende Führung mit visionären Zielen von oben.
Abweichungen erkennen und Maßnahmen einleitenSoll-Ist-Abgleich
S – Standard (Sicherheit und Standard)
Q – Quality (Qualität)
C – Cost (Kosten)
D – Delivery (Termine)
Strukturierte Problemlösung
PDCA anwenden
Prozessbestätigung durchführen
Ressourceneinsatz optimierenSituation transparent machen
Neue Standards setzen

Tipp 1: Shopfloor Management ist kein Schweizer Taschenmesser

Shopfloor Management gibt einen Rahmen vor, um am Ort der Wertschöpfung zu führen. SCRUM ist eine Methode, um komplexe Prozesse durch systematische Beobachtung und Erfahrungen zu steuern. Im Gegensatz zu komplizierten Prozessen, die vorhersagbar sind. Schau dir dazu das folgende Video an:

Damit sind sowohl Shopfloor Management als auch SCRUM Instrumente, um Mitarbeiter in einem Umfeld ständiger Veränderung zu führen. Deshalb trifft man sich bei beiden Vorgehensmodellen in strukturierter Art und Weise täglich für 15 Minuten.

Learning 1

Shopfloor Management bewährt sich in einem volatilen Umfeld, wie es in der Produktion häufig der Fall ist (nicht immer!), besonders gut. Wenn das Umfeld eher konstant ist, sehe ich Shopfloor Management kritisch. Ein klares Indiz ist der Wunsch des Teams nach weniger häufigen Meetings, weil der Nutzen nicht vorhanden ist bzw. zu wenig Abweichungen vom Plan entstehen.

Tipp 2: Shopfloor Management wird mit der Zeit langweilig

Bei Shopfloor Management und SCRUM gibt es tägliche Meetings. In einem Fall Shopfloor Meeting genannt, im anderen Fall Daily SCRUM. Die hohe Taktrate ist dem gemeinsamen Grundsatz „inspect and adapt“ geschuldet. Nun sehe ich dabei zwei Gefahren.

Erstens, die häufigen Meetings werden als überflüssig empfunden. Vielleicht weil sich doch nicht so viel verändert hat (siehe Learning 1). Zweitens stellt sich mit der Zeit zu viel Routine ein und das System versandet. Hier liefert SCRUM eine gute Idee: Sprint-Ziele.

FRITZ - Shopfloor Management und SCRUM

Bei SCRUM werden die Anforderungen des Kunden für einen definierten Zeitraum konstant gehalten. Häufig handelt es sich um zwei Wochen (Timeboxing). Für diesen Zeitraum wird ein gemeinsames Team-Ziel vereinbart. Was soll am Ende der zwei Wochen anders sein? Dieses Sprint Ziel sorgt immer wieder für neue Motivation und Orientierung, weil es eine gemeinsame Richtung vorgibt.

Learning 2

Wenn die Gefahr droht, dass Shopfloor Management mit der Zeit zu sehr in die Routine abdriftet, ist die Einführung eines Sprints mit dazugehörigem Ziel ein gutes Mittel, um die Motivation hochzuhalten. Somit wird die Routine durch einen „Zwischensprint“ gebrochen und der Fokus auf einen definierten Zeitraum gelegt. In den nächsten beiden Wochen wollen wir uns einzig und allein darauf fokussieren, die Durchlaufzeit um 3% zu verkürzen. T-Cards und Kleinprojekte sind erste Ansätze in diese Richtung.

Markus Petschnig

„Speziell der direkte Erfahrungsaustausch innerhalb der Workshops war für mich absolut bereichernd. Dies führt zwangsläufig zu einer Neubewertung der eigenen Stärken und Schwächen. Ich kann daher jedem, der über die eigenen Firmengrenzen hinweg neue Sichtweisen kennenlernen will, diese Art von Führungskreis nur empfehlen. “

Markus Petschnig
Geschäftsführer
Polymeca AG

Tipp 3: Shopfloor Meeting Coach

Bei SCRUM gibt es eine wunderbare Rolle, die sich SCRUM Master nennt. Der SCRUM Master ist als Coach für den Prozess und die Beseitigung von Hindernissen verantwortlich. Mit Beseitigung von Hindernissen ist das Ziel verbunden, das Team maximal produktiv zu halten. Sie sollen sich nicht um Dinge kümmern, die sie von ihrer eigentlichen Tätigkeit abhalten.

FRITZ - Shopfloor Coach
Quelle: Franz Bohn, omd association

Häufig übernimmt diese Rolle bei Shopfloor Management und SCRUM der Berater im Rahmen der Einführung. Er erstellt und pflegt das Shopfloor Board und übt die Einhaltung der Abläufe mit dem Team. Aber wenn der Berater weg ist, droht das System schnell in alte Gewohnheiten zurückzufallen.

Learning 3

Installiere einen Shopfloor Coach, der den Prozess am Leben hält und das Team von unnötigem Ballast befreit. Das ist keine Vollzeit-Rolle; vielleicht sind es 10-20% pro Team. Aber ich bin der Überzeugung, diese Investition lohnt sich!

Tipp 4: Feinplanung im Shopfloor Team

Die Bestrebungen im Zuge der Industrie 4.0-Diskussion gehen stark in Richtung Digitalisierung und Automatisierung von Produktionsprozessen und damit verbunden auch der Planungsprozesse. Nicht umsonst stehen aktuelle BDE/MIS/MES-Projekte wieder hoch im Kurs.

FRITZ Industrie 4.0 Maturity Index
Quelle: acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, 2017

In einem volatilen Umfeld, in dem wir nach wie vor stark auf Menschen angewiesen sind, halte ich diesen Trend für problematisch. Auch hier können Shopfloor Management und SCRUM in Kombination ihre Stärken ausspielen.

Das SCRUM-Vorgehensmodell beruht auf einer sehr wichtigen Grundannahme. Es ist möglich, dass WAS vom WIE zu trennen, d.h. es gibt den Product Owner, der die Anforderungen im Projekt nach Business Value priorisiert. Einzig das Team entscheidet, WIE bestimmte Anforderungen umgesetzt werden.

Übertragen auf die Produktion kann die Grobplanung ruhig durch BDE/MIS/MES erfolgen. Die Feinplanung würde ich aber IMMER im Team lassen. Wer nämlich Motivation und Commitment wünscht, muss das Team bis zu einem gewissen Grad einbinden. Jeder muss in seinem definierten Rahmen seine eigenen Ziele setzen können und die Rechnung nach getaner Arbeit schreiben dürfen.

Learning 4

Das Shopfloor Management Board muss mehr sein als ein Rapportieren der erreichten Ist-Werte im Abgleich zu den vorgegebenen Soll-Werten. So geht auf Dauer die Motivation im Team verloren. Wer die Feinplanung im Team belässt, ist keineswegs rückständig, sondern ein Kenner der menschlichen Psychologie.

Matthias Marx

„Es ist tut immer wieder gut und hilft enorm immer mal wieder, in regelmässigen Abständen über seinen Tellerrand zu schauen und das gibt es gleich hier um die Ecke. Der pragmatische Umgang mit den Herausforderungen im Führungskreis B2B-Marketing und die praxisnahen, gemeinsam erarbeiteten Lösungsansätze machen dieses Netzwerk so wertvoll. “

Matthias Marx
Head of Corporate Communications
Gallus Ferd. Rüesch AG

Tipp 5: Shopfloor Management Retrospektive

Das Shopfloor Board ändert sich mit der Zeit immer wieder. Das ist gut und richtig, schließlich gilt es sich auf immer neue Veränderung einzustellen. Die Entwicklung des Boards ist ein schleichender Prozess, der dem Teamleiter überlassen wird; eventuell mit Unterstützung des Lean-Beauftragten. Hier bietet SCRUM ein schönes Gefäß für eine professionelle Weiterentwicklung der Arbeitsweise – die Retrospektive.

FRITZ - Shopfloor Management und SCRUM - Retromat
Quelle: https://retromat.org/

Am Ende eines Sprints werden die inhaltlichen Ergebnisse im Sprint Review Meeting abgenommen. Unabhängig davon gibt es ein Meeting, genannt Retrospektive, in dem es gezielt um die Weiterentwicklung der eigenen Arbeitsweise geht. Eine Retrospektive besteht häufig ausfolgenden Bausteinen: Gesprächsklima schaffen, Themen sammeln, Erkenntnisse gewinnen, Entscheidungen treffen und Abschluss.

Learning 5

Neben der inhaltlichen Arbeit braucht es auch eine gezielte Weiterentwicklung der Arbeitsweise am Shopfloor Management Board. Hierzu bietet sich das Instrument der Retrospektive an. Mit dem Retromat kann jeder ohne große Vorkenntnisse ein solches Meeting planen. KVP würde der Produktionsleiter sagen.

Fazit: Shopfloor Management und SCRUM

Shopfloor Management und SCRUM sind beides Instrumente, um in einer Umwelt mit ständigen Veränderungen zu Recht zukommen. Deshalb lohnt der Blick in beide Lager und sich gegenseitig zu bereichern. Weitere FRITZ Tipps zur Vertiefung findest du unter anderen hier, hier, hier und hier.

Patrick FRITZ
Dr. Patrick Fritz

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