Design Thinking und SCRUM in Kombination

gepostet am 12. September 2017
aktualisiert am 20. Juni 2024

Design Thinking und SCRUM sind nicht nur in Insiderkreisen in aller Munde. Dabei wird gerne nach dem Unterschied zwischen Design Thinking vs SCRUM gefragt. Inzwischen bin ich mir jedoch sicher, es geht nicht um den Unterschied, sondern um die Kombination der beiden Vorgehensmodelle. Wie das genau funktioniert, erfährst du in diesem Fritz Tipp.

Inhalt

Was ist SCRUM?

SCRUM Definition

Agilität und der Kern SCRUM ist ein Vorgehensmodell für ein Umfeld indem sich min. 30% der definierten Anforderungen pro Monat ändern. Man könnte von einem Lösungsansatz für komplexe Probleme sprechen.

Quelle: Fritz Führungskreise

Mit SCRUM beschäftige ich mich seit über 15 Jahren im Rahmen des Führungskreises Softwareentwicklung. Was damals als moderne Projektmanagement-Methode klar verortet war, ist heute zu einem Modebegriff verkommen.

Die beiden Schöpfer Ken Schwaber und Jeff Jeff Sutherland sprechen von einem leichtgewichtigen Rahmenwerk, welches Menschen, Teams und Organisationen hilft, Wert durch adaptive Lösungen für komplexe Probleme zu generieren. Hier spricht Altmeister Sutherland in Person:

Das SCRUM-Vorgehensmodell beruht auf einer wichtigen Grundannahme. Es ist möglich, dass WAS vom WIE zu trennen. Es gibt den allmächtigen Product Owner, der die Anforderungen im Projekt nach Business Value priorisiert. Dabei gibt er aber nicht vor, wie die jeweiligen Inhalte oder Features umgesetzt werden.

Hier kommt das SCRUM-Team, auch Entwickler-Team genannt, ins Spiel. Einzig das Team entscheidet, wie bestimmte Anforderungen umgesetzt werden. Diese Gewaltenteilung ist ein zentraler Bestandteil von SCRUM und eine wichtige Abgrenzung zum klassischen Projektmanagement-Verständnis.

Das Entwickler-Team bekommt seine Anforderungen vom Product Owner. Doch woher bekommt der Product Owner seine Anforderungen? Die spontane Antwort? Vom Kunden! Nun wissen wir aber nicht erst seit Henry Ford und Steve Jobs, dass der Kunde einem in den seltensten Fällen sagen kann, was er wirklich braucht. Hier kommt Design Thinking ins Spiel.

Philipp Salzgeber

„Der Führungskreis Softwareentwicklung ist nicht nur praxisnahes Lernen von Anderen in einer vertrauensvollen Umgebung, sie ermöglicht auch ein Benchmarking der eigenen Prozesse gegenüber dem State of the Art. “

Philipp Salzgeber
Manager, Research & Development, Tools & Runtime
Bachmann electronic GmbH

Was ist Design Thinking?

Design Thinking Definition

Design Thinking ist eine systematische Herangehensweise an komplexe Problemstellungen aus allen Lebensbereichen. Im Gegensatz zu vielen Herangehensweisen in Wissenschaft und Praxis, die Aufgaben von der technischen Lösbarkeit her angehen, steht hier der Mensch im Fokus.

Quelle: Hasso-Plattner Institut

Durch eine Veranstaltung für meine Sparringspartner an der Universität St. Gallen habe ich mich über Jahre hinweg ebenso intensiv mit Design Thinking wie mit SCRUM beschäftigt. Entwickler des Design Thinking Vorgehensmodells sind Larry Leifer und David Kelley, Gründer der Innovationsagentur IDEO. Von IDEO stammt das berühmte Shopping Cart Video, das Design Thinking wunderbar illustriert:

Ich bin überzeugt, Design Thinking ist das perfekte Vorgehensmodell für den Product Owner, um den initialen Product Backlog, also die priorisierte Anforderungsliste, zu erstellen. Der per Design Thinking entwickelte Prototyp wird in Anforderungen zerlegt und per SCRUM umgesetzt. Dazu muss der Design Thinking Prozess mit SCRUM verschmolzen oder verkettet werden.

Design Thinking Prozess. Quelle: Fritz Führungskreise.
Design Thinking Prozess. Quelle: Fritz Führungskreise.

Design Thinking und SCRUM verschmelzen

Wer mit einem Innovationsvorhaben starten möchte, dem empfehle ich auf alle Fälle die Prozessschritte 1-4 von Design Thinking zu nutzen:

  1. Challenge oder Understand
  2. Need Finding oder Observe
  3. Kernbotschaft oder Point of View
  4. Ideengenerierung oder Ideation

Die Challenge gibt die grobe inhaltliche Ausrichtung des Innovationsprojektes vor. In einem klassischen Innovationsprozess würde man von einer Suchfeldbestimmung sprechen. Zentral sind nun die Phasen Need Findung, sprich konzentrierte Kundenbeobachtung und -befragung. Sowie die anschließend notwendige Fokussierung auf wenige Kernbotschaften.

Design Thinking und SCRUM verschmelzen. Quelle: Fritz Führungskreise.
Design Thinking und SCRUM verschmelzen. Quelle: Fritz Führungskreise.

Die daraus entstehenden Problem-Statements von diversen Personas sind der perfekte Ausgangspunkt für die Ideenfindung in Form von User Stories. Um diese User Stories abzuarbeiten, zum Beispiel bei einem kleinen Feature, empfehle ich ins SCRUM-Vorgehensmodell zu wechseln. Somit steht der initiale Product Backlog für das SCRUM-Team.

Edwin Häusle

„Der Führungskreis ist wichtig und hilfreich für den zwischenbetrieblichen Informationsaustauch. Durch Fachvorträge werden Diskussionsthemen fokussiert und vertieft. Die Diskussion mit den Teilnehmern aus verschiedenen Branchen ist hilfreich um aktuelle Problemstellungen aus verschiedenen Sichten zu beleuchten. “

Edwin Häusle
Leiter Supply Chain Management
ThyssenKrupp Presta AG

SCRUM und Design Thinking verketten

Eine weitere Möglichkeit besteht darin den Design Thinking Prozess mit SCRUM zu verketten, z.B. bei einem großen Feature. In dieser Variante wird der gesamte Design Thinking Prozess von der Challenge bis zum Test mehrfach durchlaufen. Wenn sich die Anzahl reduziert und die Qualität der Prototypen erhöht hat, wird Design Thinking durch SCRUM für die Umsetzung abgelöst.

SCRUM und Design Thinking verketten. Quelle: Fritz Führungskreise.
SCRUM und Design Thinking verketten. Quelle: Fritz Führungskreise.

Fazit

Design Thinking und SCRUM stellen keinen Widerspruch dar, sondern ergänzen sich perfekt. Je nach Projektgröße lassen sich die beiden Vorgehensmodelle entweder verschmelzen oder verketten. Bei kleineren Features liegt der Fokus auf den Schritten 1-4 des Design Thinking Prozess, um Input für den anschließenden SCRUM Prozess zu liefern.

Bei größeren Features wird der Design Thinking Prozess mehrfach durchlaufen, bis wenige, dafür qualitativ hochwertige Prototypen übrigbleiben. Diese Prototypen werden dann nach dem SCRUM Vorgehensmodell umgesetzt. Wer jetzt an eine agile Toolchain denkt, empfehle ich den Fritz Tipp Agile Methoden im Mix.

Dr. Patrick Fritz

Dr. Patrick Fritz

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