Austausch statt Networking: Die Kunst der echten Verbindung
„Networking ist Bullshit“, unter diesem provokanten Titel durfte ich auf der Plattform V teilen, wie echter Austausch gelingt. In diesem Fritz Tipp stelle ich Austausch und Networking gegenüber und zeige dir fünf Erfolgsfaktoren als Basis für echte Verbindungen.
Inhalt
Was ist Networking?
Networking Definition
Networking, auf Deutsch Netzwerken, bedeutet den Aufbau und die Pflege von persönlichen und beruflichen Kontakten. Ziel ist ein soziales Netzwerk von Personen, die miteinander in Beziehungen stehen und sich privat, vor allem aber beruflich unterstützen, helfen oder kooperieren.
Quelle: In Anlehnung an Wikipedia 2024
Wie der Titel meines Vortrags ahnen lässt – Networking ist Bullshit – halte ich nichts vom viel gepriesenen Netzwerken. Networking begünstigt oberflächlichen Small Talk, während echte Verbindungen vernachlässigt werden.

Netzwerken bedeutet für mich in der Praxis lediglich einen einfachen Visitenkartenaustausch, ohne dass ein tiefergehender Kontakt stattfindet oder gar eine wechselseitige Beziehung entsteht. Anstelle von Networking möchte ich dir den Begriff Austausch näherbringen.
Was ist Austausch?
Austausch Definition
Menschen sind von Natur aus gesellig, aber wer völlig ungesellig ist, hat ganz offensichtlich eine Verhaltensstörung. Sie tun es, weil dieses Interesse an anderen Menschen ihnen selbst guttut. Die Bereitschaft, sich mit anderen Menschen auszutauschen, ist ein Ausweg aus der eigenen Beschränktheit. Etwas für andere zu tun, ist wichtig für die eigene Psyche.
Quelle: Richard David Precht – Wer bin ich und wenn ja, wie viele? (2007)
Precht bringt es gewohnt eloquent auf den Punkt. Austausch ist ein tieferes Bedürfnis eines jeden Menschen, das einen Ausweg aus den eigenen Denkgewohnheiten bietet. Wenn es dir dabei gelingt, etwas Gutes für dein Gegenüber zu tun, geht es dir psychisch gut. Fünf Erfolgsfaktoren bilden die Basis für gelingenden Austausch.
Ausreichend ähnliche Austausch-Partner
Altmeister Looss rät: Wähle aus, mit wem du dich ausreichend ähnlich machen kannst. Um nicht alles für alle zu sein, braucht es strenge Selektion bei Branche und Schwelligkeit. Was Looss als Tipp für die Positionierung von Beratern predigt, hat handfeste Konsequenzen für gelingenden Austausch.

Austausch kann nur dort gelingen, wo sich ausreichend ähnliche Gesprächspartner gegenübersitzen. Nicht umsonst sind unsere Führungskreise rund um Zielgruppen gebildet: Geschäftsführer, Produktionsleiter, Vertriebsleiter, Bürgermeister. Ähnliche Rollen sind ein möglicher Zugang, damit der Austausch neu und/oder relevant für beide Seiten ist.

„Patrick Fritz habe ich als starken und verlässlichen Partner erlebt und möchte ihn wie folgt beschreiben: konstruktiv, innovativ, querdenkend, hinterfragend und lösungsorientiert. Er bringt in den Führungskreisen immer einen guten Mix erprobter Modelle aus Theorie und Praxis ein. Dabei wird weit über die konkreten Fall- und Diskussionsbeispiele, die neuesten Entwicklungstrends auf eine sehr angenehme Art und Weise vermittelt. “
All you have to do is ask
Der Reziprozitätsring ist ein von dem Soziologen Wayne Baker an der Universität Michigan entwickeltes Experiment, das ich für sehr wertvoll halte. Reziprozität bedeutet Gegenseitigkeit. Wie wir alle bereits erfahren haben, macht es große Freude, sich gegenseitig zu unterstützen. Wie du mir, so ich dir.
Baker spricht in diesem Zusammenhang von einem interessanten Paradox: Das Problem ist nicht fehlende Hilfsbereitschaft, sondern das Zögern, um Hilfe zu bitten. Vermutlich liegt es an der Furcht, als schwach oder dumm wahrgenommen zu werden, wenn man um Hilfe bittet.

Dabei ist das Gegenteil wahr. Wenn Menschen um Hilfe bitten, werden sie in der Regel von der Gruppe als kompetenter eingeschätzt. Networking beginnt, wenn eine Person Visitenkarten anbietet. Reziprozität und Austausch beginnen, wenn eine Person um Hilfe bittet.
Austausch braucht Vorturner
Wie Güth, Levati, Sutter und van der Heijden (2004) zeigen, gibt es bei der Zusammenarbeit in Gruppen einen stark positiven Zusammenhang zwischen den Beiträgen des Leaders und der anderen Gruppenmitglieder. Fairnessnormen führen zu konditionaler Kooperation. Anders gesagt, man kooperiert, wenn andere das auch tun.

Was will ich damit sagen? Austausch braucht Vorturner! Auch wenn das komplett gegen die feuchten Träume aller Agilisten geht, auch Selbstorganisation braucht einen klaren Rahmen und jemand, der vorzeigt, wie Kooperation und Austausch funktionieren.
Online geht vieles, aber kein Austausch
Wir alle kennen das, seit Corona haben sich Zoom und Teams etabliert. Und ja, wir können uns damit Zeit sparen. Wenn eine Besprechung früher eine Stunde dauerte, brauche ich heute nur noch 20-30 Minuten. All der soziale Kitt fällt links und rechts um Pferd hinunter.
Manfred Spitzer hat dazu eine spannende Studie zitiert. Je nachdem, wie nah sich das Smartphone bei uns befindet, leiden sowohl unser Arbeitsgedächtnis als auch unsere Intelligenz darunter. Wenn das Smartphone in einem anderen Raum ist, lösen wir im 8,4 Matrizen und nur noch 7,8 Matrizen, wenn sich das Smartphone auf dem Schreibtisch befindet.

Anders gesagt, wenn du immer online bist, ist das nicht die ideale Voraussetzung für tiefergehenden Austausch. Du merkst dir weniger und bist dümmer. Du kannst diese Studie durch den Kakao ziehen, aber tief im Herzen ist dir klar, Teams und Zoom bieten jede Menge Potential abzudriften.

„Der Führungskreis Produktion ermöglicht einen intensiven Austausch zu ausgewählten Themen. Das Netzwerk ermöglicht den Teilnehmern auch ausserhalb der organisierten Treffen Schwerpunkte miteinander zu vertiefen und somit andere Ideen zur Lösung aktueller Aufgabenstellungen zu finden. “
Spaß muss sein, damit Austausch gelingt
Den fünften Erfolgsfaktor für gelingenden Austausch würde Hartmut Rosa wohl als Resonanz-Phänomen bezeichnen. Wenn dir etwas Spaß macht und dazu gehört der Austausch mit deinem Gegenüber, dann überträgt sich deine Stimmung auf dein Gegenüber.

In unseren Lessons Learned für offene Veranstaltungen steht deshalb u.a. „Muss uns auch Spaß machen!“. Denn nur wenn es auch für uns als Veranstalter Spaß macht, überträgt sich unsere Stimmung auf die unserer Gäste. Wenn wir genervt sind, überträgt sich das auch auf unsere Gäste.
Fazit – Austausch statt Networking
Das Paradebeispiel für Networking ist LinkedIn. Mit einer klassischen Strichle-Liste habe ich überprüft, was mir da so geboten wird:
- Ich bin toll/ Wir sind toll: 22 Nennungen
- Job-Angebote: 11 Nennungen
- Events/ Workshops/ Seminare: 18 Nennungen
- Meinungen/ Artikel/ Whitepaper: 7 Nennungen
- Produkte/ Services: 16 Nennungen
Diese Liste zeigt für mich eindrücklich, warum LinkedIn keinen Austausch bietet. Was dort geboten wird, hat häufig wenig mit mir zu tun. Niemand bittet um meine Hilfe. Niemand macht vor, wie es richtig geht. Zudem ist es online und macht keinen Spaß. Gelingender Austausch ist genau das Gegenteil davon!

Dr. Patrick Fritz
Ich finde auch, man merkt sehr schnell, wer auf Plattformen wie LinkedIn einfach nur sein Profil aufpolieren will und wer wirklich an echten Verbindungen interessiert ist. Bei meinem ersten Werkstudentenjob waren wir oft auf Messen und Veranstaltungen unterwegs, wo natürlich auch Networking im Vordergrund stand. Aber das war nicht nur oberflächlich – wir haben dort echte Freundschaften geschlossen, viele wertvolle Tipps erhalten und sogar später Jobs vermittelt bekommen. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass wir durch Kontakte auf der Messe einen tollen Messebauer (https://sectorplan.de/messebau-mit-system/) gefunden haben – oder einen Steuerberater über eine andere Empfehlung. Für mich bedeutet gutes Networking, gezielt und ehrlich Beziehungen aufzubauen, die auf gegenseitigem Interesse und Vertrauen beruhen – nicht auf bloßem Visitenkartentausch.