Verhaltensökonomie für Inhouse Schulungen nutzen
Teilnehmende eines Fritz Führungskreises haben kürzlich vom Verhaltensökonomen Wilhelm Schmid erfahren, wie Inhouse Schulungen wirklich wirksam werden können. Er hat gezeigt, wie Lernen funktioniert und wie Menschen zum Lernen motiviert werden können.
Inhalt
Mehr als konsumieren: Wie Lernen wirklich funktioniert
Ein erstes Aha-Erlebnis war: Output ist wichtiger als Input!
Es genügt nicht, Wissen zur Verfügung zu stellen. Wir müssen Schulungsteilnehmenden die Möglichkeit geben, das Wissen zu verarbeiten. Nehmen wir uns selbst: An wie viel erinnern wir uns, wenn wir am Abend gemütlich auf der Couch ein Sachbuch gelesen haben?

Input allein reicht nicht aus. Wir müssen das in Inhouse Schulungen trainierte wissen wiederholen, es anschließend jemandem erzählen oder erklären. Oder etwas aus dem Wissen produzieren, z.B. einen Blogbeitrag, eine Präsentationsfolie oder eine Quizfrage.
Wie motivieren wir Mitarbeitende zum Lernen?
Ein motivierendes Arbeitsumfeld ist ein guter erster Schritt. In einem motivierten Team sind wir persönlich auch motivierter. Dann gibt es noch ein paar verhaltensökonomische Faktoren, die die Motivation beeinflussen können:
- Hürden eliminieren: Je leichter ein Zielverhalten gemacht wird, desto besser. Heißt: Sind wir automatisch dabei oder müssen wir uns aktiv dafür entscheiden? Eine weitere Hürde sind zu viele Optionen, die eine Entscheidung schwer machen.
Oft scheitert es auch an sprachlichen oder technischen Hürden. Zu viele Inhalte können abschrecken, Lern-Häppchen (sogenanntes Micro Learning) können besser verdaut werden. - Soziale Faktoren: Wir Menschen sind Herdentiere. Je beliebter die Inhouse Schulungen „bei anderen“ sind, desto motivierter sind wir als Einzelne. Das Phänomen nennt sich „social proof“. Auch Dinge, die knapp sind, erzeugen eine hohe Anziehungskraft.
- Monetäre Faktoren: Bei finanziellen Anreizen ist Vorsicht geboten, da sie oft anders wirken können, als ursprünglich beabsichtigt. Finanzielle Anreize können sehr schnell die intrinsische Motivation zerstören. Auch finanzielle Strafen können nach hinten losgehen, da sie von manchen als Legitimation ihres Fehlverhaltens angesehen werden. Man kauft sich frei vom eigenen Fehlverhalten.
Beruhigend ist, dass es grundsätzlich keine unmotivierten Menschen gibt. „Motiviert zu sein“ ist keine Charaktereigenschaft. Motivation hängt vom Umfeld ab, ist jedoch ein innerer Zustand, der nicht so leicht von außen verändert werden kann.

„Der Führungskreis Produktion ermöglicht einen intensiven Austausch zu ausgewählten Themen. Das Netzwerk ermöglicht den Teilnehmern auch ausserhalb der organisierten Treffen Schwerpunkte miteinander zu vertiefen und somit andere Ideen zur Lösung aktueller Aufgabenstellungen zu finden. “
Was hilft, um Inhouse Schulungen attraktiv zu gestalten?
Um es Mitarbeitenden möglichst leicht zu machen, an Inhouse Trainings teilzunehmen, ist es wichtig, sie dort abzuholen, wo sie sich mit ihrem Wissensstand befinden. Mit sogenannten Pre-Assessments können Wissenslücken frühzeitig erkannt und gezielt darauf eingegangen werden.
Wenn es um digitale Lösungen für Inhouse Schulungen geht, hat sich Peer Learning bewährt um durch Formate wie Diskussionsrunden oder Mentoring das Fachwissen und die Erfahrungen von Kolleg:innen in der Gruppe zu nutzen und damit den „sozialen Druck“ im positiven Sinne zu nutzen.
Eine tolle Möglichkeit stellt simulationsbasiertes Lernen dar, um Arbeitssituationen möglichst real widerzuspiegeln und den Teilnehmenden ein Lernen in einer risikofreien Umgebung zu ermöglichen.
Ein Erfolgsfaktor zum Schluss ist das Management-Engagement. Ist die Führungsebene involviert, geht mit gutem Beispiel voran und interessiert sich, dann ist schon mal ein wichtiger Faktor für den Erfolg gegeben.
Fazit: Verhaltensökonomie für Inhouse Schulungen nutzen
Um Inhouse Trainings attraktiv zu gestalten und effektives Lernen im Betrieb zu ermöglichen, ist es hilfreich, ein paar Erkenntnisse aus der Verhaltensökonomie zu berücksichtigen und gezielt zu nutzen.

Mag. Katharina Fuchs