Führung vs Management: Worin liegt der Unterschied?
Führung vs Management vs Leadership ist eine Frage, die im Führungsalltag immer wieder für Verwirrung sorgt. In Fritz Führungskreisen tauchen die Begriffe Führung, Management und Leadership regelmäßig auf, meist durcheinander und mit sehr unterschiedlichen Bedeutungen. Manche verwenden Führung, Management und Leadership synonym. Andere sehen Management als Verwalten und Leadership als die bessere, modernere Form von Führung. Wieder andere verstehen Management und Leadership als unterschiedliche Rollen, die jede Führungskraft situationsabhängig einnehmen muss. Genau diese Unschärfe führt in der Praxis häufig zu Missverständnissen. Dieser Fritz Tipp ordnet Führung, Management und Leadership ein und zeigt anhand von Beispielen, worin der Unterschied liegt.
Inhalt
Drei typische Sichtweisen auf Management und Leadership
In der Praxis begegnen mir vor allem drei Sichtweisen:
- Undifferenziert: Management, Führung und Leadership werden als austauschbare Begriffe verwendet.
- Differenziert: Management und Leadership werden klar getrennt. Dabei wird Management häufig als Verwaltung verstanden, Leadership dagegen als die attraktivere Fähigkeit, Menschen zu inspirieren und Veränderung zu ermöglichen.
- Integriert: Führungskräfte übernehmen je nach Situation unterschiedliche Rollen. Sie sind manchmal Manager, manchmal Leader, manchmal Experte, manchmal Entwickler.
Ich persönlich kann mit manchen Definitionen mehr anfangen als mit anderen, dennoch greifen alle Versuche zu kurz. Es wird versucht, Begriffe zu positionieren und ihnen eine Bedeutung zu geben, was ich nicht für nützlich erachte. Sinnvoller halte ich einen Ansatz, der von den Aufgaben der Führungskraft ausgeht. Wenn es dann noch ein Wort dafür braucht, dann soll es so sein.

„Es ist immer wieder erstaunlich, wie ähnlich sich die Problemstellungen von Firmen aus unterschiedlichen Branchen sind, und wie offen man diese im Führungskreis Softwareentwicklung diskutieren kann. “
Was ist Führung?
Führung Definition nach Rosenstiel
Führung ist die unmittelbare, absichtliche und zielbezogene Einflussnahme durch InhaberInnen von Vorgesetztenpositionen auf Unterstellte mit Hilfe der Kommunikationsmittel.
In einer späteren Definition von Führung ist für mich ein wichtiger Aspekt dazu gekommen. Führung ist zielbezogene Einflussnahme, einerseits durch Personen, andererseits durch Strukturen.
Quelle: Rosenstiel, Molt & Rüttinger (1988) und Rosenstiel, Regnet & Domsch (2020)
Führung ist also die bewusste Verhaltensbeeinflussung anderer Personen, um definierte Ziele zu erreichen. Aufgabe der Führungskraft ist es, diese Einflussnahme gezielt zu gestalten.
Das Verhalten von Mitarbeitern wird darüber hinaus von Strukturen (formalisierte Erwartungen) wie z.B. Organigramm, Stellenbeschreibung und Anreizsysteme beeinflusst.

Auch wenn das Verhalten von Mitarbeitern nicht nur durch Führungskräfte beeinflusst wird, so neigen wir in der Diskussion immer wieder zur Personalisierung von Führungserfolg. Folglich schreiben wir einzigartigen Führungspersönlichkeiten den Erfolg ganzer Teams, Unternehmen oder Länder zu:
- Steve Jobs: Der verstorbene Gründer von Apple gilt als einer der innovativsten und erfolgreichsten Unternehmer unserer Zeit. Jobs zeigte visionäre Führung, indem er Produkte wie iPod, iPhone und iPad erfolgreich auf den Markt brachte.
- Angela Merkel: Als erste weibliche Kanzlerin Deutschlands hat Merkel eine bemerkenswerte Führungsrolle in Europa und der Welt übernommen. Sie hat in ihrer Amtszeit gezeigt, dass sie in der Lage ist, effektiv zu kommunizieren und politische Entscheidungen zu treffen.
- Martin Luther King: Als Anführer der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung hat King gezeigt, wie man durch gewaltlose Proteste und zivilen Ungehorsam eine friedliche Veränderung herbeiführen kann. Seine Führungskompetenzen umfassten eine klare Vision, eine inspirierende Botschaft und die Fähigkeit, Menschen zu mobilisieren.
Zur Frage Was ist Führung? sind bei mir inzwischen weitere Überlegungen entstanden. Auch wie zielbezogene Einflussnahme auf unterschiedlichen Ebenen gelingen kann, die sich in unterschiedlichen Führungsstilen widerspiegelt, weiß ich inzwischen mehr.
Der Einstieg beginnt mit einem persönlichen Gespräch
Was ist Leadership?
Leadership Definition
Um es gleich vorwegzunehmen: Für mich sind Leadership und Führung im Kern dasselbe. Leadership ist die englische Entsprechung von Führung und umfasst verhaltenswissenschaftliches Wissen, das sich mit der Führung von Mitarbeitenden befasst.
Quelle: Fritz Führungskreise
Wer sich damit zufrieden gibt, kann gleich zur nächsten Überschrift weiter gehen. Für alle anderen noch ein Wort zu weiteren Meinungen:
- Das Erdmännchen-Prinzip von John Kotter betont die Unterscheidung zwischen Management und Leadership. Während Management auf Stabilität und Effizienz fokussiert ist, geht es beim Leadership um die Fähigkeit, Veränderungen anzustoßen und Innovationen voranzutreiben.
- Für Barbara Heitger ist mit Leadership im Gegensatz zu Führung die unternehmerische Komponente gemeint. Also das Unternehmen voranbringen, ähnlich der Definition von Kotter.
- Am Management Center Vorarlberg kleidet die Führungskraft verschiedene Rollen aus: Experte, Leader, Manager und Entwickler.
- Bei Königswieser ist Führung der Überbegriff. Management und Leadership sind Unterbegriffe. Bei Management geht es um Ordnung und Berechenbarkeit. Bei Leadership um Mobilisierung und Bewegung.
- Reinhold Bartl liefert eine aufgabenorientierte Ergänzung: Er unterscheidet zwischen komplizierten und komplexen Aufgaben. Komplizierte Aufgaben verlangen eher Management: analysieren, planen, strukturieren, steuern. Komplexe Aufgaben verlangen eher Führung: Orientierung geben, mit Unsicherheit umgehen, Sinn stiften und Menschen trotz Zielkonflikten handlungsfähig halten.
- Bandiera, Hansen, Prat & Sadun untersuchten das Verhalten von 1.114 CEOs. Dabei erkannte man zwei unterschiedliche Verhaltenstypen: Leader und Manager. Leader konzentrieren sich auf multifunktionale Meetings auf hoher Ebene, während Manager sich auf Einzelgespräche mit Kernfunktionen konzentrieren.
Die Liste ließe sich weiter fortsetzen. Trotzdem würden wir zu keinem Konsens kommen. Das Einzige, was ich raus lesen kann, vielleicht eine Art Minimalkonsens, Führungskräfte sind auf unterschiedlichen Ebenen gefordert. Admiral Grace Hopper hat es für mich schön auf den Punkt gebracht: „You don’t manage people. You manage things. You lead people.“

Was ist Management?
Management Definition
Mit klassischem Management sind im Wesentlichen betriebswirtschaftliche Aufgaben verbunden. Eigentlich alles, was man in einem normalen BWL-Studium lernt. Vom verhaltenswissenschaftlichen Teil hört man im Studium so gut wie nichts.
Quelle: Fritz Führungskreise
Natürlich gibt es auch hier Gegenstimmen, wie z.B. Fredmund Malik. Für ihn ist Führung die deutsche Übersetzung von Management. Also nicht Führung vs Management, sondern Führung ist gleich Management. Damit verbindet er Grundsätze wie Resultatorientierung, sich auf Weniges konzentrieren oder Vertrauen.
Für Merath ist ein Leader auch ein Manager. Also nicht Führung vs Management vs Leadership, sondern Führung = Management = Leadership. Die Führungskraft konzentriert sich sowohl auf Menschen (Führung oder Leadership), als auch auf Dinge (Management).
Natürlich gibt es auch Stimmen für die Führung, Management und Leadership das Gleiche sind. Das eine Wort kann für das andere stehen. So als wolle man Wortwiederholungen in einem Deutsch-Aufsatz verhindern.

Wer jedoch nach erfolgreichem Management fragt wird selten auf ausgewählte Persönlichkeiten stoßen, sondern immer wieder auf betriebswirtschaftliche Methoden und Konzepte. Die Liste ist unendlich lang, um nur drei ausgewählte Beispiele zu nennen:
- Toyota Production System: Das Toyota Production System (TPS) ist eine Management-Methode, die in den 1950er Jahren von Toyota entwickelt wurde und darauf abzielt, Prozesse zu optimieren und Verschwendung zu reduzieren.
- Zara-Supply-Chain-Management: Zara, ein spanisches Bekleidungsunternehmen, hat eine erfolgreiche Supply-Chain-Management-Strategie implementiert, die es ermöglicht, Trends schnell zu erkennen und schnell auf die Nachfrage zu reagieren.
- GE Work-Out: Die GE Work-Out Methode ist eine strukturierte Methode zur Verbesserung von Geschäftsprozessen, die von der General Electric Company (GE) entwickelt wurde. Die Methode wurde erstmals in den 1980er Jahren von Jack Welch, dem damaligen CEO von GE, eingeführt.
Exkurs: Komplizierte Aufgaben brauchen Management, komplexe Aufgaben brauchen Führung
Eine hilfreiche Ergänzung stammt aus der Arbeit mit Dr. Reinhold Bartl. Sie fragt nicht zuerst nach Begriffen wie Management oder Leadership, sondern nach der Art der Aufgabe: Ist eine Aufgabe kompliziert oder komplex?
Komplizierte Aufgaben sind anspruchsvoll, aber grundsätzlich planbar. Ursache und Wirkung hängen relativ direkt zusammen. Wenn ich die richtigen Methoden, Prozesse, Standards und Kennzahlen anwende, kann ich zuverlässige Ergebnisse erzielen. Genau hier ist Management stark: Es schafft Ordnung, Struktur, Wiederholbarkeit und Effizienz.
Komplexe Aufgaben funktionieren anders. Hier gibt es viele Einflussfaktoren, die nicht vollständig kontrollierbar sind. Menschen reagieren unterschiedlich, Märkte verändern sich, Zielkonflikte nehmen zu und die richtige Lösung ist am Anfang oft nicht bekannt. Ablauf- und Prozessmodelle helfen dann nur begrenzt.
Zugespitzt formuliert: Kompliziertes wird gemanagt. Komplexes wird geführt. Management macht komplizierte Aufgaben handhabbar, Führung gibt Orientierung in komplexen Situationen.
Fazit – Führung vs Management vs Leadership
Ich persönlich kann mit manchen Definitionen mehr anfangen als mit anderen. Für den Führungsalltag hilft mir folgende einfache Arbeitsunterscheidung:
- Führung = Verhaltensbeeinflussung von Menschen
- Leadership = englische Entsprechung von Führung
- Management = Handhaben von Sachverhalten, Prozessen, Ressourcen und betriebswirtschaftlichen Aufgaben
Die ergänzende Unterscheidung nach Reinhold Bartl macht diese Arbeitslogik noch klarer: Komplizierte Aufgaben brauchen Management. Komplexe Aufgaben brauchen Führung.
Management ist damit nicht schlechter als Führung. Es ist nur für eine andere Art von Aufgabe zuständig. Management schafft Ordnung, Struktur und Verlässlichkeit. Führung gibt Orientierung, wenn Menschen mit Unsicherheit, Zielkonflikten und Veränderung umgehen müssen.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht: Bin ich Manager oder Leader? Sondern: Welche Aufgabe verlangt die Situation gerade von mir?

Dr. Patrick Fritz
gut, sehr wichtiges Thema
sehr toller beitrag, hat mir im verständnis der führung / management / leadership folie im skript geholfen. danke!