Bedürfnis, Bedarf und Nachfrage einfach erklärt mit Beispiel
Bedürfnis, Bedarf und Nachfrage werden häufig verwechselt, beschreiben aber drei unterschiedliche Stufen auf dem Weg vom gefühlten Mangel zur konkreten Kaufentscheidung. In diesem Fritz Tipp erfährst du die Definitionen und Unterschiede anhand eines einfachen, anschaulichen Beispiels aus der Praxis.
Inhalt
Bedürfnis, Bedarf und Nachfrage im Vergleich
Die drei Begriffe bauen aufeinander auf. Aus einem empfundenen Mangel entsteht ein konkreter Bedarf. Wird dieser Bedarf am Markt wirksam, sprechen wir von Nachfrage.
| Begriff | Definition | Beispiel |
|---|---|---|
| Bedürfnis | Ein empfundener Mangel, der nach Befriedigung strebt. | Max hat Hunger. |
| Bedarf | Das konkrete Verlangen nach einem bestimmten Gut zur Befriedigung des Bedürfnisses (für das Kaufkraft vorhanden ist). | Max möchte ein Brot kaufen und kann es bezahlen. |
| Nachfrage | Der Teil des Bedarfs, der durch eine konkrete Kaufentscheidung am Markt wirksam wird. | Max bestellt in der Bäckerei ein Brot. |
Ein Bedürfnis entsteht, wenn ein Mensch einen Mangel empfindet. Max hat beispielsweise Hunger. Entscheidet er sich für ein konkretes Gut und verfügt über das notwendige Geld, entsteht Bedarf. Sobald Max in der Bäckerei ein Brot bestellt, wird dieser Bedarf am Markt wirksam. Es entsteht Nachfrage.
Der Einstieg beginnt mit einem persönlichen Gespräch
Was sind Bedürfnisse?
Bedürfnis Definition
Ein Bedürfnis ist ein mit dem Erleben von Mangel verbundener intrapsychischer Spannungszustand, der über das Streben nach Beseitigung des Mangels zu Entspannung führt (Bedürfnisbefriedigung).
Quelle: In Anlehnung an Pschyrembel 2021
Einfacher gesagt: Ein Bedürfnis ist ein gefühlter Mangel, der befriedigt werden möchte. Unerfüllte Bedürfnisse können als Probleme erlebt werden oder sich in Wünschen zeigen. Deshalb unterscheidet Uebernickel zwischen Problemen (problem-fields) und Wünschen (opportunity-fields).
Comelli und Rosenstiel zeigen sowohl die Intensität eines Bedürfnisses (grüne Linie), als auch den Einfluss eines Anreizes auf dieses Bedürfnis (rote Linie). Ein Beispiel ist der Anreiz eines kalten Biers, der ein vorhandenes Bedürfnis wie Durst oder Geselligkeit verstärken und schneller aktivieren kann.

Beispiele für Bedürfnisse
Die Maslowsche Bedürfnispyramide ist das bekannteste Modell zur Klassifikation von Grundbedürfnissen. Abraham Maslows empirisch nicht belegte Theorie geht davon aus, dass Bedürfnisse einer tieferen Stufe erst weitgehend befriedigt sein müssen, bevor die Befriedigung der höheren Bedürfnisse angestrebt wird:
- Stufe 1 – Physiologische Bedürfnisse: Atmung, Wasser, Sauerstoff, Nahrung, Essen, Trinken, Schlafen, Wärme, Sexualität.
- Stufe 2 – Sicherheitsbedürfnisse: Stabilität, Geborgenheit, Schutz, Angstfreiheit, Struktur, Ordnung, Gesetze und Grenzen.
- Stufe 3 – Soziale Bedürfnisse: Liebe, Zuneigung, Zugehörigkeit, Austausch, Partnerschaft, Freunde.
- Stufe 4 – Individualbedürfnisse: Achtung, Anerkennung, Status, Macht, Selbstachtung.
- Stufe 5 – Selbstverwirklichung: Altruismus, Individualität, Gerechtigkeit, Güte, Talententfaltung.
Unerfüllte Bedürfnisse sind damit der Schlüssel zur Motivation. Aus unerfüllten Bedürfnissen entstehen Motive, ein Begriff, der auf Schopenhauer (1788-1860) zurückgeht. Die Gesamtheit aller Motive wird als Motivation bezeichnet und sind die Beweggründe für Handlungen, wie bereits Goethe erkannte:

Was ist Bedarf?
Physiologische Bedürfnisse wie Nahrung, Wärme oder Schlaf sind nach Maslow die grundlegendsten und mächtigsten Bedürfnisse unter allen. Diese Bedürfnisse müssen wir unbedingt befriedigen, sonst können wir nicht weiterleben. Folglich muss die Überlegung getroffen werden, mit welchen Gütern das jeweilige Bedürfnis befriedigt werden kann.
Bedarf Definition
Bedarf ist ein konkretisiertes Bedürfnis, für dessen Befriedigung Kaufkraft vorhanden ist.
Quelle: Vgl. www.rechnungswesen-verstehen.de
Das nachfolgende Video illustriert diesen Zusammenhang anschaulich. Max hat Hunger, das ist sein Bedürfnis. Um dieses Bedürfnis zu befriedigen, möchte er ein Brot kaufen und verfügt über das notwendige Geld. Sein Bedürfnis ist damit konkretisiert und mit Kaufkraft ausgestattet. Es entsteht Bedarf. Erst wenn Max dieses Verlangen in der Bäckerei als konkrete Kaufentscheidung äußert, entsteht Nachfrage.
Beispiele: Wie Bedürfnisse konkret befriedigt werden können
Die nachfolgenden Beispiele zeigen nicht den Bedarf im engeren wirtschaftlichen Sinn, sondern mögliche Güter und Maßnahmen, mit denen Bedürfnisse im Arbeitsleben befriedigt werden können.
| Bedürfnisse | Mögliche Güter und Maßnahmen |
|---|---|
| Stufe 1 – Physiologische Bedürfnisse: Atmung, Wasser, Sauerstoff, Nahrung, Essen, Trinken, Schlafen, Wärme, Sexualität. | Kantine, ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze, gut temperierte, staub- und lärmfreie Arbeitsräume, Ruhe-, Sport- und Gymnastikmöglichkeiten. |
| Stufe 2 – Sicherheitsbedürfnisse: Stabilität, Geborgenheit, Schutz, Angstfreiheit, Struktur, Ordnung, Gesetze und Grenzen. | Unfallprävention am Arbeitsplatz, langfristige Arbeitsverträge, Information an alle Mitarbeiter, Krankheitsversicherung, Unfallversicherung, ökonomisch gesunder Betrieb, aber auch psychologische Sicherheit. |
| Stufe 3 – Soziale Bedürfnisse: Liebe, Zuneigung, Zugehörigkeit, Austausch, Partnerschaft, Freunde. | Sport- und Freizeitmöglichkeiten, Betriebsausflüge, Teeküchen, Gruppenräume, Seminare, Teamarbeit, Qualitätszirkel und gutes Betriebsklima. |
| Stufe 4 – Individualbedürfnisse: Achtung, Anerkennung, Status, Macht, Selbstachtung. | Anerkennung durch Vorgesetzte, Titel, Statussymbole, Privilegien, Besuch von Tagungen oder Kongressen und Auszeichnungen (Mitarbeiter des Monats). |
| Stufe 5 – Selbstverwirklichung: Altruismus, Individualität, Gerechtigkeit, Güte, Talententfaltung. | Selbstständigkeit bei der Arbeit, Möglichkeit Verbesserungsvorschläge einzubringen, Freiraum durch kooperativen Führungsstil, Dezentralisierung, Teamisierung, Training on the job und eigene Arbeitsplatzgestaltung. |
Was ist Nachfrage?
Da uns nicht unendlich Kaufkraft bzw. Geld zur Verfügung steht, muss immer wieder eine Entscheidung getroffen werden, welche Güter zur Bedürfnisbefriedigung gekauft werden und welche nicht. Wird der Bedarf durch eine konkrete Kaufentscheidung am Markt wirksam, sprechen wir von Nachfrage.
Nachfrage Definition
Die Nachfrage gilt als der Teil des Bedarfs, der seine Wirksamkeit am Markt durch eine Kaufentscheidung erhält.
Quelle: www.rechnungswesen-verstehen.de
Sobald Max in die Bäckerei geht und dort ein Brot bestellt, wird sein Bedarf am Markt wirksam. Aus dem Bedarf entsteht Nachfrage.
Warum wird Bedarf nicht immer zu Nachfrage?
Nicht jeder Bedarf wird am Markt wirksam. Max kann ein Brot kaufen wollen und grundsätzlich über das notwendige Geld verfügen, sich aber trotzdem gegen den Kauf entscheiden. Gründe können ein als zu hoch empfundener Preis, Unsicherheit über die Qualität, fehlendes Vertrauen in die Bäckerei, ein ungünstiger Zeitpunkt oder ein attraktiveres Angebot sein.
In diesem Fall besteht zwar Bedarf, aber keine Nachfrage nach dem konkreten Angebot. Vor diesem Hintergrund wird schnell klar, worum es beim Wirtschaften im Kern geht. Wirtschaften bedeutet, knappe Ressourcen so einzusetzen, dass Bedürfnisse bestmöglich befriedigt werden.
Bedürfnisse stellen den Ausgangspunkt des Wirtschaftens dar. Die daraus entstehenden Entscheidungen und Transaktionen sind ein wesentlicher Teil wirtschaftlichen Handelns, wie das folgende Video von Ray Dalio wunderbar zeigt:
Fazit
Ein gefühlter Mangel, genannt Bedürfnis, ist die Triebfeder für unser Handeln. Unternehmen bieten Produkte und Dienstleistungen an, mit denen diese Bedürfnisse befriedigt werden können. Aus einem Bedürfnis wird Bedarf, wenn es sich auf ein konkretes Gut richtet und Kaufkraft vorhanden ist. Wird dieser Bedarf am Markt wirksam, entsteht Nachfrage. Nicht umsonst schreibt Precht (2007, S. 92): „Wir nehmen gezielt das wahr, was unserer aktuellen Aufgabe, unserem Ziel oder unseren Bedürfnissen entspricht“.

Dr. Patrick Fritz
FAQ
Ein Bedürfnis ist ein empfundener Mangel. Bedarf entsteht, wenn dieses Bedürfnis auf ein konkretes Gut gerichtet ist und Kaufkraft vorhanden ist. Nachfrage entsteht, wenn dieser Bedarf am Markt wirksam wird.
Max hat Hunger, das ist sein Bedürfnis. Er möchte ein Brot kaufen und kann es bezahlen, das ist Bedarf. Bestellt er das Brot in der Bäckerei, entsteht Nachfrage.
Ein Bedürfnis ist ein empfundener Mangel, den ein Mensch beseitigen möchte, zum Beispiel Hunger, Sicherheit oder Zugehörigkeit.
Bedarf ist ein konkretes Bedürfnis, das auf ein bestimmtes Gut gerichtet und mit Kaufkraft ausgestattet ist.
Nachfrage ist der Teil des Bedarfs, der durch eine konkrete Kaufentscheidung am Markt wirksam wird.
Menschen können sich trotz vorhandenem Bedarf gegen ein Angebot entscheiden, etwa wegen eines zu hohen Preises, fehlenden Vertrauens, Unsicherheit, eines ungünstigen Zeitpunkts oder besserer Alternativen.
