Transtheoretisches Modell der Verhaltensänderung

gepostet am 10. Januar 2023
aktualisiert am 21. Juni 2024

Von Christian Bauer, Geschäftsführer bei meisterleistung in Stuttgart, durfte ich das Transtheoretische Modell (TTM) nach James O. Prochaska (1982) kennenlernen. Sein Gastvortrag zeigt, dass viele Motive unser Verhalten beeinflussen. Wie aber aus unzähligen Motiven wirkliche Motivation und letztendlich beobachtbares Verhalten entsteht, zeigt dieser Fritz Tipp am Beispiel Sport und Bewegung.

Inhalt

5 Stadien der Verhaltensänderung

Ein fauler Couch-Potato wird nicht von jetzt auf gleich sein Essverhalten ändern und ein begeisterter Triathlet werden. Das Transtheoretische Modell nach Prochaska zeigt Veränderungsprozesse in Phasen. Um ein negatives Verhalten zu ändern, muss gemäß dem Verhaltensmodell ein Änderungsprozess immer unterschiedliche Stufen („Stages of Change“) durchlaufen. Deshalb wird das Transtheoretische Modell auch als Stufenmodell der Verhaltensänderung bezeichnet.

Transtheoretische Modell nach Prochaska. Quelle: Christian Bauer, meisterleistung GmbH.
Transtheoretische Modell nach Prochaska. Quelle: Christian Bauer, meisterleistung GmbH.

Die 5 Stages of Change am Beispiel Radfahren sehen wie folgt aus:

  1. Absichtslosigkeitsstadium: Körperliche Aktivität? Nee, das ist nichts für mich…
  2. Absichtsbildungsstadium: Aktiv sein? Das wär schon was. Ich weiß noch nicht wie, aber irgendwie krieg‘ ich das hin!
  3. Vorbereitungsstadium: Sport treiben? Klar, ich hab mich schon Walking-Kurs angemeldet!
  4. Handlungsstadium: Seit 4 Wochen bin ich regelmäßig einmal die Woche laufen!
  5. Aufrechterhaltungsstadium: Ohne Sport könnte ich gar nicht mehr leben! Ich bin schon seit Jahren begeisterter Radfahrer.

Als 6. Stadium des Transtheoretischen Modell wurde von anderen Autoren das Abschlussstadium hinzugefügt. Das alte Verhalten wird dauerhaft aufgegeben.

„Der Führungskreis Qualitätsmanagement ist eine sehr gute Plattform um mit Fachkollegen aus anderen Unternehmen und auch Bereichen die aktuellen Herausforderungen und Fragestellungen zu diskutieren. Durch die breite Erfahrung aller Führungskreisteilnehmer bekomme ich immer wieder neue Ansätze aber auch andere Blickwinkel zu den Themen in unserem Arbeitsfeld. Vor allem die hervorragende Organisation, der gesamte Rahmen und der Input der von Patrick organisierten Fachexperten macht den Führungskreis zu einer gelungenen und bereichernden Veranstaltung für meine Tätigkeit. “

Andreas Hofer
Leiter Qualitätswesen
Liebherr-Werk Nenzing GmbH

5 + 5 Veränderungsprozesse

Wie kann man also sein Verhalten dauerhaft ändern? Als Basis des Transtheoretischen Modells Prochaska et al. haben Veränderungsprozesse („Processes of Change“) identifiziert, die das Durchlaufen der Stadien („Stages of Change“) fördern. Dabei wird zwischen kognitiv-affektiven und verhaltensorientierten Veränderungsprozessen unterschieden. Kognitiv-affektive Prozesse sind besonders in frühen Änderungsstadien von Bedeutung, verhaltensorientierte Prozesse besonders in späten Änderungsstadien.

Transtheoretisches Modell: Processes of Change. Quelle: Christian Bauer, meisterleistung GmbH.
Transtheoretisches Modell: Processes of Change. Quelle: Christian Bauer, meisterleistung GmbH.

Kognitive-affektive Prozesse („Processes of Change“) sind:

  1. Steigern des Problembewusstseins
  2. Emotionales Erleben
  3. Neubewertung der persönlichen Umwelt
  4. Selbstneubewertung
  5. Wahrnehmung förderlicher Umweltbedingungen

Verhaltensorientierte Prozesse („Processes of Change“) sind:

  1. Selbstverpflichtung
  2. Nutzen hilfreicher Beziehungen
  3. Selbstverstärkung
  4. Gegenkonditionierung
  5. Kontrolle der Umwelt

Führung in Veränderungsprozessen

Führungskräfte, die eine gewünschte Verhaltensänderung herbeiführen wollen, sollten dem Transtheoretischen Modellfolgend zunächst auf kognitiv-affektive Änderungsprozesse wie Vorbild und Einsicht setzen, um das Problembewusstsein zu steigern.

Jorge Cendales spricht in folgendem Video über die Macht der Vorbilder. Wie Führungskräfte durch ihr Vorbildverhalten nachhaltige Veränderungen bewirken können. Außerdem liefert er konkrete Beispiele, wie veränderte Verhältnisse zu neuen Verhaltensweisen führen können:

Erst im Handlungsstadium, wenn es um die direkte Umsetzung der Verhaltensänderung geht, sind Konsequenzen und Kontrolle der Rahmenbedingungen hilfreich, um das neue Verhalten zu stabilisieren und Veränderungsprozesse erfolgreich zu gestalten.

Fazit: Transtheoretisches Modell

Wer sich Verhaltensveränderung bei sich selbst oder anderen wünscht, ist gut beraten, die 5 Stadien der Verhaltensänderung und die 5 + 5 Veränderungsprozesse zu kombinieren. Wer ganz am Anfang steht, braucht zunächst Problembewusstsein. In der Phase der Absichtsbildung ist emotionales Erleben wichtig, z.B. eine Probe-eBike-Fahrt. Ziele und der nächste kleine Schritt, helfen während der Vorbereitung. Wer schon in der Handlung ist, muss in seinem neuen Selbstvertrauen bestärkt werden – toll gemacht! Wer dran bleiben will, braucht Routinen. Gerne auch gemeinsam mit Freunden.

Dr. Patrick Fritz

Dr. Patrick Fritz

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