Stanford Prison Experiment nach Zimbardo

gepostet am 30. Mai 2023
aktualisiert am 24. Mai 2024

Kennst du das Stanford Prison Experiment? Das psychologische Experiment von 1971, bei dem 12 Wärter, 12 Gefangene grundlos brutal gequält haben? Noch heute gilt das bekannteste Experiment der Psychologie als Beweis für die wahre Natur des Menschen. Wenn wir nur genügend Macht und Autorität bekommen verhalten wir uns wie Raubtiere. Doch jetzt kommt der Hammer! Versuchsleiter Philip Zimbardo hat das Experiment von hinten bis vorne manipuliert.

Inhalt

Experiment

Das Experiment involvierte 24 männliche Stanford-Studenten, die durch Münzwurf entweder als Gefangene oder Wärter ausgewählt wurden. Ein Kellerraum wurde in ein Gefängnis umgewandelt, in dem die Gefangenen unter ständiger Überwachung durch die Wärter standen.

Die Wärter erhielten Anweisungen, die Kontrolle über die Gefangenen auszuüben, ohne jedoch physische Gewalt anzuwenden. Nach anfänglichem abtasten, wurde schnell härtere Maßnahmen ergriffen, um Ruhe und Ordnung im Gefängnis zu wahren: Zählappelle, Nummern anstatt Namen, Einheitskleidung, Liegestütze…

Stanford Prison Experiment. Quelle: PrisonExp.org
Stanford Prison Experiment. Quelle: PrisonExp.org

Das Experiment entwickelte sich schnell zu einer Situation, in der die Wärter ihre Rolle extrem ausnutzten und die Gefangenen erniedrigten und schikanierten. Bereits am Morgen des zweiten Tages brach ein Aufstand aus, der von den Wärtern mit Feuerlöschern niedergeschlagen wurde.

In der Folge zeigten einige Wärter sadistisches Verhalten, während die Gefangenen Anzeichen von Angst, Depression und emotionaler Belastung zeigten. Nach nur sechs von vierzehn geplanten Tagen wurde das Experiment abgebrochen, da die Situation außer Kontrolle geraten war und das Wohl der Teilnehmer gefährdet war.

Stanford Gefängnis Experiment. Quelle: PrisonExp.org
Stanford Gefängnis Experiment. Quelle: PrisonExp.org

Wirkung

Wie um Himmels Willen konnte das geschehen? Die Antwort ist als Stanford Prison Experiment in die Geschichte der Psychologie eingegangen und bietet Lehrstoff für Generationen von Psychologie-Studenten. Darüber hinaus wurde der Stoff gerne von Hollywood aufgegriffen und für das breite Fernsehpublikum aufbereitet:

Die Message ist klar, wenn wir in eine Situation kommen, in der wir genügend Macht und Autorität bekommen verwandeln wir uns in Raubtiere und fallen übereinander her. Jeder von uns ist zu den abscheulichsten Dingen imstande, wenn die Umstände es nahelegen.

Rutger Bregman, erzählt in seinem Buch Im Grund gut, jedoch eine völlig andere Geschichte. Eine Geschichte die zeigt, das manipulierte Experiment hatte mehr Einfluss auf das Verhalten der Teilnehmer, als die Teilnehmer auf das Experiment. Anders gesagt, Menschen passen ihr Verhalten an die Umgebung an.

Kritik

Zimbardo selbst unterwies die Wärter am Samstag vor dem Experiment, wie in seinem Buch Der Luzifer-Effekt nachzulesen ist:

„Wir können ihnen ein Gefühl der Frustration verschaffen. Wir können ihnen Angst einjagen. [..] Wir werden ihnen auf verschiedene Weise ihre Individualität nehmen. Sie werden Uniformen tragen, und sie werden nie mit Namen angeredet werden; sie werden Nummern haben und nur als Nummer angesprochen werden. Zusammengenommen sollte all das bei ihnen ein Gefühl der Machtlosigkeit entstehen lassen.“

Ja, das hört sich wirklich nach einem unvoreingenommenen Experiment an. Vielmehr höre ich einen jungen Psychologen mit dem Wunsch Ruhm und Anerkennung einzuheimsen, koste es was es wolle.  Aber es kommt noch viel schlimmer, wie einer der teilnehmenden Studenten ausführte:

„Ich begann mit einem konkreten Plan im Kopf, Auseinandersetzungen zu erzwingen, etwas loszutreten, damit die Forscher etwas in die Hand kriegten, womit sie arbeiten konnten. Was sollten sie von ein paar Kerlen lernen, die faulenzten, als wäre das hier ein Country Club?“

Der französische Soziologe Thibault Le Texier konnte beim Gang in die Stanford Archive nicht glauben, was er entdeckte. Die Idee zum Stanford Prison Experiment stammte nicht von Zimbardo, sondern von einem seiner Studenten namens David Jaffe.

Jaffe führte das Experiment mit Kommilitonen durch und berichtete in der Vorlesung wie heftig die Teilnehmer reagiert hätten. Daraufhin beauftragte Zimbardo den Studenten, Taktiken auszuarbeiten, die auf seinen früheren Erfahrungen als Meistersadist basierten.

Nicht nur Jaffe war ein begabter Sadist, auch Zimbardo bewies Talent. Der Professor selbst gab vor das die Gefangenen um 02.30 Uhr und 06.00 Uhr geweckt werden müssen. Liegestütze und Dornen in der Bettdecke zur Bestrafung der Gefangenen, alles seine Ideen. Er dränge die Wärter so hart wie möglich aufzutreten.

Fazit – Stanford Prison Experiment

Bregman bringt es auf den Punkt, Zimbardo inszenierte ein Theaterstück und wird bis heute dafür mit unglaublich viel Aufmerksamkeit belohnt. Er wurde der berühmteste Psychologe seiner Zeit, hätte aber Regisseur werden sollen. Was ohne Zimbardos Manipulation geschehen wäre, zeigen Haslam und Reicher in der Wiederholung des Experiments auf BBC. Es passierte überhaupt nichts. Ein Teekränzchen unter Männern, ohne Einschaltquote!

Dr. Patrick Fritz

Dr. Patrick Fritz

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Eine Antwort zu “Stanford Prison Experiment nach Zimbardo”

  1. Patrick Fritz sagt:

    Ein aufmerksamer Leser hat mir ein wichtiges Feedback geschrieben. Sein Professor ist der Meinung, dass beim BBC Experiment die Teilnehmer durch die Zuschauer manipuliert wurden.

    Wenn beim BBC Experiment, die Teilnehmer wissen das sie im Fernsehen zu sehen sind, dann verhalten sie sich schon darum anders als sie es würden wenn nicht.

    Zu diesem Einwand findet sich im FAQ zum BBC Experiment folgende Antwort: http://www.bbcprisonstudy.org/faq.php?p=76

    „There is no doubt that the behaviour of participants in our study was affected by the knowledge that they were being filmed. In particular, it was a factor in the unwillingness of some Guards to impose discipline at the start of the study.

    This implies that the willingness of powerful authorities to be tyrannical can be reduced by rendering them visible and accountable in particular ways. This is an important finding. It shows that we need to consider the impact of surveillance both in everyday life and in our theories of behaviour.

    Moreover, it is wrong to reduce the significance of surveillance simply to participants’ concerns about the television audience. Their awareness of the cameras declined over time and, if anything, observational evidence suggests that they were most concerned about being watched by us, the experimenters.

    The notion of ‘playing up to the cameras’ is also too simplistic to explain the full pattern of our findings. Most obviously, since the cameras were a constant, they cannot account for predicted variations in behaviour over time. And while it may be possible for people to fake some things for the camera, it is much harder to fake responses on psychometric and physiological tests.

    The fact that all our different form of data tell the same story convinces us that the study’s findings were real rather than in any sense artificial.“

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