Risikomanagement: Definition, Prozess, Beispiel

gepostet am 22. Dezember 2020
aktualisiert am 7. Juni 2024

Meine erste intensive Auseinandersetzung mit Risikomanagement erfolgte im Rahmen meiner Diplomarbeit. Kürzlich bot sich erneut die Gelegenheit dazu im Führungskreis Qualitätsmanagement mit Gastreferent Wolfgang Gliebe. Hier standen nicht nur Risikomanagement Definition und Prozess im Fokus, sondern auch praxisnahe Beispiele. In diesem Fritz Tipp stelle ich meine Erkenntnisse zur Diskussion.

Inhalt

Was ist Risikomanagement?

Risiko Definition

Unter Risiko wird die Möglichkeit des Eintritts künftiger Ereignisse verstanden, die nachteilige Auswirkungen wie Verlustgefahren in sich bergen. Es stammt aus dem altitalienischen Wort „risco“ ab, dass in der Seeschifffahrt so viel wie „Klippe“ bedeutete. Das Gegenstück zu Risiko ist Sicherheit.

Quelle: Wolfgang Gliebe, Persönliche Mitschrift vom 2020

Gemeinsam mit dem Wort Management, welches ebenfalls aus dem italienischen stammt und für handhaben steht, steht Risikomanagement für das Handhaben künftiger, nachteiliger Auswirkungen, wie z.B. das mögliche Auffahren auf eine Klippe.

Gerne wird Risikomanagement um Chancen erweitert. Damit wird Risiko zum wertneutralen Begriff. Nach Gliebe wäre es deshalb besser von Ereignismanagement zu sprechen. Jedes Ereignis kann positive oder negative Auswirkungen mit sich bringen.

Wie geht Risikomanagement?

Die ISO 9001:2015 macht es notwendig, dass Organisationen Maßnahmen planen und umsetzen, um Risiken und Chancen zu behandeln. Dazu muss aus Sicht des Qualitätsmanagements ein systematischer Risikomanagementprozess durchlaufen werden, der aus folgenden Prozessphasen besteht:

Risikomanagement-Prozess. Quelle: Fritz Führungskreise.
Risikomanagement-Prozess. Quelle: Fritz Führungskreise.
  1. Risiken identifizieren: Die für das Qualitätsmanagementsystem relevanten Geschäftsprozesse bestimmen.
  2. Risiken bewerten: Relevante Risiken und Chancen innerhalb der Geschäftsprozesse bestimmen und bewerten.
  3. Maßnahmen umsetzen: Maßnahmen planen und in die Prozesse integrieren (=Kontinuierlicher Verbesserungsprozess).
  4. Wirksamkeit messen: Schließlich muss man die Wirksamkeit der Maßnahmen messen.

Für die ersten Risikomanagementprozess-Phase „Risiken identifizieren“ lohnt sich ein Ausflug ins Tierreich.

Jörg Gamon

„Ich freue mich jedes Mal auf den Führungskreis Qualitätsmanagement, da einerseits neue Themen behandelt werden, andererseits aber auch alte und bekannte Themen aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und mit neuen Elementen verknüpft werden. Da die Themen immer einen Praxisbezug und einen konkreten Anlassfall haben, profitiert nicht nur der Fallgeber sondern auch gesamte Teilnehmerkreis. Daneben ist der Führungskreis immer eine Auflockerung des Arbeitsalltages und dient darüber hinaus zum Erfahrungsaustausch und zum Netzwerken. Was den Führungskreis spannend macht, ist die Tatsache, dass das Ergebnis des Workshops durchaus ein ganz anderes werden kann als erwartet. “

Jörg Gamon
Quality Manager Plant Fussach and WACH Quality Assurance
Alpla Werke Alwin Lehner GmbH & Co KG

Turtle Diagramm für die Risikoidentifikation

Um die für das Qualitätsmanagement relevanten Geschäftsprozesse zu bestimmen und analysieren hat sich das Turtle Diagramm in der Praxis bewährt. Dazu erfasst und visualisiert man die wichtigsten Prozessmerkmale entlang folgender Leitfragen:

Risikomanagement: Turtle Diagramm.
Risikomanagement: Turtle Diagramm.

Auf Basis des Turtle Diagramms ist es ein Kinderspiel nach den bestehenden Risiken des jeweiligen Prozesses zu fragen. Im nächsten Schritt bewertet man die gesammelten Risiken.

Risken bewerten mit Beispiel

Im Rahmen meiner Diplomarbeit habe ich ein Risikomanagement-Tool entwickelt, welches als Excel-Datei kostenlos zum Download bereitsteht (aufs Bild klicken). Dieses Tool schafft die Grundlage, um Risiken nach einem einheitlichen System zu bewerten:

Risikomanagement-Tool nach Dr. Patrick Fritz. Quelle: Fritz Führungskreise.
Risikomanagement-Tool nach Dr. Patrick Fritz. Quelle: Fritz Führungskreise.

Zur Bestimmung relevanter Risiken wird eine Art Checkliste vorgegeben, die beliebig erweitert werden kann. Die Bewertung der identifizierten Risiken erfolgt durch Multiplikation von Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe: Ausmaß x Häufigkeit.

Siehe dazu auch den Fritz Tipp Risikoanalyse im Projekt mit Methode. Im oben dargestellten Tool habe ich die Berechnung um eine subjektive Gewichtung erweitert: Bewertung x Gewichtung. Das kann man machen, das muss man nicht machen! Mehr dazu in folgendem Video:

Wie gehe ich mit den bewerteten Risiken um?

Im Umgang mit Risiken gibt es grundsätzlich vier Strategien, die je nach Höhe des Risikos zur Anwendung kommen:

  1. Vermeiden: bei besonders schwerwiegenden Risiken kann es sinnvoll sein, diese zu vermeiden.
  2. Reduzieren: entweder kann ich versuchen die Eintrittswahrscheinlichkeit oder die Auswirkung zu reduzieren.
  3. Verlagern: eine Möglichkeit, um ein Risiko zu verlagern, könnte eine Versicherung sein.
  4. Akzeptieren: bei Risiken, die den wirtschaftlichen Erfolg nicht wirklich beeinflussen, kann akzeptieren eine durchaus sinnvolle Strategie sein.

Bei identifizierten Risiken mit niedriger Bewertung werde ich zum Akzeptieren tendieren. Bei hoher Bewertung eher zum Vermeiden und Geld für die Risikovorsorge in die Hand nehmen.

Wie bringe ich Risiken zum Leben?

In vielen Unternehmen sind Risiken und Chancen eine administrative Pflicht, die durch diverse Normen vorgegeben ist. Vielleicht ist die Redundanz mit ein Grund dafür, dass dieses an sich nützliche Instrument, stiefmütterlich behandelt wird und nur fürs Audit auf Vordermann gebracht wird. Die drei folgenden Tipps haben sich in der Praxis bewährt, um Risikomanagement (wieder) zum Leben zu erwecken:

  1. Geld: Man sollte Risiken immer monetär bewerten. Dann kann im Reporting der Qualitätskennzahlen eine potenzielle Gewinnreduktion ausgewiesen werden. Dadurch ist die Aufmerksamkeit des Managements garantiert.
  2. Strategie: Man sollte das Risikomanagement nach oben hin in die Strategiearbeit integrieren, zum Beispiel durch eine systematische SWOT-Analyse. Dadurch kann man sich zum einen Arbeit sparen, zum anderen Aufmerksamkeit für das Thema gewonnen werden.
  3. Aufgaben: Nach unten hin sollte das Risikomanagement mit einem Aufgaben-Tool verknüpft sein. Nur wenn konkrete Maßnahmen abgeleitet werden, die auch nachverfolgt werden, hat Risikomanagement eine Überlebenschance.

„Im Führungskreis Personal werden in sehr direktem, offenem und positivem Austausch die aktuellen Anliegen der teilnehmenden Betriebe bearbeitet. Für mich ist die Art wie Patrick die Gruppe nutzt, das aktuelle Thema aufzubereiten, besonders wertvoll. Als Moderator springt er an den richtigen Stellen ein und schafft es überraschende, lehrreiche und wertvolle Ergebnisse herauszuarbeiten. Begleitend sind immer spannende Referenten mit dabei, die sehr aktuelle Inputs auf höchstem Niveau mitgeben. Auf die Termine möchte ich nicht verzichten! “

Felix Stecher
Personalleiter
Rondo Ganahl Aktiengesellschaft

Fazit: Risikomanagement

Die Beschäftigung mit Risiken wird gerne auf das Qualitätsmanagement abgewälzt. Sollen die sich doch um diese lästige Aufgabe kümmern. Gleichzeitig erwarten wir von einem erfahrenen Steuermann, das er vor jeder Fahrt die beste Route mit den geringsten Risiken auswählt. Schließlich möchte niemand freiwillig auf die nächste Klippe auffahren. In diesem Sinne gehört der sorgsame Umgang mit Risiken zur Pflichtaufgabe einer jeden Führungskraft.

Dr. Patrick Fritz

Dr. Patrick Fritz

FAQ zu Risikomanagement

Was ist Risikomanagement?

Risikomanagement umfasst die Identifikation, Bewertung und Bewältigung künftiger Ereignisse, die nachteilige Auswirkungen haben können

Warum ist Risikomanagement wichtig?

Risikomanagement schafft eine strukturierte Vorgehensweise, um systematisch mit Unsicherheiten umzugehen.

Wie geht Risikomanagement?

Der Risikomanagementprozess besteht aus: Bestimmung relevanter Geschäftsprozesse, Identifikation und Bewertung von Risiken und Chancen, Planung von Maßnahmen, Integration in Prozesse und regelmäßige Wirksamkeitsmessung.

Welche Werkzeuge werden für das Risikomanagement verwendet?

Turtle Diagramme zur Prozessanalyse und Risikomanagement-Tools, wie das von Dr. Patrick Fritz entwickelte Excel-Tool, unterstützen bei der Identifikation, Bewertung und Handhabung von Risiken.

Wie kann ich Risiken bewerten?

Risiken werden durch die Multiplikation von Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe bewertet. Eine subjektive Gewichtung kann die Berechnung ergänzen.

Welche Strategien gibt es im Umgang mit Risiken

Vermeiden, Reduzieren, Verlagern und Akzeptieren sind grundlegende Strategien. Die Wahl hängt von der Höhe des Risikos ab.

Wie bringe ich Risikomanagement im Unternehmen zum Leben?

Monetäre Bewertung, Integration in die Strategiearbeit und Verknüpfung mit Aufgaben-Tools helfen, Risikomanagement praxisnah zu gestalten.

Warum ist monetäre Bewertung von Risiken wichtig?

Die monetäre Bewertung ermöglicht die Darstellung potenzieller Gewinnreduktionen im Reporting der Qualitätskennzahlen und zieht die Aufmerksamkeit des Managements auf sich.

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