Wissensmanagement nach Klaus North

gepostet am 21. Juni 2022
aktualisiert am 19. Juni 2024

„Wissensmanagement ist tot“, damit eröffnete Referent Jörg Dirbach seinen Impulsvortrag im Rahmen des Führungskreis Softwareentwicklung. Was hinter der provokanten Einschätzung des renommierten Experten steckt und wie du trotzdem das Beste aus Wissensmanagement machst, zeige ich dir in diesem Fritz Tipp.

Inhalt

Wissenstreppe nach North

Prof. Dr. Klaus North beschreibt mit der Wissenstreppe wie auf Basis von Zeichen, Daten und Informationen Wissen entsteht:

Wissenstreppe nach Klaus North (Wissensmanagement) Quelle: Prof. Dr. Klaus North.
Wissenstreppe nach Klaus North (Wissensmanagement) Quelle: Prof. Dr. Klaus North.

Die Wissenstreppe zeigt, warum Experte Dirbach klassisches Wissensmanagement per Wissensdatenbank für gescheitert erklärt. In einer Datenbank sind Daten und kein Wissen. Das Gehirn ist keine Datenbank.

Wissen ist ein Prozess der individuellen Aneignung von Informationen. Wissen ist also immer an einer Person gebunden und damit gerechtfertigter wahrer Glaube. Zur Vertiefung empfehle ich an dieser Stelle folgendes Video:

Datenmanagement vs Wissensmanagement

North folgend sollten wir von Informations- oder Datenmanagement sprechen, wenn wir eine Datenbank als vermeintliche Lösung im Sinn haben. In folgendem Video erklärt Philipp Schmid vom CSEM, wie Unternehmen ihre Daten sinnvoll nutzen können und welche Fehler dabei häufig gemacht werden.

Wenn wir KEINE Datenbank als Lösung im Sinn haben, sondern Wissensmanagement, macht es Sinn bei der Definition von Wissensmanagement zu beginnen.

Wissensmanagement Definition

Strategisches Wissensmanagement meint die Wissenstreppe von oben nach unten zu gehen. Welche Kompetenzen müssen wir aufbauen, um einzigartig am Markt zu sein?

Operatives Wissensmanagement meint die Wissenstreppe von unten nach oben zu gehen. Im Vordergrund steht die Frage: Wie wird individuelles in kollektives Wissen übertragen?

Quelle: Persönliche Mitschrift beim Video-Seminar von Prof. Dr. Klaus North

Bei der Übertragung von individuellem in kollektives Wissen, sind wir beim Kern von Wissensmanagement angelangt, dem Wissenstransfer. Auch wenn es Wissenstransfer im strengen Sinne nicht gibt, weil Wissen nicht übertragen werden kann, sondern im Kopf des Empfängers entsteht, liefert das Dreyfus Modell eine erste gute Orientierung.

„In den letzten Jahren habe ich immer wieder neue Impulse aus den gemeinsamen Sessions im Führungskreis Softwareentwicklung gewonnen, die ich mit meinem Personal in unserem Unternehmen weiterspinnen (weiterverfolgen) konnte und die schlussendlich zu der angestrebten kontinuierlichen Verbesserung unserer Abläufe und Arbeitsmethoden massgeblich beigetragen haben. “

Daniel Ledergerber
Director R&D Software Solutions
Ivoclar Vivadent AG

Dreyfus Model of Skill Akquisition

Das von Dirbach vorgestellte Dreyfus Model of Skill Akquisition unterscheidet zwischen 5 Stufen oder Reifegraden beim Erwerb von Kompetenzen: Anfänger, Kompetenter, Profi, Experte und Meister.

KompetenzstufeKompetenzerwerb
AnfängerBefolgt kontextfreie Regeln, Rezepte, Anleitungen und löst einfache Probleme.
KompetenterLöst sich von festen Regeln und beginnt komplizierte Probleme zu lösen, ggf. mit Unterstützung/ Coaching.
ProfiEntwickelt konzeptionelle Modelle des Problembereichs (big picture) und beginnt komplexe Probleme zu lösen, ggf. mit Unterstützung/ Coaching.
ExperteKann komplexe Probleme selbstständig lösen und sucht den Austausch mit ähnlich erfahrenen Personen.
MeisterArbeitet oft intuitiv, konzentriert sich auf relevante Details, ist sehr gut im
zielgerichteten Mustervergleich.
Dreyfus Model of Skill Akquisition.

Löffler nennt nennt den Meister auch gerne Könner. Können haben am Rande der Überforderungen erfolgreich geübt. Können muss man scheiternd an echten Problemen üben. Wenn es darum geht einzigartiges Können (Kompetenzen) im Unternehmen aufzubauen, stellt sich unweigerlich die Frage nach effizientem und effektiven Wissenstransfer, entlang der 5 Kompetenzstufen.

Wissenstransfer nach Dirbach

Für Experte Dirbach müssen drei Aspekte beachtet werden, damit Wissenstransfer nach Dreyfus erfolgreich sein kann. Wissenstransfer funktioniert optimal…

  1. Wenn Wissensträger und Wissensempfänger gemeinsam einer Problemstellung ausgesetzt sind.
  2. Wenn der Wissensträger dem Wissensempfänger je nach Kompetenzlevel erklärend hilft eine Lösung zu entwickeln (erklären und betreutes machen).
  3. Wenn der Unterschied im Kompetenzlevel zwischen Wissensträger und Wissensempfänger nicht zu gross sind.

Gerade den letzten Punkt erscheint mir besonders wichtig. Häufig erliegen wir der Annahme das nur der beste Experte als Wissensvermittler dienen sollte. Der beste Experte bzw. Meister seines Faches arbeitet oft intuitiv und hat Schwierigkeiten zu erklären, warum er es gerade so macht und nicht anders.

Deshalb braucht es eine Struktur der freiwilligen Kopplung von Könnern und fähigen Schülern, um das Können dauerhaft in der Firma zu kultivieren, so Löffler. Auf der anderen Seite braucht der Anfänger einen Grundlagenkurs in dem ihm Kochrezepte, Regeln, Anleitungen vermittelt werden.

Wenn diese Grundlagen einmal verstanden wurden, erfolgt der qualitativ hochwertigste Knowhow-Transfer nach wie vor beim gemeinsamen Arbeiten an Problemstellungen.

Tobias Schelling

„Haben wir alle dieselben Probleme? Nein. Haben wir dieselben Voraussetzungen? Nein. Haben wir dieselben Optionen? Nein. Und trotzdem schafft es der Führungskreis Softwareentwicklung immer wieder Denkanstöße und neue Perspektiven für alle herauszuarbeiten. Ich gehe jedes Mal wieder mit neuen Ideen nach Hause. “

Tobias Schelling
Head of Software
Hilti Corporation

Wissensmanagement mit ChatGPT

Auch wenn Wissen nicht übertragen werden kann, sondern im Kopf des Empfängers entsteht, können technische Hilfsmittel hilfreich sein. In diesem Zusammenhang habe ich ChatGPT gefragt, wie es Wissensmanagement in Unternehmen unterstützen kann:

  1. Wissensmanagement-System: ChatGPT kann dabei helfen Fragen und Probleme der Mitarbeiter zu beantworten.
  2. Wissensmanagement-Training: ChatGPT kann Schulungsmaßnahmen unterstützen, z.B. bei der Einführung von Tools.
  3. Wissensmanagement-Analyse: ChatGPT kann Daten und Informationen sammeln und analysieren. Hier bin ich gespannt, ob es nicht ein weiterer Datenfriedhof wird.
  4. Prozessautomatisierung: Das gilt wohl für die zuvor genannten Punkte 1-3.
Wissensmanagement mit ChatGPT. Quelle: ChatGPT Abfrage vom 29. März 2023.
Wissensmanagement mit ChatGPT. Quelle: ChatGPT Abfrage vom 29. März 2023.

Fazit – Best of Wissensmanagement

Wissen ist das wichtigste Fundament für den langfristigen Erfolg innovativer Unternehmen.  „Wissensmanagement ist tot“, diese Feststellung ist richtig, wenn damit der Versuch gemeint ist Wissen zu explizieren und konservieren.

Die Aussage ist hingegen falsch, wenn es darum geht Wissen immer wieder von neuem im Kopf des Empfängers entstehen zu lassen. Dies gelingt je nach Kompetenzlevel am besten durch gemeinsames Problemlösen mit erfahrenen Kolleginnen.

Dr. Patrick Fritz

Dr. Patrick Fritz

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