Wie kann Mitarbeiterverhalten beeinflusst werden?

In Abgrenzung zu Management, handelt es sich bei Führung im eigentlichen Sinn um die bewusste Verhaltensbeeinflussung anderer Personen, um definierte Ziele zu erreichen (mehr dazu im Beitrag “Leadership vs. Management“). Es geht NIEMALS um Verhaltensbeeinflussung als Selbstzweck – im Sinne einer Manipulation – sondern darum Verhalten auf Unternehmensziele auszurichten. Doch wenn wir einmal genau hinschauen stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten hat eine Führungskraft überhaupt, um das Verhalten von Mitarbeitern zu beeinflussen.

Verhaltensbeeinflussung durch Führungskraft

Grundsätzlich gibt es drei Ansatzpunkte, wie eine Führungskraft das Verhalten von Mitarbeitern beeinflussen kann: Das eigene Verhalten, Einsicht und Konsequenz. Darüber hinaus gibt es äußere Faktoren, wie z.B. das soziale Umfeld des Mitarbeiters, das nicht von der Führungskraft beeinflussbar sind.

FRITZ Verhaltensbeeinflussung durch Führungskraft

Die einzelnen Ansatzpunkte sollen am Beispiel Schule erläutert werden. Welche Möglichkeiten hat ein Lehrer, seine Schüler zum Lernen zu bewegen? Ich wähle dieses Beispiel bewusst, weil jeder von uns einmal in der Schule war und die Ansatzpunkte somit leicht nachvollziehbar sind – auch für Nicht-Führungskräfte.

1. Einsicht

Zunächst kann der Lehrer versuchen dem Kind zu erklären, warum es wichtig ist zu lernen. Nicht umsonst kennt jeder von uns den Spruch, man lernt fürs Leben und nicht für die Schule. An Fachhochschulen lernt man für den Beruf, nicht für die Schule. Offensichtlich ein Mittel das viele Lehrer seit Jahrhunderten anwenden. Der Lehrer versuch durch das Gespräch Einsicht oder Verständnis beim Schüler zu erzeugen. Je nach Literatur, wird diesem Ansatzpunkt der größte aber auch der kleinste Nutzen zugeschrieben.

2. Verhalten

Wenn der Lehrer mit gutem Vorbild vorangeht und Lust am gemeinsamen Lernen zeigt, wird das natürlich einen Einfluss auf das Verhalten der Schüler haben. Es geht aber auch darum, wie der Lehrer auf gewolltes und ungewolltes Verhalten reagiert. Jeder von uns kann sich noch erinnern, was ein Lob des Lehrers vor versammelter Klasse für das eigene Selbstbewusstsein bedeutet hat. Ebenso wie Tadel, wenn das eigene Verhalten nicht gepasst hat. Berner spricht in diesem Zusammenhang auch von der “Macht der Missbilligung“. Lehrerverhalten beeinflusst Schülerverhalten. Führungsverhalten beeinflusst Mitarbeiterverhalten.

3. Konsequenz

Hilft weder gut zureden noch vorbildliches Verhalten, braucht es schlussendlich Konsequenzen. Das System Schule hat an dieser Stelle eine ganze Sammlung an Maßnahmen entwickelt, die wohl bekannt sind: Eintrag ins Klassenbuch, blauer Brief, Noten für Prüfungen und Klassenarbeiten, Zwischenzeugnis, Endzeugnis usw. Und im schlimmsten Fall den Ausschluss aus der Klassengemeinschaft – genannt “sitzen bleiben”.

Verhaltensbeeinflussung durch Unternehmen

Nach einem Seminar mit Winfried Berner zum Thema Kulturveränderung ist mir aufgefallen, dass ich bisher eine wichtige Perspektive vergessen habe. Nicht nur die Führungskraft beeinflusst das Mitarbeiterverhalten, sondern auch das System Unternehmen. Man könnte auch von einer Beobachtung zweiter Ordnung sprechen. Was kann also das Unternehmen tun, um Mitarbeiterverhalten zu beeinflussen?

Grundsätzlich gibt es in diesem Fall vier Ansatzpunkte, wie ein Unternehmen das Verhalten seiner Mitarbeiter beeinflussen kann: Das Verhalten des direkten Vorgesetzten, Ziel-, Controlling- und Beurteilungs-Systeme, Rahmenbedingungen des Handelns und Einsicht in geschäftliche Notwendigkeiten. Darüber hinaus gibt es nach wie vor äußere Faktoren, wie z.B. das soziale Umfeld des Mitarbeiters, das vom Unternehmen nicht beeinflussbar ist.

FRITZ Verhaltensbeeinflussung Unternehmen

1. Das Verhalten des direkten Vorgesetzten

Nach wie vor gilt – Führungsverhalten beeinflusst Mitarbeiterverhalten. Aus Unternehmenssicht kann ich mir nun überlegen, wie ich Führungsverhalten beeinflussen kann. Zum einen durch die gezielte Auswahl der richtigen Führungskräfte – sowohl bei der Anstellung neuer Führungskräfte (Recruiting), als auch bei der internen Beförderung zur Führungskraft. Zum anderen durch die gezielte Weiterentwicklung meiner bereits vorhandenen Führungskräfte. Somit sind wir bei jeder Verhaltensänderung unausweichlich bei der Führungskräfteentwicklung angelangt und Themen wie Führungsgrundsätze, Führungsleitbild oder Führungskultur werden wichtig.

2. Ziel-, Controlling- und Beurteilungs-Systeme

Das sind die Instrumente, die das Unternehmen den eigenen Führungskräften mit an die Hand gibt, um Verhalten von Mitarbeitern beeinflussen zu können. So wie der Handwerker vom Unternehmen einen Schraubenschlüssel bekommt, bekommen Führungskräfte mehr oder weniger gute Führungsinstrumente an die Hand: Mitarbeiterbeurteilung, Zielvereinbarung (MbO), Mitarbeiterbefragung, variable Vergütung usw. In manchen Unternehmen wird fast nur noch “controlled”, in anderen Unternehmen ist selbst Führen nach Zielen in Verruf geraten. So oder so – diese Instrumente können die Ziele von Mitarbeitern und damit deren Verhalten definitiv beeinflussen. Wer will die vereinbarten Ziele schließlich nicht erreichen und ggf. auf Bonis verzichten?

3. Rahmenbedingungen des Handelns

Rahmenbedingungen kann man sich am besten anhand der Klassiker wie Strukturen, Prozesse und Systeme vorstellen. Wie kann ich also Strukturen, Prozesse und Systeme anpassen, um damit gewünschtes Verhalten zu ermöglichen? Jede Führungskraft ist sich bewusst wie schnell sich das Mitarbeiterverhalten durch einen Eingriff in die Aufbaustruktur bzw. in das Organigramm beeinflussen lässt. Prozesse, die bestenfalls noch durch IT-Systeme einbetoniert werden, können Verhalten ebenso gut ändern – zum Guten wie zum Schlechten.

4. Einsicht in geschäftliche Notwendigkeiten

Auf einer übergeordneten Ebene kann es Einsicht in die geschäftlichen oder sogar gesellschaftlichen Notwendigkeiten geben. Wenn ein berechtigter Sparkurs ausgerufen wird, werden sich viele Mitarbeiter sparsamer verhalten als zuvor, weil es ums geschäftliche Überleben geht. Wenn die große Internationalisierung ausgerufen wird, werden die Bemühungen um Kunden aus Fernost vermutlich stärker werden, als sie es zuvor waren. Die politische Parole “America First”, könnte Mitarbeiter und damit ganze Unternehmen dahingehend beeinflussen lieber einen Lieferanten im Inland zu suchen.

Fazit – Verhaltensbeeinflussung

Das Verhalten von Mitarbeitern kann auf zwei Ebenen beeinflusst werden. Zum einen auf der Ebene Führungskraft zu Mitarbeiter durch das eigene Verhalten, Einsicht und Konsequenzen. Zum anderen auf der Ebene Unternehmen zu Mitarbeiter durch Auswahl und Entwicklung der Führungskräfte, Ziel-, Controlling- und Beurteilungs-Systeme, Rahmenbedingungen des Handelns und Einsicht in geschäftliche Notwendigkeiten. Dabei dürfen äußere Faktoren, wie z.B. das soziale Umfeld niemals vergessen werden. Manchmal hilft die beste Führung nichts, wenn der Fehler bereits bei der Mitarbeiterauswahl begonnen hat.

Patrick FRITZ

Dr. Patrick Fritz

Getagged mit: , ,

Kommentar verfassen