Systemische Fragen als Führungsinstrument

gepostet am 1. März 2016
aktualisiert am 21. Juni 2024

Dr. Marianne Grobner rät Führungskräften in einem Standard-Gastkommentar, systemische Fragen zu stellen, statt zu kommandieren. Im Gegensatz zu „Führen durch Sagen“ soll dadurch eine Vertrauens- und Zutrauenskultur aufgebaut werden. In diesem Fritz Tipp dreht sich alles um systemische Fragen als Führungsinstrument.

Inhalt

Systemische Fragen als Leitfaden

Systemische Fragen sind ein äußerst wirkungsvolles Führungsinstrument, wie auch Dr. Gerhard Klocker unterstreicht. Doch welche Fragen soll die gewillte Führungskraft dem Mitarbeiter stellen? Schließlich soll die Sache doch nicht aufgesetzt sein und noch schlimmer, ohne Wirkung bleiben.

Bei der Vorbereitung und Durchführung von Führungskreisen dienen mir systemische Fragen, um Probleme besser beschreiben zu können. Der Gesprächspartner kann dabei unterschiedliche Perspektiven einnehmen und mögliche Lösungswege erkennen.

Systemische Fragen nach Tiefe

Zur Strukturierung meiner Interviews verwende ich die Stufenleiter nach Fischer-Epe, die ich bei Schulz von Thun gefunden habe. Vereinfacht gesagt geht es darum, dem Problem immer näher zu kommen. Von der abstrakten Beschreibung des Problems, bis hin zu meinen eigenen Gefühlen.

Abstrakt – Ich-fern

Konkret – Ich-fern – Blick nach außen

Systemische Fragen. Quelle: Schulz von Thun, Praxisberatung in Gruppen, S. 56
Systemische Fragen. Quelle: Schulz von Thun, Praxisberatung in Gruppen, S. 56

Konkret – Per Ich – Blick nach Innen

Gefühle im “Hier und Jetzt”

Sandra Karaviotis

„Patrick Fritz habe ich als starken und verlässlichen Partner erlebt und möchte ihn wie folgt beschreiben: konstruktiv, innovativ, querdenkend, hinterfragend und lösungsorientiert. Er bringt in den Führungskreisen immer einen guten Mix erprobter Modelle aus Theorie und Praxis ein. Dabei wird weit über die konkreten Fall- und Diskussionsbeispiele, die neuesten Entwicklungstrends auf eine sehr angenehme Art und Weise vermittelt. “

Sandra Karaviotis
Leitung HR
Ölz Meisterbäcker GmbH & Co KG

Systemische Fragen nach Zeit

Eine alternative Möglichkeit das Interview zu strukturieren, die ich bei Moderatio kennengelernt habe, besteht darin, die Fragen auf dem Zeitstrahl zu sortieren. Die Fragen bleiben mehr oder weniger dieselben, die Reihenfolge ändert sich jedoch. Je nach Kontext des Interviews kann es Sinn machen nach Tiefe oder Zeit vorzugehen.

Vergangenheit

Aktuell

Systemische Fragen. Quelle: Fritz Führungskreise.
Systemische Fragen. Quelle: Fritz Führungskreise.

Zukunft

System

Aktives Fragen und Zuhören nach Schein

Altmeister Schein unterscheidet zwischen den drei Frageebenen Tatsachenfragen, diagnostische und konfrontative Fragen. Viele der folgenden Beispiele fallen für mich auch in die Kategorie systemischer Fragen, weil sie durchaus zum Perspektivenwechsel einladen.

Reine Tatsachenfragen

Reine Tatsachenfragen haben ausschließlich die Geschichte des Klienten zum Gegenstand.

Explorative diagnostische Fragen

Explorative diagnostische Fragen zielen auf Gefühle und Ursachen ab.

Konfrontative Fragen

Bei konfrontativen Fragen kommen die Ansichten der Führungskraft zum Tragen.

Schein unterstreicht die Wichtigkeit von konkreten Beispielen, da viele Probleme auf einer so abstrakten Ebene angesiedelt sind, dass der Berater leicht seine eigenen Hypothesen über die Abläufe auf die Geschichte projiziert. Gerade in diesem Fall ist die wichtigste Intervention, nichts zu sagen und das Geschehen weiter zu beobachten, ruhig zu bleiben und aktiv zuzuhören.

Zirkuläres Fragen nach Fritz B. Simon

Simon verwendet zirkuläre Fragen im Rahmen der systemischen Therapie. Mit ein wenig Übersetzungsarbeit, sind durchaus Ideen für den Führungsalltag mit dabei:

Kontextklärung

Zieldefinition

Maßnahmen

Was ist systemisches Coaching? Quelle: Fritz Führungskreise.
Was ist systemisches Coaching? Quelle: Fritz Führungskreise.

Einflussmöglichkeiten

Hypothesen

Zeitperspektiven und Abschluss

Fazit – Systemische Fragen

„Wer fragt der führt“ ist ein geläufiger Spruch – warum ist dem so? Systemische Fragen haben den Charakter von Interventionen. Sie lösen Suchprozesse aus und stellen Wirklichkeitskonstruktionen in Frage. Ist es wirklich so, wie ich bisher darüber gedacht habe? Systemische Fragen sind also immer auch Einladungen zum Perspektivenwechsel und damit eine Intervention.

In diesem Sinne möchte ich interessierten Führungskräften mit angeführten systemischen Fragen ein Führungsinstrument an die Hand geben, um „Führen durch Fragen“ zu ermöglichen. Ich bitte euch per Kommentar, eure beliebtesten Fragen zu ergänzen.

Dr. Patrick Fritz

Dr. Patrick Fritz

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2 Antworten zu “Systemische Fragen als Führungsinstrument”

  1. Marcel sagt:

    Hallo Herr Fritz,

    eine schöne Aufstellung mit praktischen Fragen für die Praxis im Alltag.
    In diesem Artikel finden Sie einige weitere Beispiele zu den verschiedenen systemischen Fragetechniken.
    Ich denke er könnte interessant für Sie und Ihre Leser sein:

    https://clevermemo.com/blog/systemische-fragen/

    Viele Grüße und angenehme Feiertage

    • Patrick Fritz sagt:

      Hallo Marcel,

      vielen lieben Dank für deine Ergänzung. Besonders gut gefällt mir aus deiner Sammlung:

      1. Wie würde Ihr Kollege diese Situation einschätzen?
      2. Was würden Sie tun, wenn Sie ganz allein eine Entscheidung herbeiführen könnten?
      3. Wodurch könnten Sie das Projekt endgültig zum scheitern bringen?
      4. Welche ähnlichen Herausforderung haben Sie in der Vergangenheit bereits bewältigt? Und wie?

      Der Blick auf deine Seite hats ich für mich gelohnt!

      Beste Grüße
      Patrick

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