Selbstwirksamkeit nach Albert Bandura

gepostet am 26. Januar 2021
aktualisiert am 21. Juni 2024

Ein aufmerksamer Leser der hat mich gebeten, meine Gedanken zur Selbstwirksamkeit von Beratung auf Führung zu übertragen. Das mache ich in diesem Fritz Tipp sehr gerne und führt mich zur Frage, wie kann ich meine Wirksamkeit in der eigenen Führungsarbeit fördern und damit zum kanadischen Psychologen Albert Bandura.

Inhalt

Was ist Selbstwirksamkeit nach Bandura?

Selbstwirksamkeit Definition

Selbstwirksamkeit, das Vertrauen in die eigene Tüchtigkeit, wurde als Konzept bereits 1986 vom kanadischen Psychologen Albert Bandura entwickelt. Im Kern geht es um das persönliche Zutrauen in die eigenen Möglichkeiten und Kompetenzen durch positive Erfahrungen, selbst schwierige Aufgaben durch eigenes Handeln wirksam bewältigen zu können.

Quelle: Albert Bandura – Self-Efficacy: The Exercise of Control

Banduras zeigt, dass Menschen meistens nur dann eine Handlung beginnen, wenn sie überzeugt sind, dass sie diese Handlung auch erfolgreich ausführen können. Er spricht von Selbstwirksamkeitsüberzeugung oder Selbstwirksamkeitserwartung. Selbstwirksamkeit kann durch Erfolgserlebnisse, Vorbilder, Umfeld und Interpretation von Emotionen gefördert werden, wie Bandura im folgenden Video selbst erklärt:

Selbstwirksamkeit am Beispiel Schule

Nach Precht ist schulischer Erfolg in doppelter Hinsicht selbst definiert. Zum einen bestimmt der Schüler selbst, ob ein Ziel für ihn einen hohen Wert hat oder nicht. Roth folgend hängt das davon ab, ob der Schüler erfahren hat, wie befriedigend das Erreichen von langfristigen und schwer zu erreichenden Zielen ist (liking-System vs wanting-System). Zum Beispiel die Verbesserung einer Mathe-Note oder ein Durchschnitt von 1,0.

Zum anderen hängt der schulische Erfolg wesentlich davon ab, ob sich der Schüler selbst eine bestimmte Verbesserung zutraut oder nicht. Bandura folgend, wird der Schüler das erstrebenswerte Ziel nur verfolgen, wenn er überzeugt ist das dieses Vorhaben auch von Erfolg gekrönt sein wird (Selbstwirksamkeitserwartung). Das ist alles gut und richtig, aber was bedeutet das nun für die Wirksamkeit in der eigenen Führungsarbeit?

Marc Bachmann

„Pragmatisch, hohes Niveau, interessante und anspruchsvolle Teilnehmer. Starker Praxisbezug und kurze auflockernde Theorie-Inputs ergänzen sich optimal. Ich erlebe dies als wertvolle Erweiterung meiner Handlungskompetenz. Der Führungskreis Essentials ist ein Muss für jeden Macher, der sein Wissen praxisorientiert weiterentwickeln und karrierebezogen vertiefen möchte. “

Marc Bachmann
Chief Executive Officer
Bioengineering AG

Selbstwirksamkeit am Beispiel Führung

Die schwierige Aufgabe die Führungskräfte bewältigen dürfen, ist die der Führung. Führung ist die bewusste Verhaltensbeeinflussung anderer Personen, um definierte Ziele zu erreichen. Für Führungskräfte gibt es drei Möglichkeiten um wirksam-er zu führen:

Selbstwirksamkeit - Vorbild

1. Vorbild: Um mehr Erfolgserlebnisse im Führungsalltag zu haben (und damit meine Selbstwirksamkeit zu fördern), kann ich versuchen ein besseres Vorbild zu sein. Mich selbst besser daranhalten, was ich predige. Sutter spricht von konditionaler Kooperation.

FRITZ - Selbstwirksamkeit - Einsicht

2. Einsicht: Des Weiteren kann ich versuchen bessere, überzeugendere Gespräche zu führen, um meine Mitarbeiter auf das gemeinsame Ziel auszurichten. Damit ihnen sprichwörtlich öfter ein Licht aufgeht. Je nach Literatur, wird diesem Ansatzpunkt der größte aber auch der kleinste Nutzen zugeschrieben.

FRITZ - Selbstwirksamkeit - Konsequenz

3. Konsequenz: Schlussendlich kann ich konsequenter bei der Umsetzung von Maßnahmen sein, wenn das Verhalten nicht passt. Klare Regeln und klare Strafen bei Verletzung der vereinbarten Regeln. Häusel erklärt dies mit der angeborenen Neigung dazu, emotional negative Konsequenzen zu minimieren.

Die Perspektive der Systemtheorie

Nach Luhmann bestehen soziale Systeme aus Kommunikation, nicht aus Menschen. Im Sinn eines Sowohl-Als-Auch Denkens, besteht ein weiterer Hebel zur Steigerung der Selbstwirksamkeit über die Beeinflussung der entscheidbaren Entscheidungsprämissen bzw. Spielregeln der sozialen Interaktion. Genau dahin geht der Trend, wenn wir von Agilität, New Work & Co sprechen. Was ist damit in Bezug auf die Selbstwirksamkeit für Führungskräfte gemeint:

FRITZ - Selbstwirksamkeit - Ziele

4. Ziele: Ich kann Ziele besser formulieren. Fall es kein Problem der Formulierung ist, sondern der Akzeptanz, können die Ziele gemeinsam im Team erarbeitet werden. Manchmal nennen wir diesen Aushandlungsprozess Strategie. Auch eine Verknüpfung mit Controlling- und Beurteilungssystemen ist denkbar.

FRITZ - Selbstwirksamkeit - Team

5. Team: Habe ich die richtigen Leute im Team? Der alte Spruch, eine Führungskraft hat genau die Mitarbeiter, die er/sie sich verdient hat, kommt nicht von ungefähr. Eventuell muss ein Mitspieler ersetzt werden. Eventuell müssen die Rollen klarer definiert werden, um besser zu klären welche Personen welche Stellen besetzen können.

FRITZ - Selbstwirksamkeit - Feedback

6. Feedback: Wie kann ich einen Feedback-Loop von internen oder externen Kunden ins Team sicherstellen? Es geht nicht um die Befindlichkeit der Führungskraft, sondern um Kundenzufriedenheit. Die jährliche Kundenumfrage wird sicherlich nicht reichen. Besser ist eine sorgfältige Prüfung des aktuellen Organisationsdesigns. Wer muss mit wem sprechen?

FRITZ - Selbstwirksamkeit - Ressourcen

7. Ressourcen: Warum sollen Ressourcen wie Zeit, Termin, Geld, usw. ein Geheimnis sein? Im besten Fall gibt der Kunde direkt vor, bis wann etwas erledigt sein muss und wieviel es kosten darf.

Bei den Optionen 4-7 gehe ich weniger direkt in die Führung, sondern baue Banden in Form von Kommunikations-Strukturen. Ich führe nicht Mitarbeiter im 1:1, sondern die Rahmenbedingungen des Handelns, um die Wirksamkeit in der eigenen Führungsarbeit zu erhöhen.

Fazit – Albert Bandura

Wie wichtig die Interpretation der eigenen Emotionen und damit die Bildung der Selbstwirksamkeitserwartung ist, erkannte Spinoza bereits zwischen 1632-1677: „Was einmal eine negative Erfahrung ausgelöst hat, wir lange damit verbunden – und umgekehrt. Auf diese Weise (..) bilde ich mir Urteile über (..) die Menschheit (..), Bevölkerungsgruppen, Religionen, über Politik und über den Staat.“

Führungskräfte können ihre Selbstwirksamkeit klassisch durch Vorbild, Einsicht und Konsequenz steigern. Zusätzlich zur psychologischen Ebene kann im sozialen System interveniert werden, über Ziele, Team, Feedback und Ressourcen. Je nach Situation lohnt sich ein Blick in diesen Werkzeugkasten, um neue Optionen zur Steigerung der Selbstwirksamkeit auszuprobieren.

Dr. Patrick Fritz

Dr. Patrick Fritz

albert bandura albert bandura selbstwirksamkeit bandura bandura selbstwirksamkeit bandura selbstwirksamkeitserwartung bandura selbstwirksamkeitstheorie definition selbstwirksamkeit förderung der selbstwirksamkeit konzept der selbstwirksamkeit konzept der selbstwirksamkeit bandura Selbstwirksamkeit selbstwirksamkeit albert bandura selbstwirksamkeit bandura selbstwirksamkeit bandura beispiel selbstwirksamkeit bandura definition selbstwirksamkeit definition selbstwirksamkeit definition bandura selbstwirksamkeit fördern selbstwirksamkeit modell selbstwirksamkeit nach bandura selbstwirksamkeitserwartung selbstwirksamkeitserwartung bandura selbstwirksamkeitserwartung definition selbstwirksamkeitserwartung steigern selbstwirksamkeitstheorie selbstwirksamkeitstheorie bandura was ist selbstwirksamkeit wirksamkeit in der eigenen führungsarbeit wirksamkeit in der führung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Auf der Suche nach frischen Ideen für Ihre Führungsarbeit? Mit unserem Newsletter bekommen Sie einen Tipp pro Monat. Wohl dosiert, verständlich und übersichtlich.