Effectuation nach Michael Faschingbauer
Was können wir von erfahrenen Unternehmern lernen, und was machen sie anders? Effectuation heißt das Zauberwort. Wie das funktioniert, hat uns Michael Faschingbauer auf Einladung von Fritz Führungskreise eindrucksvoll und lebendig vermittelt. In diesem Fritz Tipp habe ich für euch die wichtigsten Punkte seines Vortrages zusammengefasst.
Inhalt
Was ist Effectuation?
Die Kognitionswissenschaftlerin Saras Sarasvathy prägte den Begriff „Effectuation“ (von lat. effectus = Wirksamkeit) als Fachbegriff für eine Logik unternehmerischen Denkens und Handelns. Diese Logik basiert auf vier Prinzipien: Auf Vorhandenes setzen, am leistbaren Verlust orientieren, Zufall nutzen und Partnerschaften schließen.
Mittelorientierung anstatt Zielorientierung
Erfahrene Unternehmer beginnen immer bei den verfügbaren Mitteln und fragen sich: „Wer bin ich, was weiß ich und wen kenne ich?“ anstatt Ziele zu setzen, obwohl die Situation volatil, mehrdeutig und ungewiss ist.

Leistbarer Verlust anstatt erwarteten Ertrags
Unternehmer orientieren sich am leistbaren Verlust und überlegen, was man für ein Vorhaben aufs Spiel setzen möchte. Der erwartete Ertrag lässt sich in ungewissen Situationen ohnehin nicht abschätzen und ist Glaskugelleserei.


„In unserem Führungskreis Essentials erlebe ich Achtsamkeit, Verbundenheit und Wahrhaftigkeit. Es ist eine Freude und Inspiration, die ich durch die Diversität der Gruppe und externen Impulse erfahren darf. All unser Zusammensein ist voll von Erlebnissen, welche mich persönlich in Erkenntnisse sowie zu Ergebnissen führt und damit großes Lernen darstellt. Ich bin dankbar, dass mich mein Weg zu Fritz Führungskreise geleitet hat. “
Zufall nutzen anstatt Risikomanagement
Für Vorhaben, die sich schlecht planen lassen, spielt der Zufall eine wichtige Rolle. Er hilft dabei, unternehmerische Gelegenheiten zu erzeugen. Management betrachtet den Zufall jedoch als Störgröße, die durch Risikomanagement reduziert werden soll.

Partnerschaften schließen
Als Unternehmer fährt man besser damit, sein Vorhaben gemeinsam mit jenen zu entwickeln, die sich bereits früh beteiligen wolle, anstatt zu planen, wer die „richtigen“ Kunden, Partner, Lieferanten und Mitarbeiter sein könnten.

Wie funktioniert Effectuation?
Auf Basis der vier beschriebenen Prinzipien, ergibt sich folgender Prozess für unternehmerisches Denken und Handeln. Ein Handlungsimpuls führt zu der Frage „Was ist da?“ bzw. „Wer bin ich, was weiß ich und wen kenne ich?“ (=Mittelorientierung).
Anschließend geht es darum schnell ins Handeln zu kommen, unter Berücksichtigung des leistbaren Verlusts. Dann wird sich zeigen, wer bereit ist, früh mitzumachen. Auf dieser Basis können neue Vereinbarungen geschlossen werden, die zu neuen Mitteln und/oder Zielen führen.


„Sofort aufgefallen ist, dass wir, obwohl wir alle aus unterschiedlichen Branchen kommen, bei ähnlichen Themen gefordert sind. Der gegenseitige, sehr offene Austausch im Führungskreis Vertrieb und das Erkennen wie andere Teilnehmer mit diesen Herausforderungen umgehen, haben mir viele, direkt in der Praxis anwendbare Lösungsansätze aufgezeigt. “
Wann ist Effectuation sinnvoll?
An dieser Stelle kommt sehr schnell die Kritik, dass Effectuation doch nicht immer sinnvoll ist. Ja, die Kritiker haben Recht. Wenn die Aufgabe planbar ist, hat sich die zielorientierte Denkweise, genannt Management, bestens bewährt. Warum also etwas ändern?
Das laufende Geschäft lässt sich meist ausreichend gut planen. Aber gerade, wenn wir nicht mehr weiterwissen. Wenn die Dinge unklar sind. Dann spielen Ansätze wie Design Thinking, SCRUM und eben Effectuation ihre Stärke aus. Die folgende Abbildung bringt es sehr gut auf den Punkt.

Je höher die Ungewissheit, der Neuigkeitsgrad, der Bedarf an Abstimmung und Kommunikation, desto eher Effectuation & Co. Je höher der Wissensstand, je standardisierter die Aufgabe, desto eher Management & Co.
Fazit – Effectuation
Was ist unsere Erkenntnis und wie können wir Effectuation für uns umsetzen? Michael Faschingbauer lädt uns hierzu mit folgenden Schritten auf eine Schiffsreise ein: Zunächst abklären, was der Anlass zum Handeln ist.
Anschließend erkennen, welches Schnellboot gestartet werden kann. Und dann die Frage stellen, wen ich an Bord mitnehmen möchte. Die unternehmerischen Vereinbarungen stehen am Ende der Reise und am Anfang eines erfolgreichen Unternehmens.

Dr. Patrick Fritz
FAQ zu Effectuation
Effectuation ist die Logik unternehmerischen Denkens und Handelns. Die Kognitionswissenschaftlerin Saras Sarasvathy prägte den Begriff und definiert vier Prinzipien: Mittelorientierung, leistbarer Verlust, Nutzung des Zufalls und Partnerschaften.
Erfahrene Unternehmer starten mit der Mittelorientierung anstatt Zielorientierung. Sie fragen sich: Wer bin ich, was weiß ich und wen kenne ich und setzen auf Vorhandenes.
Unternehmer orientieren sich am leistbaren Verlust, da der erwartete Ertrag in ungewissen Situationen nicht abschätzbar ist. Es geht darum, Risiken zu minimieren und flexibel zu bleiben.
Für schwer planbare Projekte ist der Zufall ein wichtiger Faktor. Er unterstützt die Schaffung unternehmerischer Gelegenheiten.
Unternehmer entwickeln Projekte mit denen, die sich frühzeitig beteiligen wollen. Die Bildung von Partnerschaften ist entscheidend für den Erfolg und hilft, das Vorhaben gemeinsam zu gestalten.
Der Effectuation-Prozess beginnt mit einem Handlungsimpuls, gefolgt von der Mittelorientierung. Schnelles Handeln unter Berücksichtigung des leistbaren Verlusts führt zur Identifizierung von Mitstreitern. Neue Vereinbarungen entstehen, die zu neuen Mitteln und/oder Zielen führen.
Effectuation ist besonders sinnvoll bei hoher Ungewissheit. In klar planbaren Situationen hat die zielorientierte Denkweise des Managements Vorteile.