Dialektik nach Hegel einfach erklärt

gepostet am 4. Mai 2021
aktualisiert am 7. Juni 2024

In diesem Fritz Tipp erkläre ich dir das Konzept der Dialektik des weltberühmten Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel mit einem anschaulichen Beispiel. Während ich Hegel in 60 Minuten lese, kommt mir ständig die Horrorgeschichte „The Pit and the Pendulum“ von Edgar Allan Poe in den Sinn.

Inhalt

Die Grube und das Pendel

In der Kurzgeschichte wird die Hauptfigur zur Zeit der spanischen Inquisition zum Tode verurteilt und verliert daraufhin das Bewusstsein. Als er erwacht, findet er sich gefesselt in einem dunklen Raum wieder. Über ihm schwingt ein Pendel mit einer halbmondförmigen Klinge hin und her, das sich unaufhaltsam weiter herabsenkt.

Dialektik am Beispiel The Pit and the Pendulum von Edgar Allan Poe.
Dialektik am Beispiel The Pit and the Pendulum von Edgar Allan Poe.

Wie die Geschichte ausgeht, kannst du hier nachlesen. Was aber viel wichtiger ist, Poe hat mir mit dem Pendel aus The Pit and the Pendulum eine wunderbare Analogie zur Hegelschen Dialektik geschenkt. Die Dialektik gleicht einem schwingenden Pendel, das sich stetig weiter herabsenkt.

Dialektik Definition

Dialektik ist ein Entwicklungsprinzip, nach dem eine Gestalt aus der vorausgegangenen hervorgeht. Dieses logische Hervorgehen nennt Hegel Dialektik.

Quelle: Walter Ziegler – Hegel in 60 Minuten

In Anbetracht eines wieder aktuellen Dialektik-Beispiels könnte man argumentieren, dass nach acht Jahren Barack Obama (These) ein exzentrisches Donald Trump-Intermezzo (Antithese) notwendig war, damit etwas Vernünftigeres wie Joe Biden (Synthese) folgen kann.

Hegelsche Dialektik am Beispiel Trump und Biden. Quelle: Fritz Führungskreise.
Hegelsche Dialektik am Beispiel Trump und Biden. Quelle: Fritz Führungskreise.

Die Animation sollte um ein kontinuierlich herabkommendes Pendel erweitert werden, das Fortschritt und Entwicklung symbolisiert. Wie die Hegelsche Dialektik im Detail funktioniert, erkläre ich dir im folgenden Kapitel.

Fritz Führungskreise sind ein vertrauensvoller Austausch mit einem wertvollen Blick über den Tellerrand der eigenen Branche. Die Fälle aus der Praxis helfen beim Hinterfragen des eigenen Tuns und öffnen neuen Perspektiven. Die theoretischen Inputs der interessanten Vortragenden sind am Puls der Zeit. Patrick moderiert gekonnt und inspirierend. “

Christof Abbrederis
Prokurist
Alma

Hegelsche Dialektik: Grundlagen

Hegel (1770-1831) zählt zu den bedeutendsten Philosophen der Welt, trotz seiner komplizierten Ausdrucksweise. Um die Dialektik Hegels verständlich zu erklären, orientiere ich mich eng an Erklärungen von Walter Ziegler:

Beispiele: Dialektik der Aufklärung
und Weltbild

Die dialektische Methode

Der Dreiklang aus These, Antithese und Synthese nennt sich dialektische Methode. Um die dialektische Methode noch besser zu verstehen, erkläre ich sie dir anhand eines konkreten Beispiels:

  1. These: Um das Jahr 400 las Augustinus aus der Bibel und interpretierte, dass Gott den Menschen mit freiem Willen ausgestattet haben müsse.
  2. Antithese: Der Weltbestseller Homo Deus von Yuval Noah Harari basiert auf der Antithese, dass freier Wille eine Illusion ist. Demzufolge ist der Mensch eine Art Bio-Maschine, die durch Algorithmen ersetzt werden kann.
  3. Synthese: Der US-amerikanische Hirnforscher Benjamin Libet (1916-2007) ergänzt in diesem Zusammenhang den „freien Nicht-Willen“. Danach können wir immerhin Nein zu dem sagen, was ein Impuls in unserem Gehirn uns vorschreiben will.

Nach dieser vorläufigen Synthese ist unsere Aufgabe, das Wissen kontinuierlich weiterzuentwickeln und aus der Synthese eine neue These zu formen, der widersprochen werden kann.

Die Wurzeln von Hegels Dialektik: Heraklit und Platons Einfluss

Wie so oft steht auch Hegel auf den Schultern von Riesen, wenn er seine Vorstellungen von Dialektik darlegt. Ich lade dich auf einen Streifzug durch die Geschichte der Philosophie ein:

Bereits Heraklit (520-460 v. Chr.) behauptet vor über 2000 Jahren, dass alles, was existiert, zugleich durch sein Gegenteil bedingt ist und es als solches in sich trägt. Precht folgend ist dieser Gedanke mit einem Wort Platons als dialektisches Denken in die Philosophiegeschichte eingegangen (Precht, S. 83).

Platon (428-348 v. Chr.) formulierte dialektische Dialoge. Ein kunstvolles Spiel mit Argumenten und Gegenargumenten, das am Ende zu einem höheren Erkenntnisgewinn führen soll. Ein ganzer Dialog seines Werks beschäftigt sich mit dem Wesen der Erkenntnis (Precht, S. 154).

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Aristoteles, Abaelard und Bacon: Weiterentwicklung der Dialektik

Platons Schüler Aristoteles (384-322 v. Chr.) setzt noch einen drauf und begründet die Logik. Er unterscheidet den Schluss vom Allgemeinen auf das Besondere (Deduktion) vom Schluss vom Besonderen auf das Allgemeine (Induktion). Diese alltagsphilosophische Logik nennt er Dialektik (Precht, S. 233).

Der Grundstein zur Dialektik wurde in der Antike gelegt. Vieles davon ist im Mittelalter verloren gegangen und fand erst über Umwege wieder zurück ins abendländische Denken. Abaelard (1079-1142 n. Chr.) versucht beispielsweise die Widersprüche innerhalb der Kirche dialektisch zu untersuchen. Was ihm eine Verurteilung als Ketzer einbringt (Precht, S. 442).

Francis Bacon (1561-1626 n. Chr.) wird vor diesem Hintergrund in der Renaissance ein wenig übertrieben zum geistigen Vater der Induktion erklärt. Nach ihm stellt ein wahrer Wissenschaftlicher keine Theorien auf, die vom Allgemeinen auf das Besondere schließen (Deduktion). Stattdessen orientiert er sich am Einzelfall und dringt zum Allgemeinen vor (Induktion).

Hegels Dialektik für Führungskräfte

Was nutzt dir als Führungskraft der Kerngedanke der Dialektik von Hegel? In meiner Wahrnehmung durchlaufen wir im Management immer wieder gewisse Moden, wie zum Beispiel:

Auf kurze Sicht betrachtet schwingt das Pendel aus Poes Geschichte hin und her und senkt sich dabei keinen Millimeter. Wie eine Mode, die kommt und geht ohne jeglichen Fortschritt.

Jetzt kommt allerdings der wichtige Punkt: Langfristig bringt jede dieser Pendelbewegungen wieder neue Gedanken, Aspekte und Ideen in Form der Synthese mit sich. Im Kern bekannt, am Rande doch etwas Neues.

Hier gilt es wachsam zu sein und die feinen, aber vorhandenen Fortschritte zu erkennen. Dies gelingt nach Hegel am besten im Austausch mit anderen. Nur wer sich im regen Austausch befindet, praktiziert Bildung.

Fazit: Hegelsche Dialektik als Entwicklungsprinzip

Für mich liefert die Hegelsche Dialektik ein wichtiges Entwicklungsprinzip. Fortschritt kann als Pendelbewegung gedacht werden. Auch wenn der Fortschritt noch so gering ist, jeder Ausschlag ins Extreme, wie z.B. die Antithese Trump, kann Gutes bringen. Du musst nur aufmerksam bleiben und nicht alles totreden. Zugegeben eine schwierige Aufgabe – dennoch eine lohnende.

Dr. Patrick Fritz

Dr. Patrick Fritz

FAQ

Was ist Dialektik nach Hegel?

Dialektik ist ein logisches Bewegungsprinzip, nachdem eine Gestalt (Antithese) aus der vorausgegangenen Gestalt (These) hervorgeht und beide in einer Synthese aufgehoben werden.

Welche Bedeutung hat Dialektik?

Hegel erkannte, dass Veränderungen nicht willkürlich oder zufällig sind, sondern einer inneren Logik folgen: These-Antithese-Synthese.

Wie lässt sich die Dialektik anhand eines Beispiels erklären?

Zuerst gab es die These, dass die Erde eine Scheibe sei. Dies wurde von der Antithese widerlegt, dass die Erde rund sei. Schließlich wurde die Synthese erreicht, dass die Erde der runde Mittelpunkt des Universums sei. Diese Synthese wurde später wieder zur These, als Kopernikus das heliozentrische Weltbild entwickelte.

Was ist die Rolle des Widerspruchs in der Dialektik?

Wenn eine historische Zeit Widersprüche in sich trägt, kommt es zu geistiger und materieller Auflehnung. Die alte Ordnung gerät ins Wanken und wird durch eine neue Ordnung ersetzt.

Wie lässt sich die Dialektik auf die Geschichte der Menschheit anwenden?

Hegel argumentiert, dass auch die Geschichte der Menschheit einer inneren Logik folgt. Beispielsweise führte die französische Revolution zum Wechsel vom Absolutismus zur Aufklärung.

Welche philosophischen Vorläufer hatte Hegels Dialektik?

Heraklit erkannte bereits in der Antike, dass alles durch sein Gegenteil bedingt ist und dies als dialektisches Denken bezeichnete. Platon formulierte dialektische Dialoge, und Aristoteles unterschied zwischen Deduktion und Induktion.

Wie können Führungskräfte die Dialektik nach Hegel nutzen?

Die Dialektik kann Führungskräften helfen, die verschiedenen Pendelbewegungen und Moden im Management zu erkennen.

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4 Antworten zu “Dialektik nach Hegel einfach erklärt”

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  2. Klaus Peter Kostag sagt:

    Lieber Dr.Fritz,

    unter dem Stichwort „Maschinenfragment“ (PDF bei Wildcat) beschrieb Karl Marx 1858 wie aus Kapitalismus per Entwicklung der Produktivkräfte und Aufhebung der Notwendigkeit menschlichen sich Verplemperns in Arbeit/Arbeitszeit das Ding SOZIALISMUS wird.Reinste Dialektik. 2019 schrieb Ökonom Egon W. Kreutzer ohne hinderndes oder dopendes Marx Kennen was die Digitalisierung bewirken wird (Tag der allgemeinen Wertlosigkeit). Leider fiel das dialektische Ereignis Kapitalismus gebiert Sozialismus dem Herrn Kreutzer nicht ein, noch auf. Aber Ihnen wohl ziemlich mühelos, sehr geehrter Herr Dr. Fritz.

    Herzlichst,

    Klaus-Peter Kostag

    • Patrick Fritz sagt:

      Lieber Herr Kostag,

      herzlichen Dank für die tolle Ergänzung zum Artikel mit einem hervorragenden Dialektik-Beispiel.

      Beste Grüße
      Patrick Fritz

  3. Klaus Peter Kostag sagt:

    Lieber Herr Dr. Fritz!

    Nach der Hegelschen Dialektik Grundlage hatten auch Marx und Engels dieser Original – Dialektik und Materialismus zu Synergie verholfen. Wäre toll lieber Dr. Fritz, jene Folgedialektik ebenfalls durch Sie präsentiert zu bekommen. Weil ja derzeit das Wort SOZIALISMUS als das am liebsten benutzte Universal-Schimpfwort von ansonsten fast Intellektuellen erscheint . . .

    Herzlichst, Ihr
    Klaus-Peter Kostag

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