Design Thinking und SCRUM in Kombination

Design Thinking und SCRUM sind inzwischen nicht nur in Insiderkreisen in aller Munde. Mit SCRUM beschäftige ich mich seit über 10 Jahren im Rahmen des Führungskreises Softwareentwicklung. Beiträge von mir findet ihr unter anderen hier, hier, hier und hier. Wegen einer Veranstaltung für meine Sparringspartner an der Uni St. Gallen beschäftige ich mich in letzter Zeit ebenso intensiv mit dem Thema Design Thinking. In diesem Zusammenhang wird häufig die Frage nach dem Unterschied zwischen Design Thinking und SCRUM gestellt. Inzwischen bin ich mir jedoch sicher, es geht nicht um den Unterschied, sondern um die Kombination dieser beiden agilen Methoden.

Wofür liefert SCRUM keine Antwort?

Das SCRUM-Vorgehensmodell beruht auf einer sehr wichtigen Grundannahme. Es ist möglich, dass WAS vom WIE zu trennen, d.h., es gibt den allmächtigen Product Owner, der die Anforderungen im Projekt nach Business Value priorisiert. Dabei gibt er aber nicht vor WIE die jeweiligen Inhalte oder Features umgesetzt werden. Hier kommt das SCRUM-Team – das Entwickler-Team – ins Spiel. Einzig das Team entscheidet WIE bestimmte Anforderungen umgesetzt werden. Diese Gewaltenteilung ist ein zentraler Bestandteil von SCRUM und eine wichtige Abgrenzung zum gängigen Projektmanagement-Verständnis.

Das Entwickler-Team bekommt seine Anforderungen also vom Product Owner. Doch woher bekommt der Product Owner seine Anforderungen? Die spontane Antwort – vom Kunden! Nun wissen wir aber nicht erst seit Henry Ford und Steve Jobs, dass der Kunde einem in den seltensten Fällen sagen kann was er wirklich braucht. That’s where the magic happens. Hier kommt Design Thinking ins Spiel. Ich bin überzeugt, Design Thinking ist die perfekte Methode für den Product Owner um den initialen Product Backlog, also die priorisierte Anforderungsliste, zu erstellen. Dazu muss der Design Thinking Prozess, zumindest in Teilen, mit dem bestehenden Innovationsprozesse verschmolzen werden.

Design Thinking und SCRUM verschmelzen

Wer mit einem Innovationsvorhaben starten möchte, dem empfehle ich auf alle Fälle die Prozessschritte 1-4 von Design Thinking zu nutzen: 1. Challenge, 2. Need Finding, 3. Kernbotschaft und 4. Ideengenerierung. Die Challenge gibt die grobe inhaltliche Ausrichtung des Innovationsprojektes vor. In einem klassischen Innovationsprozesse würde man von einer Suchfeldbestimmung sprechen. Zentral sind nun die Phasen Need Findung, sprich konzentrierte Kundenbeobachtung und -befragung. Sowie die anschließend notwendige Fokussierung auf wenige Kernbotschaften. Die daraus entstehenden Problem-Statements von diversen Personas sind der perfekte Ausgangspunkt für die Ideenfindung in Form von User Stories. Um diese User Stories abzuarbeiten, empfehle ich ins SCRUM-Vorgehensmodell zu wechseln, weil es dafür besser geeignet ist. Insbesondere im Softwareentwicklungs-Umfeld. Somit steht der initiale Product Backlog für das SCRUM-Team.

FRITZ Design Thinking und SCRUM

Design Thinking und SCRUM verketten

Eine weitere Möglichkeit besteht darin den Design Thinking Prozess mit SCRUM zu verketten. In dieser Variante wird der gesamte Design Thinking Prozess von der Challenge bis zum Test mehrfach durchlaufen. Wenn sich die Anzahl reduziert und die Qualität der Prototypen erhöht hat, wird Design Thinking durch SCRUM abgelöst.

FRITZ Design Thinking und SCRUM 2

Fazit: Design Thinking und SCRUM

Design Thinking und SCRUM stellen keinen Widerspruch dar, sondern ergänzen sich perfekt. Je nach Projektgröße lassen sich Design und SCRUM entweder verschmelzen oder verketten. Bei kleineren Projekten, liegt der Fokus auf den Schritten 1-4 des Design Thinking Prozess, um Input für den anschließenden SCRUM Prozess zu liefern. Bei größeren Projekten wird der Design Thinking Prozess mehrfach durchlaufen, bis wenige, dafür qualitativ hochwertige Prototypen übrigbleiben. Diese Prototypen werden dann nach dem SCRUM Vorgehensmodell umgesetzt.

Patrick FRITZ
Dr. Patrick Fritz

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