Design Thinking und Google Sprint im Vergleich

Design Thinking und Google Sprint sind Innovationsmethoden, die beide stark auf agilen Prinzipien aufbauen: maximale Kundenorientierung, arbeiten in kurzen Sprints und Veränderungen sind willkommen. Mit Design Thinking beschäftige ich mich seit unserer Kundenveranstaltung an der HSG intensiv. Beiträge von mir findest du unter anderem hier, hier und hier. Auf den Google Sprint bin ich kürzlich durch das Buch von Jake Knapp aufmerksam geworden: “Sprint – Wie man in nur fünf Tagen neue Ideen testet und Probleme löst“.

Was ist der Google Sprint?

Wenn ich es in einem Satz sagen müsste, ist Google Sprint für mich eine sehr spezifische Möglichkeit von vielen, wie ein Design Thinking Prozess aussehen kann. So überrascht der Satz auf Seite 24 nicht sonderlich: “Wenn Sie mit Lean Development oder Design Thinking vertraut sind, werden Sie feststellen, dass der Sprint eine praktische Methode zur Anwendung dieser Richtlinien ist.” Wie diese praktische Methode aussieht zeigt die Präsentation des Autors:

Wichtig Aussagen zum Google Sprint sind für mich:

  • Der Sprint dauert genau fünf Tage, nicht länger, nicht kürzer.
  • Jeder Tag des Sprints hat ein konkretes Thema bzw. Ziel.
  • Montag werden Experten befragt, eine Customer Journey Map erstellt und das Sprint-Ziel ausgewählt.
  • Dienstag werden verschiedene Lösungen für das ausgewählte Problem skizziert.
  • Mittwoch wird der beste Lösungsansatz bestimmt und in ein Storyboard übersetzt.
  • Donnerstag wird basierend auf dem Storyboard ein realistischer Prototyp erstellt.
  • Freitag wird der Prototyp an fünf ausgewählten Zielkunden getestet und die weitere Vorgehensweise festgelegt.

Das ist wirklich nur ein oberflächlicher Blick auf den Google Sprint. Im Detail stecken sehr viele Erfahrungswerte und methodische Erklärungen die lesenswert sind. Mir geht es an dieser Stelle jedoch um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Innovationsansätze.

Design Thinking und Google Sprint im Vergleich

FRITZ - Design Thinking und Google Sprint

Beide Ansätze starten mit einer wohldefinierten Fragestellung, aber dann zeigt sich bereits der erste wesentliche Unterschied. Während Design Thinking großen Wert auf das Need Finding legt, also auf die Untersuchung der Kundenbedürfnisse, springt der Google Sprint sehr schnell in die Skizzierung möglicher Lösungsideen.

Dies zeigt sich vor allem bei der Anwendung der “How might we” Fragetechnik (HMW). Im Google Sprint sind HMW Fragen vorgesehen, aber es wird am Sprint-Ziel festgehalten. Schließlich geht es darum ein klar umrissenes Sprint-Ziel zu erreichen. Design Thinking hingegen fordert eine Anpassung der Ursprünglichen Design Challenge gerade zu heraus. Schließlich gilt es das eigentliche Problem erst genau zu erfassen – vielleicht interessiert die Frage des Unternehmens den Kunden ja gar nicht.

Der zweite wesentliche Unterschied liegt in der Anwendung der Customer oder User Journey Map, die beim Google Sprint ein zentrales Instrument darstellt, um den Fokus nicht zu verlieren. Bei besonders innovativen Fragestellungen wird im Design Thinking Prozess bewusst auf eine Customer Journey Map verzichtet, um einen Bias des Teams zu verhindern. Wer einmal den Kundenprozess in der Tiefe untersucht und verstanden hat, bleibt in dieser Kundenwelt kleben und kann sich davon nicht mehr lösen.

Wenn allerdings die besten Ideen ausgewählt sind, laufen beide Ansätze nach dem gleichen Strickmuster. Die erfolgsversprechenden Ideen werden zum Prototyp weiterentwickelt und schließlich an potenziellen Zielkunden getestet. Aufgrund des Kudenfeedbacks wird entschieden wie es weiter geht bzw. zu welcher Stelle im Prozess zurück gegangen werden muss.

Fazit – Design Thinking und Google Sprint

Design Thinking und Google Sprint sind auf den ersten Blick sehr ähnlich. Auf den zweiten Blick zeigen sich aber wesentliche Unterschiede. Der Google Sprint ist eine ausdefinierte Methode, um Ideen für eine klar und eng umrissene Problemstellung zu entwickeln und testen. Das Ziel des Sprints bleibt bestehen, komme was da wolle. Während Design Thinking die ursprüngliche Design Challenge lediglich als Ausgangspunkt sieht. Hier geht es darum mehr über den potenziellen Kunden zu lernen und den Problemraum zu erkunden, bevor es in die Ideation Phase geht. Wenn ich es nochmals in einem Satz sagen müsste, Design Thinking für unklare oder komplexe Probleme, Google Sprint für klare oder komplizierte Probleme (siehe CYNEFIN).

Patrick FRITZ
Dr. Patrick Fritz

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