Abbau von Verwöhnung im Unternehmen

Was ist Verwöhnung im Unternehmen?

“Ich will mehr Geld und weniger Arbeiten!”, “Mir steht ein reservierter Parkplatz zu!” oder “Das steht nicht in meiner Stellenbeschreibung!” – schon mal gehört? Alles mögliche Beispiele für Verwöhnung im Unternehmen. Im Kern handelt es sich dabei um ein Missverhältnis von Leistung und Gegenleistung. Also Privilegien, Annehmlichkeiten und Vorzüge, die sich über die Jahre eingeschlichen haben, für die keine Gegenleistung eingefordert wird.

Wie funktioniert Entwöhnung im Unternehmen?

Zunächst einmal gilt es zu prüfen, ob es sich “nur” um einen Einzelfall oder ein Verhaltensmuster im Unternehmen handelt. Bei einem Einzelfall ist die Sache relativ einfach – Erwartungen klar machen, sowie direktes und ermutigendes Feedback. Bei einem generellen Verhaltensmuster im Unternehmen ist die Sache ein wenig schwieriger. In diesem Fall macht es Sinn Entwöhnung als ein Projekt zu begreifen, um die Unternehmenskultur zu verändern.

Was ist Kulturveränderung?

Kulturveränderung hat nichts mit Management-Voodoo oder Esoterik zu tun. Es ist ein Projekt wie jedes andere auch, mit dem Ziel Verhaltensmuster, Gewohnheiten oder Überzeugungen in einer Organisation zu verändern. In diesem Sinne ist die Unternehmenskultur nichts anderes, als die Summe der Gewohnheiten einer Organisation. Wichtig dabei, eine Kulturveränderung muss genauso aufs Geschäft einzahlen wie jedes andere Strategie- oder Strukturprojekt auch. Sonst geht dem Projekt früher oder später die Luft aus.

Wie funktioniert Kulturveränderung?

1. Kulturziele bestimmen

Wenn der Beitrag zum Geschäftserfolg des Projektes abgeschätzt ist, kann man sich daran machen SMARTe Kulturziele zu definieren. Hierzu eignet sich eine klassische SWOT-Analyse. Was sind die Stärken und Schwächen der bestehenden Unternehmenskultur, im Sinne von gemeinsamen Verhaltensweisen. Vor welchen Chancen und Bedrohungen steht das Unternehmen in den kommenden Jahren? Die Ergebnisse der “Unternehmenskultur-SWOT” werden anschließend gruppiert in nützlich, neutral und hinderlich:

FRITZ Verwöhnung im Unternehmen - Kultur SWOT

Welche Verhaltensweisen sind nützlich für den Geschäftserfolg und gilt es damit zu bewahren (=Bewahrungsziele)? Welche Verhaltensweisen sind zwar typisch für das Unternehmen, aber nicht erfolgskritisch und damit „neutral“ für den Unternehmenserfolg (=Vermeidungsziele)? Welche Verhaltensweisen stehen dem Unternehmenserfolg tatsächlich im Weg und sind damit als „hinderlich“ einzustufen (=Veränderungsziele). Die Zielvorgaben für die Soll-Kultur können durchaus von oben kommen, also top-down.

2. IST-Analyse

Auf Basis der definierten Kulturziele, gilt es die aktuelle Situation zu analysieren. Worin liegen die Gründe für die Ist-Soll-Abweichung? Schließlich gibt es heute für die Mitarbeitenden gute Gründe, sich so zu verhalten wie sie es momentan tun. Mögliche Erklärungsmuster für Verwöhnung im Unternehmen können sein:

  • Das für den Unternehmenserfolg hinderliche IST-Verhalten wird belohnt, z.B. schnelle Beförderungen für fordernde Mitarbeiter.
  • Eigentlich nützliche Verhaltensweisen werden bestraft, z.B. keine Lohnerhöhung für Mitarbeiter die sehr gute Arbeit leisten, sich aber unter Wert verkaufen.
  • Führungskräfte die Forderungen viel zu schnell oder ohne Gegenleistung nachgeben, weil sie nicht der Böse oder der Spielverderber sein wollen.
  • Führungskräfte die Konflikten aus dem Weg gehen, indem sie negative Abweichungen nicht ansprechen und Änderung einfordern.

3. SOLL-Konzept

Wenn das gegenwärtige Verhaltensmuster ausreichend verstanden ist, muss eine durchgängige Vorgehensweise zur Veränderung entwickelt werden. Was ist der beste Weg vom IST zum SOLL? Welche Stellhebel stehen überhaupt zur Verfügung?

Das Verhalten der Mitarbeiter lässt sich am besten durch das Verhalten der direkten Führungskraft, sowie die Ziel-, Controlling- und Beurteilungs-Systeme im Unternehmen beeinflussen. Die Rahmenbedingungen des Handelns und die Einsicht in geschäftliche Notwendigkeiten sind weitere wichtige Stellhebel. Zu den Details der Verhaltensbeeinflussung empfehle ich den zugehörigen Beitrag.

Dabei ist wichtig zu betonen, dass nur das Verhalten geändert werden soll, nicht die Einstellung. Einstellungen sind nämlich zum einen nicht zwangsweise an Verhalten gekoppelt. Zum anderen ist der Anspruch Einstellungen bei anderen Menschen ändern zu wollen nicht leistbar.

4. Umsetzung und Controlling

Der Unterschied zwischen Ernst und Spaß bei der Umsetzung der neuen Unternehmenskultur ist das Zauberwort Controlling. Nur was gemessen wird, wird auch ernst genommen. Deshalb ist es notwendig und sinnvoll die SOLL-Kultur zu beobachtbaren Indikatoren zu verdichten. Auf dieser Basis können und müssen sämtliche Steuerungssysteme auf die neue Unternehmenskultur justiert werden. Welche Instrumente sind damit gemeint?

  • Führungskräfteauswahl
  • Mitarbeiterbefragung
  • Vergütungsmodell
  • Beförderungspolitik
  • Personalentwicklung
  • Zielvereinbarungen
  • Beurteilungssystem

Bei all diesen HR-Instrumenten muss immer wieder darauf geachtet werden, dass sie der definierten SOLL-Kultur entsprechen. Was bringt es, wenn im Sinn der SOLL-Kultur die falschen Leute befördert werden, die falschen Ziele vereinbart werden oder das falsche Verhalten finanziell belohnt wird?

Fazit – Verwöhnung im Unternehmen

Auf den ersten Blick hört sich “verwöhnen” nach etwas Guten und “entwöhnen” nach etwas Bösen an. Auf den zweiten Blick erhöht Verwöhnung die Unzufriedenheit sowohl bei Führungskräften als auch bei Mitarbeitern. Vor diesem Hintergrund gilt es Leistung und Gegenleistung wieder ins Lot zu bringen, indem vier Schritte befolgt werden: 1. Ziele top down festlegen, 2. Die IST-Situation analysieren, 3. Den Weg vom IST zum SOLL beschreiben und 4. Den Plan konsequent umsetzen und stetig dranbleiben.

Patrick FRITZ

Dr. Patrick Fritz

Quelle: An dieser Stelle möchte ich mich bei Winfried Berner bedanken, bei dem ich im Rahmen mehrerer Workshops zum Thema Kulturveränderung lernen durfte.

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