Warum braucht es Führungskräfte?

Kürzlich hat mich ein Kunde sinngemäß gefragt, warum braucht es Führungskräfte wirklich? Im Scherz habe ich spontan geantwortet, für Mitarbeitergespräche. Spaß beiseite, was würden sie spontan auf diese Frage antworten? Ganz so leicht fällt mir dir Antwort nämlich wirklich nicht, dazu muss ich etwas ausholen.

Gruppe vs. Team

Im Gegensatz zu einer Gruppe hat ein Team ein gemeinsames Ziel. Wer teil eines Teams sein möchte, ist bewusst oder unbewusst bereit, sich einem gemeinsamen Ziel unterzuordnen. In weiterer Folge ist es die Pflicht von jedem Team-Mitglied, zieldienliche Beiträge zu liefern. Jeder Beitrag der dem Team hilft seinem Ziel näher zu kommen, ist in diesem Sinne erwünschtes Verhalten. Wer sich dem gemeinsamen Ziel nicht unterordnet bzw. keine zieldienlichen Beiträge liefert, hat keine Berechtigung am Team teilzunehmen.

Führung im Team

Warum braucht es Führungskräfte? Recht und Pflicht von Führungskräften in Teams, Abteilungen oder Bereichen ist die Priorisierung bei Zielkonflikten. Somit kann die Handlungsfähigkeit des Teams bei Zielkonflikten erhalten werden. Dieser Herleitung folgend, ist die Führungskraft eine notwendige Funktion im Unternehmen zur Sicherstellung der Handlungsfähigkeit bei Zielkonflikten – kein Status.

FRITZ Warum braucht es Führungskräfte

Arten von Zielkonflikten (Update vom 16. April 2017)

Zielkonflikt ist nicht gleich Zielkonflikt. Die drei wichtigsten Arten von Zielkonflikten, mit denen sich Führungskräfte auseinandersetzen müssen, sind aus meiner Sicht:

  1. Inhaltliche Ausrichtung: In jedem Team gibt es beinahe unendlich viele Möglichkeiten in die man sich bewegen kann. Hier braucht es inhaltliche Ausrichtung durch die Führungskraft. Im Unternehmenskontext wird in diesem Zusammenhang gerne von Strategie besprochen.
  2. Knappe Ressourcen: Ressourcen sind immer knapp, egal ob Zeit, Geld oder Mitarbeiter. Deshalb müssen Führungskräfte priorisieren, welche Aufgaben wichtig oder weniger wichtig sind und deshalb mehr oder weniger Ressourcen bekommen.
  3. Unklare Qualität: Qualität ist kein absoluter, sondern ein relativer Maßstab. Die Führungskraft muss deshalb einen Feedback-Prozess installieren, um dem Team einen Abgleich zu ermöglichen. Im Zweifelsfall muss die Führungskraft entscheiden, wann gut, gut genug ist.

Team ohne Führung

Wenn die gemeinsamen Ziele eindeutig definiert und im Team akzeptiert sind, braucht es womöglich gar keine Führungskraft – da keine Zielkonflikte entstehen. Hier sind wir aber bei des Pudels Kern angelangt. In der Praxis wird die Arbeit an eindeutigen und akzeptierten Zielen sträflich vernachlässigt. In Projekten erlebe ich immer wieder das Ziele unklar sind. Später beschweren sich alle über das entstandene Chaos. Damit meine ich nicht das kreative Chaos, sondern Enttäuschung, Verbitterung und Resignation.

Fazit – Warum braucht es Führungskräfte?

Konflikte tauchen immer dann auf, wenn Ziele nicht bekannt oder umstritten sind (=Zielkonflikte). Führungskräfte braucht es, um bei Zielkonflikten zu priorisieren, lösen geht ja leider nicht. Wenn auf Führungskräfte verzichtet werden soll, müssen die Ziele eindeutig definiert und akzeptiert sein.

Patrick FRITZ
Dr. Patrick Fritz

P.S. Dieser Beitrag ist aus meiner Mitschrift im Führungskreis Softwareentwicklung mit Dr. Reinhold Bartl entstanden.

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7 Kommentare zu “Warum braucht es Führungskräfte?
  1. Zu diesem anregenden Artikel fallen mir zwei Aspekte ein, die ich in dem Kontext für wichtig halte: Wie kommen wir zu Führungskräften und was ist ein taugliches Ziel.

    Zu ersten Punkt schreibst du, Führung ist kein Status. Das sehe ich genau so. Führung wird durch die Geführten ermöglicht. Wem wird in welcher Situation vertraut? Daher ist Führung in der Regel situativ.

    Der Begriff „Ziel“ wird leider meist unscharf verwendet und z.B. oft mit Vorgabe verwechselt. Wenn ich das Ziel habe, an einer Olympiade teilzunehmen, muss ich Verbandsnormen (Vorgaben) erfüllen. Das Ziel motiviert und eint und lässt sich auch Sponsoren vermitteln. Eine Vorgabe ist Mittel zum Zweck.

  2. Patrick Fritz sagt:

    Hallo Uwe,

    mir erscheint der Aspekt „Vertrauen“ sehr wichtig, den du in die Diskussion einführst. Wenn eine Führungskraft bei Zielkonflikten priorisieren soll, hört sich das zunächst wie eine technische Funktion an oder eine simple Wenn-Dann-Logik. Da ein Zielkonflikt defacto nicht auflösbar ist, braucht es Vertrauen der Geführten in die Führungskraft. Sie, die Führungskraft, wird schon wissen oder ein Gefühl dafür haben was in der aktuellen Situation wichtig ist.

    LG Patrick

  3. Ja genau, Führung hat für mich wenig mit „technokratischen“ Vorgehen zu tun. Dennoch werden wir in der Führung am Erfolg gemessen, wie immer auch der Beitrag der Führung dazu aussieht. Mein Lesetipp dazu: Reinhard Sprenger: Radikal führen, Campus, 2012.

  4. Josef Summer sagt:

    Ich denke es braucht Führung. Führung die sich um das WAS und vor allem um das WARUM kümmert. Wenn sich Führung zu sehr um das WIE kümmert, beginnt sie zumeist zu „nerven“ 😉

    Persönlich denke ich auch, dass wir Führung akzeptieren solange sie uns einen Vorteil bietet. Und je größer der Vorteil uns scheint, desto motivierter folgen wir.

    Solche Vorteile können sein Schutz, Orientierung, Entwicklungsperspektiven, Wertschätzung, Sozialkontakte, Lerngelegenheiten, Macht-Partizipation . . .

    Solche Vorteile schaffen m. E. das nötige Vertrauen.

    Deshalb denke ich, dass Führungskräfte dort sinnvoll eingesetzt und erfolgreich sind, wo es ihnen gelingt auf dieser Basis das Vertrauen des Teams zu gewinnen. Eben das Vertrauen, dass es vorteilhaft ist, der Führungskraft zu folgen 😉

    • Patrick Fritz sagt:

      Hallo Josef,

      vielen Dank für deinen Kommentar!

      Das Thema Vertrauen beschäftigt mich schon länger. Es gibt ja immer wieder diesen Spruch, Vertrauen muss erarbeitet werden. Das lese ich auch aus deinem Kommentar heraus. In der Praxis erlebe ich das jedoch umgekehrt. Vertrauen wird (muss?) vorab geschenkt werden und anschließend entweder enttäuscht oder bestärkt.

      Beste Grüße
      Patrick

      • Josef Summer sagt:

        Hallo Patrick,

        es ist vielleicht beides nötig. Ohne den ersten Schritt (Vertrauensvorschuss) würde der Prozess der Vertrauensbildung gar nicht ermöglicht. Die Größe des Vorschusses ist wohl individuell verschieden. Von da an kann Vertrauen dann im Idealfall „wachsen“. Ich denke auch, dass Vertrauen mit zunehmender „Größe“ robuster wird.

        Dass einem vorab ein großes, robustes Vertrauen geschenkt wird, erleben wir wohl nur dann, wenn uns ein hervorragender Ruf vorauseilt (und den guten Ruf kriegt man m. E. auch nicht geschenkt).

        Ich denke also Vertrauen wächst recht langsam. Wenn es noch relativ klein ist kann es sehr schnell schwinden (bis hin zum plötzlichen totalen Vertrauensverlust). Und großes Vertrauen übersteht auch die eine oder andere Irritation da es robuster ist.

        Vielleicht verhält es sich mit dem Vertrauen ja ähnlich wie mit der Motivation und wir müssen es uns nicht erarbeiten – es reicht schon, wenn wir es nicht zerstören 😉

        Schöne Grüße
        Josef

1 Pings/Trackbacks für "Warum braucht es Führungskräfte?"
  1. […] es Führungskräfte braucht, welche Aufgaben sie haben und welche Führungsstille es gibt, habe ich bereits an früherer Stelle […]

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