Verhaltensbeeinflussung: Wie kann Mitarbeiterverhalten beeinflusst werden?

Verhaltensbeeinflussung durch vorleben. Beinahe bei jedem Problem im Unternehmen wird die Vorbildwirkung der Führungskraft als Patentrezept verkauft. Doch wenn wir einmal genau hinschauen. Welche Möglichkeiten hat die Führungskraft wirklich, um das Verhalten von Mitarbeitern zu beeinflussen?

Warum Verhaltensbeeinflussung?

In Abgrenzung zu Management (sachbezogene Führung) handelt es sich bei Führung im eigentlichen Sinn um menschenbezogene Führung, gerne auch Leadership genannt. Führung ist die bewusste Verhaltensbeeinflussung anderer Personen, um definierte Ziele zu erreichen (mehr dazu im Beitrag „Leadership vs. Management„). Es geht also NIEMALS um Verhaltensbeeinflussung als Selbstzweck, im Sinne einer Manipulation, sondern immer vor dem Hintergrund Verhalten auf Unternehmensziele auszurichten.

Verhaltensbeeinflussung durch Führungskraft

Grundsätzlich gibt es drei Ansatzpunkte, wie eine Führungskraft das Verhalten seiner Mitarbeiter beeinflussen kann: Das eigene Verhalten, Einsicht und Konsequenz. Darüber hinaus gibt es äußere Faktoren, wie z.B. das soziales Umfeld des Mitarbeiters, die nicht von der Führungskraft beeinflussbar sind.

FRITZ Verhaltensbeeinflussung durch Führungskraft

Die einzelnen Ansatzpunkte sollen an folgendem Beispiel erläutert werden. Jeder der Kinder hat, kennt die Situation im Supermarkt, wenn es Richtung Kasse geht. Man kommt unweigerlich bei den Süßigkeiten vorbei. Meistens gehen dann die Meinungen zwischen Eltern und Kind auseinander, ob es Schokolade gibt oder nicht. Welche Möglichkeiten gibt es nun, das Verhalten des Kindes zu beeinflussen:

  1. Einsicht: Man kann versuchen dem Kind zu erklären, warum es jetzt keine Süßigkeiten gibt, z.B. weil das Abendessen ansteht. Eltern hoffen durch das Gespräch Einsicht oder Verständnis beim Kind zu erzeugen. Je nach Literatur die man liest wird diesem Ansatzpunkt der größte aber auch der kleinste Nutzen zugeschrieben.
  2. Verhalten: Selbstredend macht es keinen guten Eindruck, wenn ich als Vater vorangehe und mir selbst einen Schokoriegel in den Einkaufswagen lege. Deshalb macht es Sinn mit gutem Vorbild voran zu gehen und gewünschtes Verhalten vorzuleben. Aber auch auf gewolltes Verhalten positiv zu reagieren (Lob) und auf ungewolltes Verhalten negativ zu reagieren (Tadel). Elternverhalten beeinflusst Kinderverhalten – Führungsverhalten beeinflusst Mitarbeiterverhalten.
  3. Konsequenz: Hilft alles nichts, braucht es schlussendlich Konsequenzen. Das kann von einem einfachen NEIN zu Schokolade bis hin zu allen möglichen Maßnahmen reichen. Wenn jetzt nicht Ruhe ist, dann gehen wir sofort ins Auto. In der Schule sind es dann Prüfungen und Noten. Im Falle eines Mitarbeiters kann das eine Verwarnung sein oder eine negative Mitarbeiterbeurteilung.

Verhaltensbeeinflussung durch Unternehmen (Update 2017)

Nach einem Seminar mit Winfried Berner zum Thema Kulturveränderung ist mir ein Licht aufgegangen, dass ich bisher eine wichtige Perspektive vergessen habe. Nicht nur die Führungskraft beeinflusst das Mitarbeiterverhalten, sondern auch das Unternehmen. Was kann also das Unternehmen tun, um Mitarbeiterverhalten zu beeinflussen?

Grundsätzlich gibt es in diesem Fall vier Ansatzpunkte, wie ein Unternehmen das Verhalten seiner Mitarbeiter beeinflussen kann: Das Verhalten der direkten Führungskraft, Ziel-, Controlling- und Beurteilungs-Systeme, Rahmenbedingungen des Handelns und Einsicht in geschäftliche Notwendigkeiten. Darüber hinaus gibt es nach wie vor äußere Faktoren, wie z.B. das soziales Umfeld des Mitarbeiters, das vom Unternehmen nicht beeinflussbar ist.

FRITZ Verhaltensbeeinflussung Unternehmen

  1. Das Verhalten der direkten Führungskraft: Nach wie vor gilt, Führungsverhalten beeinflusst Mitarbeiterverhalten. Aus Unternehmenssicht kann ich mir nun überlegen wie ich Führungsverhalten beeinflussen kann. Zum einen durch die gezielte Auswahl der richtigen Führungskräfte. Zum anderen durch die gezielte Weiterentwicklung meiner vorhandenen Führungskräfte. Somit sind wir bei jeder Verhaltensänderung unausweichlich bei der Führungskräfteentwicklung angelangt und Themen wie Führungsgrundsätze, Führungsleitbild oder Führungskultur werden wichtig.
  2. Ziel-, Controlling- und Beurteilungs-Systeme: Das sind quasi die Instrumente die das Unternehmen den eigenen Führungskräften mit an die Hand gibt. So wie der Handwerker vom Unternehmen einen Schraubenschlüssel bekommt, bekommen Führungskräfte mehr oder weniger gute Führungsinstrumente an die Hand. In manchen Unternehmen wir fast nur noch controlled, in anderen Unternehmen wiederum ist selbst Führen nach Zielen in Verruf geraten. So oder so, diese Instrumente können die Ziele von Mitarbeitern und damit deren Verhalten definitiv beeinflussen. Wer will die vereinbarten Ziele schließlich nicht erreichen und ggf. auf Bonis verzichten?
  3. Rahmenbedingungen des Handelns: Rahmenbedingungen kann man sich am besten anhand der Klassiker wie Strukturen, Prozesse und Systeme vorstellen. Wie kann ich also Strukturen, Prozesse und Systeme anpassen, um damit gewünschtes Verhalten zu ermöglichen. Jede Führungskraft ist sich bewusst wie schnell sich das Mitarbeiterverhalten durch einen Eingriff in die Aufbaustruktur bzw. in das Organigramm beeinflussen lässt. Prozesse, die bestenfalls noch durch IT-Systeme einbetoniert werden, können Verhalten ebenso gut ändern – zum Guten wie zum Schlechten.
  4. Einsicht in geschäftliche Notwendigkeiten: Auf einer übergeordneten Ebene kann es Einsicht in die geschäftlichen Notwendigkeiten geben, nicht nur zur Frage Schokolade ja oder nein. Wenn ein berechtigter Sparkurs ausgerufen wird, werden sich viele Mitarbeiter sparsamer verhalten wie zuvor, weil es ums geschäftliche Überleben geht. Wenn die große Internationalisierung ausgerufen wird, werden die Bemühungen um Kunden aus Fernost vermutlich stärker werden, als sie es zuvor waren.

Fazit Verhaltensbeeinflussung

Das Verhalten von Mitarbeitern kann auf zwei Ebenen beeinflusst werden. Zum einen auf der Ebene Führungskraft zu Mitarbeiter durch das eigene Verhalten, Einsicht und Konsequenzen. Zum anderen auf der Ebene Unternehmen zu Mitarbeiter durch Auswahl und Entwicklung der Führungskräfte, Ziel-, Controlling- und Beurteilungs-Systeme, Rahmenbedingungen des Handelns und Einsicht in geschäftliche Notwendigkeiten. Dabei dürfen äußere Faktoren, wie z.B. das soziale Umfeld, niemals vergessen werden. Manchmal hilft noch so gute Führung nichts, der Fehler hat bereits bei der Mitarbeiterauswahl begonnen.

Patrick FRITZ

Dr. Patrick Fritz

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