Systemprinzipien für soziale Systeme

Systemprinzipien –  Wegweiser in sozialen Systemen. Wenn ich mit Technikern über ihre fachliche Arbeit spreche, erlebe ich immer wieder große Klarheit. Dabei fallen Worte wie Prinzipien, Leitlinien, Richtlinien, Gesetze, Normen, usw. Alles Wegweiser für eine komplexe Umwelt, in der ich mich zurechtfinden muss.

Wenn es jedoch wie in meinem Fall um soziale Systeme geht, gibt es solche Wegweiser nicht. Ganz im Gegenteil, man bekommt Sprüche zu hören wie „es menschelt halt“, „klar ist, das nichts klar ist“ und „komplexe Probleme lassen sich halt nicht planen“. Das mag alles richtig sein, aber eben auch nicht sonderlich hilfreich.

Im Zuge meiner Recherchen nach Wegweisern in sozialen Systemen bin ich auf die Systemprinzipien nach Iván Böszörményi-Nagy gestoßen, weiterentwickelt durch Matthias Varga von Kibéd. Dabei handelt es sich um keine Vorschriften, sondern heilsame Empfehlungen für soziale Systeme:

FRITZ - Systemprinzipien

1. Das Prinzip der Nichtleugnung

Wenn etwas Neues (z.B. Projekt, Team, Abteilung) Erfolg haben soll, braucht es Anerkennung der IST-Situation aller Beteiligten. Sonst zeigen sich vielleicht unerwartete Widerstände an anderen Stellen. Die Flucht in die Zukunft ohne Anerkennung der Gegenwart ist also eine risikoreiche Angelegenheit und fördert z.B. Widerstände in Veränderungsprozessen gerade zu heraus.

2. Das Recht auf Zugehörigkeit

Wenn die Zugehörigkeit von Mitarbeitern, Teams, Projekten, usw. nicht klar geregelt ist, entstehen Verwirrung und Unklarheit im System. Das erlebe ich z.B. häufig in Matrix-Organisationen. Daraus resultiert ein Mangel an Verbindlichkeit. Schließlich bin ich der Diener vieler Herren und kann das alte Mama-Papa-Spiel spielen. In Summe führt nicht klar geregelte Zugehörigkeit zu eingeschränkter Produktivität.

3. Die Anerkennung der zeitlichen Reihenfolge

Für auf Wachstum ausgelegte soziale Systeme gilt, dass frühere vor späteren Vorrang haben. Ältere Systemteile haben Anrecht auf Ausgleich, weil Sie Platz machen mussten für neuere Systemteile. Der Ausgleich kann dadurch erreicht werden, das die „Älteren“ symbolisch die Ersten bleiben. Die Entsorgung der „Älteren“ durch die Hintertür ist also für das soziale System nicht ratsam.

4. Die Anerkennung des höheren Einsatzes für das Ganze

Wer einen hohen Einsatz für ein soziales System bringt, sollte dafür gewürdigt werden. Wenn man stillschweigend hinnimmt, dass es Mehr- oder Minderleister gibt, führt zur Unzufriedenheit. Deshalb sollte der höhere Einsatz eines Systemteils entsprechend honoriert und kenntlich gemacht werden. Dabei geht es wieder um Anerkennung.

5. Der Vorrang von höheren Leistungen und Fähigkeiten

Ein Unternehmen, das sich weiterentwickelt, sollte sich um die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter kümmern. In aufgabenorientierten Systemen wie einem Unternehmen ist es nun wichtig, die höheren Fähigkeiten einzelner Mitarbeiter gezielt hervorzuheben und entsprechend zu fördern. Höhere Fähigkeiten können und sollen zu neuen Aufgaben führen, sprich die Weiterentwicklung innerhalb der Organisation muss gesichert werden.

Fazit – Systemprinzipien

Die beschriebenen Systemprinzipien sind zwar keine Gesetzte, aber gute Wegweiser für die Arbeit mit sozialen Systemen: Erkenne die IST-Situation an. Regle die Zugehörigkeiten klar. Das Ältere hat Vorrang vor dem Jüngeren. Höherer Einsatz muss honoriert werden. Die Weiterentwicklung muss gewährleistet sein.

Patrick FRITZ

Dr. Patrick Fritz

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