Negatives Feedback geben

Feedback geben ist gar nicht so einfach, wie viele Menschen denken. Positives Feedback geben, auch loben genannt, geht gerade noch. Ein Lob zur richtigen Zeit, im richtigen Ausmaß, soll schließlich die Motivation des Mitarbeiters erhöhen. Negatives Feedback geben, auch kritisieren genannt, ist ungleich schwieriger.

Negatives Feedback geben wird häufig als unangenehm empfunden, vermutlich aufgrund der erwarteten Konsequenzen. In einem Seminar mit Herbert Salzmann habe ich das Konzept „Wertschätzende Konfrontation“ kennengelernt. In diesem Beitrag werde ich euch einen kurzen Einblick geben, damit euch negatives Feedback geben in Zukunft besser gelingt.

Wertschätzende Konfrontation

Herbert Salzmann unterscheidet in der Kommunikation zwischen Aufgabenebene und Beziehungsebene, ähnlich wie Schulz von Thun. Mit Aufgabenebene sind sachbezogene Aspekte gemeint, z.B. das erlebte Verhalten oder die Leistung eines Mitarbeiters. Dabei geht es nicht um Objektivität, sondern um meine subjektiven Erlebnisse. Mit Beziehungsebene ist die Achtung vor der jeweils anderen Person gemeint, die unabhängig von Zweck und Nutzen der Person für mich gegeben sein muss. Seinen Überlegungen folgend, gilt folgende Grundhypothese:

Klar, bestimmt und konsequent in der AUFGABE. Zugleich respektvoll und wertschätzend in der BEZIEHUNG.

FRITZ Negatives Feedback geben

Aus dieser Formel ergeben sich zweierlei Konsequenzen. Erstens ist es Pflicht der Führungskraft, Probleme auf der Aufgabenebene klar, bestimmt und konsequent anzusprechen. Vor allem negatives Feedback geben, z.B. zur schlechten Leistung des Mitarbeiters, ist unumgänglich. Zweitens darf es auf der Beziehungsebene zu keiner Abwertung kommen. Ein respektvoller, wertschätzender Umgang mit der Person muss gegeben sein.

Aus meiner Sicht kommt es im Alltag häufig zur Vermischung der Aufgaben- und Beziehungsebene. Negatives Feedback geben wird dadurch ungleich schwieriger, weil die Person in ihrer Würde verletzt wird (Konfrontation). Auf der anderen Seite passiert es allzu leicht, dass die Achtung gegenüber der Person flöten geht und eine Abwertung passiert (Wertschätzung).

Fazit: Negatives Feedback geben

Zum einen erscheint mir die zugrunde liegende Idee der „Wertschätzenden Konfrontation“ mehr als einleuchtend und hilfreich in der Praxis, insbesondere wenn es um negatives Feedback geben geht. Die praktische Umsetzung stellt jedoch einige Herausforderungen an Führungskraft und Mitarbeiter und braucht sicherlich Übung, Übung und nochmals Übung. Eine konsequente Trennung von Aufgaben- und Beziehungsebene, sowie eine stimmige Kombination aus Konfrontation und Wertschätzung, können helfen, Konfliktgespräche zu vermeiden.

Patrick FRITZ

Dr. Patrick FRITZ

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2 Kommentare zu “Negatives Feedback geben
  1. Moin moin,
    danke für den Beitrag. Auch wenn es vielleicht wie Haarspalterei wirkt, möchte ich die Begriffe Feedback, Lob und Kritik etwas deutlicher differenzieren. Positives Feedback ist meiner Meinung nach nicht mit Loben zu verwechseln. Mit einem Feedback geben ich meinem Gegenüber zu verstehen, wie z.B. eine Handlung auf mich gewirkt hat. Mit Lob oder Kritik bewerte ich das Verhalten meines Gegenübers. Beispiel gefällig?
    Positives Feedback: „Du hast gestern Abend noch die Aufgabe XY übernommen. Darüber habe ich mich gefreut und es hat den Druck, unter dem ich stand, gelöst.“
    Negatives Feedback: „Du hast gestern Abend noch die Aufgabe XY übernommen. Darüber habe ich mich sehr geärgert, weil ich mich darauf bereits gefreut hatte.“
    Lob: „Du hast gestern Abend noch die Aufgabe XY übernommen. Du bist wirklich ein hilfsbereiter Kollege.“
    Kritik: „Du hast gestern Abend noch die Aufgabe XY übernommen. So wie Du dabei unabgestimmt vorpreschst, ist dein egoistisches Verhalten für das Team nicht akzeptabel.“
    Beides ist in Führungsrollen notwendig: Feedback geben und Bewerten. Es sind jedoch verschiedene Techniken mit einer meist sehr unterschiedlichen Wirkung. Daher sollten sie meiner Meinung nach auch differenziert eingesetzt werden.

  2. Patrick Fritz sagt:

    Hallo Uwe,

    vielen lieben Dank für deinen Kommentar und die genauere Differenzierung der Begriffe Feedback, Lob und Kritik. Das macht den Artikel eine ganze Nummer besser!

    Beste Grüße
    Patrick

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