Monomythos – Das grundlegende Muster von Allem

Was ist der Monomythos?

Beim Vortrag „Geschichten inszenieren lernen“ von Franz Kaspersky ist mir vor allem der Begriff des Monomythos aufgefallen. Der Begriff wurde von James Joyce (Ulysses) geprägt und bezeichnet die Taten eines Helden auf einer Heldenreise (z.B. Odysseus, Star Wars, Herr der Ringe). Interessant an der Sache ist, die Heldenreise läuft nach dem immer selben Muster ab, tritt aber in den unterschiedlichsten Variationen auf. Wir glauben immer wieder unterschiedliche Filme zu sehen oder Romane zu lesen, im Kern läuft aber immer dasselbe Muster ab.

Wie läuft die Heldenreise?

  1. Paradies: Die Reise der Helden beginnt fast immer im Paradies, in seiner gewohnten Welt. Alles ist gut, wie bei den Hobbits im Auenland.
  2. Katalysator: Der Held wird durch einen Schicksalsschlag oder ein existenzielles Problem aus der gewohnten Bahn geworfen. Der Ring taucht auf und muss zerstört werden. Nach erster Verweigerung beginnt die (unfreiwillige) Reise.
  3. Beistand: Der Held muss die Reise zum Glück nicht alleine bestehen und erhält Beistand durch einen Mentor: Zauberer (Gandalf der Weiße), Hobbits, Zwerge und Elben begleiten den Helden auf seinem Weg.
  4. Prüfungen: Der Held durchläuft eine Phase der Prüfungen und Bewährungsproben und meistert sie entweder oder geht unter. Der Hobbit Bilbo nimmt seine Reise auf und muss unzählige Prüfungen bestehen, bei denen es um Leben oder Tod geht.
  5. Zuspitzung: Alles läuft auf die große Endprüfung bzw. den Endkampf hinaus. Das Vordringen zur tiefsten Höhle steht bevor. Der Ring muss im Vulkan versenkt werden und die scheinbare Übermacht der Feinde muss besiegt werden – die entscheidende Prüfung.
  6. Ankommen: Wenn der Held alle Prüfungen bestanden hat, kommt er am Schluss in einer Art gelobtem Land an. Bilbo reist in den äußersten Westen. In der Moderne findet diese Odyssee innerlich statt: Der Held kommt am Schluss bei sich selbst an, bei einem neuen Selbst.

FRITZ - Monomythos

Mythologeme als Salz in der Suppe

Als Ergänzung zum Monomythos können sogenannte Mythologeme hilfreich sein. Dabei handelt es sich um Elemente bzw. Motive innerhalb einer Mythologie, die immer wieder vorkommen und natürlich in keiner Heldenreise fehlen dürfen:

  • Krieg / Tod / schwerer Verlust
  • Liebe / Hass / Gut / Böse
  • Einsamkeit / Verlassen sein / Dazugehörigkeit oder ausgeschlossen sein
  • Existentielle Prüfung / schwere Zeiten / schwere Entscheidungen / Asymmetrie

Wer vor seinem geistigen Auge „Romeo und Julia“ durchgeht, wird schnell bemerken, dass alle Punkte in einem Stück abgedeckt sind. Auch in den allermeisten Heldenreisen kommen diese Grundmotive vor.

Fazit – Monomythos und Business?

Nicht nur in Change-Prozessen stellt sich immer wieder die Sinn-Frage. Warum müssen wir uns verändern? Warum brauchen wir mehr Umsatz? Warum müssen wir schneller werden? Als Antwort kann man natürlich über Zahlen argumentieren und dadurch Veränderungsdruck erzeugen. Vielleicht können aber auch Elemente des Monomythos, oder einzelne Mythologeme, helfen den Change-Prozess an sich begreifbar zu machen. So kann eine Dramaturgie für Change-Prozesse entwickelt werden, die sozusagen in unseren Genen steckt und offensichtlich für alle verständlich und nachvollziehbar ist. Wie lautet ihre Geschichte?

Patrick Fritz

Dr. Patrick Fritz

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