Klassisch oder agil? Die Tetralemma-Lösung

Die Frage ob ein Projekt klassisch oder agil geführt werden soll erscheint mir häufig eine beinahe religiöse Frage zu sein – LEIDER! Zuerst muss ganz klar festgehalten werden, nicht jedes Team kann agil geführt werden, auch wenn der Wille da ist. Wenn das Wollen, Können und Dürfen vorhanden ist, gibt es allerdings noch eine viel attraktivere Möglichkeit. Doch dazu muss ich ein wenig ausholen …

Klassische und agile Methoden im Vergleich

Je länger ich mich mit klassischen und agilen Projektmanagement-Methoden beschäftige, desto klarer wird mir, dass es in der jeweils anderen Welt eine Entsprechung gibt. In der klassischen Welt wird zum Beispiel von Projektstrukturplan und Arbeitspaketen gesprochen. In der agilen Welt wird von Product oder Sprint Backlog und User Stories gesprochen.

Grundsätzlich versuchen beide Methoden, viel Arbeit in handhabbare Arbeitsstücke herunter zu brechen. Der Unterschied besteht „lediglich“ darin, dass im klassischen Ansatz das gesamte Projekt bereits vorab geplant werden soll. Beim agilen Ansatz wird nur die Arbeit für den nächsten Sprint konkret geplant, also für die nächsten zwei bis vier Wochen. Die nachfolgende Liste zeigt weitere Übereinstimmungen dieser Form:

Klassisch oder agil

So what? Wenn man nun in beiden Ansätzen wirklich durch ist, muss man sich meiner Meinung nach gar nicht mehr für die eine oder andere Seite entscheiden. Hierzu möchte ich euch die Tetralemma-Lösung vorstellen:

Die Tetralemma-Lösung

Das Tetralemma ist für mich eine Art Entscheidungshilfe. Häufig sind wir in unseren Entscheidungen sehr begrenzt, entweder entscheiden wir uns für Schwarz oder Weiß. Das Tetralemma zeigt weitere Möglichkeiten auf:

  1. Das Eine, also Schwarz.
  2. Das Andere, also Weiß.
  3. Beides, also schwarz und Weiß.
  4. Keines, also weder schwarz noch weiß.
  5. Ganz was anderes, also vielleicht gar keine Farbe.

FRITZ Tetralemma

Das heißt, in einem Projekt kann ein Projektstrukturplan mit Arbeitspaketen sinnvoll sein. Die Aufwandsschätzung geschieht jedoch mit Magic Estimation. Zu Beginn eines Projektes gibt es alle zwei oder vier Wochen ein Statusmeeting. In der heißen Projektphase steigen wir auf ein Daily SCRUM Meeting mit vorgegebenen Fragen um. Wir führen ein klassisches Projekt durch, schließen jedoch mit einer Retro anstelle eines Projektabschlussberichts.

Fazit – klassisch oder agil?

Wenn man ein Projekt zu führen hat, muss man sich nicht zwangsläufig für die klassische ODER die agile Welt entscheiden. Man kann sich je nach Anwendungsfall die Methode raus picken die gerade passend und nützlich ist. Voraussetzung ist aber auch, dass man in beiden Welten wirklich durch ist. Das ist kein Anfänger-Vorgehensmodell!

Patrick FRITZ

Dr. Patrick Fritz

 

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2 Kommentare zu “Klassisch oder agil? Die Tetralemma-Lösung
  1. Oliver Fels sagt:

    Die ganze Diskussion ist eigentlich Makulatur.
    Wenn man sich die Arbeitsweise in den Unternehmen ansieht, und davon habe ich viele gesehen, stellt man fest, dass es so gut wie niemanden gibt, der die reine (agile) Lehre praktiziert.
    Kann auch gar nicht. Denn die Praxis bietet endlos viele Stolpersteine, die erfordern, die Vorgehensmodelle auf eine Weise zurecht zu schneidern, die jene operativen Eigenheiten abbildet.
    Im Automotive und Luftfahrt sind es beispielsweise Regularien, die Anforderungen an Dokumentation und Reporting stellen, dazu kommt saftey criticality, die weitere Bremsen hinein pflanzt. Kunden, die nicht mitspielen, usw.
    Im Endeffekt ist fast jede Implementation ein Kompromiss und somit auch eine Form von best practice.

    • Patrick Fritz sagt:

      Hallo Oliver,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Ich finde du ergänzt die Diskussion um einen weiteren wesentlichen Punkt. Es geht nicht nur darum wie agil man sein will oder kann, sonder auch DARF.

      Beste Grüße
      Patrick

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