Holacracy ersetzt Führungskräfte?

Kann Holacracy Führungskräfte ersetzen? Wenn man den Ausführungen von Brian Robertson Glauben schenken darf, lautet die Antwort JA! Holacracy verteilt die Autorität, die sonst bei Führungskräften liegt, auf Kreise, die aus Rollen zusammengesetzt sind. An dieser Stelle möchte ich aber nicht tiefer zur Funktionsweise von Holacracy einsteigen, sondern einen Schritt zurück machen und das größere Ganze betrachten.

Die Grundaussage, wenn es um Modelle zur Selbstorganisation wie Holacracy geht, ist immer dieselbe: Der Markt verändert sich immer schneller, deshalb müssen Organisationen anpassungsfähiger werden. Wenn wir Führungskräfte abschaffen (=zentrale Steuerung), können Mitarbeiter sich selbst organisieren und damit schneller anpassen (=dezentrale Steuerung). Bei aller Faszination, die ich für das Thema Selbstorganisation habe, stoßen mir zwei Aspekte besonders auf.

Modetrend Selbstorganisation

In den Jahren, die ich mich mit Führung und Organisation beschäftige, bemerke ich immer wiederkehrende Modetrends. Genauso wie in der Mode gerade die 60er wieder „en vogue“ sein mögen, sind es derzeit dezentrale Steuerungskonzepte in der Unternehmensführung und -organisation. Quasi eine Neuauflage des Empowerment-Trends, der die Abschaffung von scheinbar künstlichen Hierarchien wieder salonfähig machen möchte.

FRITZ - Holacracy ersetzt Führungskräfte?

Ich bin mir sicher, dass wir demnächst wieder von der Rückkehr der starken Führungskraft sprechen werden. Damit werden Stichworte einhergehen wie „Strong Leadership“, „Positive Führung“ und „Starke Hand“. Wollen wir wetten? Allein schon aus dieser Überlegung heraus wäre ich vorsichtig damit, Führungskräfte durch Holacracy abschaffen zu wollen. Vielleicht werden sie bald händeringend gesucht.

Lösung für schlechte Führung

Wenn Formen von Selbstorganisation wie Holacracy die Antwort sind, was war dann eigentlich die ursprüngliche Frage? Was war der Anstoß für die Entwicklung der unterschiedlichen Organisationskonzepte? Ich unterstelle, der sich immer schneller ändernde Markt ist nicht der Ausgangspunkt. Der Markt und damit die Bedürfnisse der Kunden haben sich immer schon geändert. Die Ursache ist vielmehr die nicht mehr passende Führung durch Führungskräfte.

Mitarbeiter sind heute informierter – vielleicht ist auch der Sinn der Arbeit wichtiger geworden. Das heißt, die Anforderungen an Führungskräfte haben sich geändert, weil sich viele Mitarbeiter geändert haben. Konkret glaube ich, dass der autoritäre Führungsstil an seine Grenzen kommt. Konkret glaube ich, dass Mitarbeiter mehr Verantwortung übernehmen müssen, damit Unternehmen überlebensfähiger werden.

ABER, auf diese geänderten Anforderungen ist Holacracy nicht die richtige Antwort. Ganz im Gegenteil. Das Bedürfnis der Mitarbeiter ist viel eher wieder mehr Orientierung zu bekommen. Die Antwort liegt in einer Führung, die den Rahmen vorgibt, in dem zielgerichtete Handlungen stattfinden können. Holacracy und jede andere Organisationsform kann schlechte Führung nicht ausgleichen.

Fazit – Holacracy ersetzt Führungskräfte?

Meine Antwort ist klar und eindeutig: Gute Führung durch reife Führungskräfte ist der zentrale Schlüssel zur Leistungssteigerung in Unternehmen. Führungskräfte können durch kein Betriebssystem ersetzt werden – sei es auch noch so ausgetüftelt. Eine Studie von Mercer legt sogar nahe, dass 52 Prozent der Unternehmensprofitabilität auf Führung zurückzuführen ist. Führungskräfte müssen also gestärkt werden. Führungskultur muss entwickelt werden.

Patrick FRITZ
Dr. Patrick Fritz

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