Die Zukunftsgeschichte nach Andrea Kaiser

Dr. Andrea KaiserGastbeitrag von Dr. Andrea Kaiser über den Wert der Zukunftsgeschichte.

Inspirierende Leader inspirieren Mitarbeiter mit spannenden Zukunftsgeschichten statt sie mit trockenen Strategien zu langweilen.

Unternehmensziele, Strategieworkshops und Visionen sind wichtig für Unternehmen. Aber bewegen Ihre  Zukunftsbilder Ihre Mitarbeiter wirklich? Bieten Sie einen greifbaren Rahmen für selbständiges Handeln und schaffen Sie die Grundlage für eigenständige Entscheidungen?

Kennzahlen, Umsatzwerte und Formulierungen zur Marktpositionierung definieren einen Zielzustand. Sie wecken kaum die Emotionen, die Menschen in Bewegung versetzen. Es fällt uns leichter einer Vorstellung zu folgen, die einem Bild oder einem vorweggenommenen Erlebnis wie einer Geschichte entspricht. Die Werbung weiß das und dreht Werbefilme. Entsprechend werbewirksame Begriffe und Hochglanzbeschreibungen versuchen die für eine Identifikation wichtige Emotionalisierung. Sie sind aber in der Regel austauschbar und zu wenig konkret. Sie schaffen es nicht nachvollziehbare Bilder in die Köpfe der Mitarbeiter zu malen, die automatisch handlungsleitend sind. Ohne diesen Automatismus bleiben Strategie und Co ein mühsames, immer wieder neu zu durchdenkendes Regelwerk.

Es gibt eine alternative Verpackung, der es gelingt Mitarbeiter zu inspirieren: Die Zukunftsgeschichte. Jede Vision, jede strategische Überlegung und selbst Unternehmensziele lassen sich mit Hilfe des Formats eines klassischen Dramas mitreißend erzählen. Eine starke Zukunftsgeschichte ist ergreifend. Wie ein Krimi baut eine bewegende Zukunftsgeschichte Spannung auf und schreibt das bisherige Unternehmensdrehbuch ggf. in einer Metapher fort.

Dr. Andrea Kaiser - Zukunftsgeschichte

Im ersten Akt stellt die Zukunftsgeschichte die Protagonisten vor, z.B. Kunden, Mitarbeiter, Geschäftsleitung oder deren Avatare. Ihre Aktivitäten sind in der weiteren Geschichte als Problemlösungshandeln zu verstehen, im Hinblick auf das Erreichen des Zukunftsbildes.

Auf dem Weg vom ersten zum zweiten Akt, beim Aufbruch, begegnen die Protagonisten dem akuten Problem des Unternehmens. Damit wird klar, warum es z.B. die Veränderung braucht. Sie durchleben im zweiten Akt Krisen, Konflikte und Probleme auf dem Weg zur Zielsituation, nach denen es kein Zurück mehr gibt! Da jeder weiß, ein Weg ohne Schwierigkeiten ist illusorisch, schildern Sie also im zweiten Akt mögliche Schwierigkeiten, interessante Wendungen oder Konflikte die gelöst werden. Diese Transparenz beweist Ihr Wissen um Hürden und gibt Ihren Mitarbeitern die Sicherheit, Ihnen auf dem Weg zum Ziel zu folgen. Schließlich haben sie alles im Blick! Probleme und Eskalationen machen die Story glaubwürdig und führen direkt zur entscheidenden Wendung: Einer neuen Ordnung, einer anderen Marktposition, höheren Umsätzen, mehr Qualität oder Nachhaltigkeitszielen. Für eine ideale Zukunftsgeschichte finden Sie eine durchgängige Metapher wie eine Schifffahrt, Seilschaft oder Expedition. Übersetzen sie die vermuteten Probleme in das gewählte Bild.

Im dritten Akt wird diese neue Ordnung umgesetzt, lassen Sie auch jetzt Regelbrüche, Widersprüche und unkonventionelle Wendungen zu! Was während der Implementierung  passieren könnte, sollte in der Zukunftsgeschichte erwähnt werden.  Beschreiben Sie die Überwindung dieser Hürden und schildern Sie den Zielzustand möglichst bunt und sprachgewandt. Bitte beschränken sie sich nicht auf Begriffe aus Hochglanzbroschüren. Brechen Sie den angestrebten Zustand auf detailliertes Handeln und Verhalten runter. Schildern Sie, wie es im Unternehmen sein wird, wenn das Ziel erreicht ist. Beschreiben Sie, woran man die Zielerreichung erkennen wird, wenn man durch das Haus geht und wie es sich für die Belegschaft anfühlen wird. Werden sie ganz einfach etwas emotional.

So kreieren Sie eine Zukunftsbeschreibung, die Ihre Mitarbeiter begreifen und denen sie unwillkürlich folgen können und wollen. Damit treffen Sie ins Herz ihrer Belegschaft und bewegen wirklich.


Dr. Andrea Kaiser Die Sozialwirtin und promovierte Volkswirtin ist seit 1997 als externe Personalmanagerin und interne Personalentwicklerin tätig; später als Organisationsberaterin in verschiedenen Branchen und Unternehmen der DACH-Region. Heute ist sie, mit ihrer 2010 gegründeten Firma BeratungsArt, Ansprechpartnerin für zukunftsgestaltende Projekte und Moderatorin inspirierender Workshops.

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