Die Führungskraft als Coach?

Schon öfters wurde der Themenwunsch „Die Führungskraft als Coach“ an mich herangetragen. Inzwischen weigere ich mich, das Thema in dieser Form anzubieten, weil ich es für ein großes Missverständnis halte. Doch zunächst zurück an den Start …

Was ist ein Coach?

Der Begriff „Coach“ boomt und wird inflationär gebraucht. Jeder und alles scheint Coach zu sein oder sich dazu ausbilden lassen zu wollen. Nicht umsonst spuckt Google auf den ersten Drücker 722 Mio. Suchergebnisse aus (Stand 17. Februar 2016). Liegt es daran, dass der Begriff Coach rechtlich nicht geschützt ist? Dem Schweizer Branchenverband BSO zufolge hat Coaching seine Wurzeln im Sport und zielt auf das Verhalten von Einzelpersonen ab:

Mit Coaching bezeichnen wir Ansätze, die die Berufsrolle, die Funktion, Leistung und (Problem)-lösung im System in den Vordergrund stellen und sich an exponierte Personen und Entscheidungsträger/-innen wenden.

Auf Basis dieser Definition besteht auch nicht die Gefahr, den Coach als Hebamme misszuverstehen. Oder wie es Marietheres Mimberg kürzlich in Training aktuell auf den Punkt gebracht hat: Nicht alle Antworten liegen „im“ Klienten. Manchmal gibt es keine Lösungen. Manchmal braucht es einen Fachmann, deutliche Stellungnahme und Meinung!

Was ist eine Führungskraft?

In Abgrenzung zu Management (sachbezogene Führung) handelt es sich bei Führung im eigentlichen Sinn um menschenbezogene Führung – gerne auch Leadership genannt. Führung ist also die bewusste Verhaltensbeeinflussung anderer Personen, um definierte Ziele zu erreichen. Mehr dazu im Beitrag „Leadership vs. Management„.

Führungskräfte sind also dazu da, das Verhalten anderer Personen (=Mitarbeiter) zu beeinflussen, um definierte Unternehmensziele zu erreichen. D.h., Führungskräfte sind in erster Linie dem Unternehmen bzw. den Unternehmenszielen verpflichtet. Schließlich soll ihre Funktion dazu beitragen, das System Unternehmung überlebensfähig zu halten.

Führungskraft als Coach?

Der entscheidende Unterschied zwischen Führungskraft und Coach besteht für mich darin, dass der Coach nicht Teil des Systems Unternehmung ist. Er ist in erster Linie dem Klienten und erst in zweiter Linie den Unternehmenszielen verpflichtet ist. Nach dem Motto „Mach‘ den Mitarbeiter A wieder ganz, damit wir das Ziel B erreichen können“.

Eine Führungskraft ist kein (externer) Coach, genauso wie ein Coach keine (interne) Führungskraft ist. Hier gilt es für mich, Rollenklarheit zu wahren. Arbeite ich am System oder bin ich Teil des Systems? Als Mitarbeiter würde ich es sogar ein wenig untergriffig halten, wenn mich meine Führungskraft coachen will.

Fazit

Die Führungskraft als Coach ist ein großes Rollen-Missverständnis. Die Führungskraft muss im Sinne des Unternehmens handeln – der Coach im Sinne des Klienten.

Dr. Patrick Fritz

Dr. Patrick Fritz

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